Der Ritter und die Ritterin (mit Hinweisschild)

Der Ritter und die Ritterin – man denkt sofort an Georg Kreislers Opernboogie. Auf jeden Fall wirkt das Paar beeindruckend, das sich hier in Stuck über dem Eingang des Gebäudes in der Petra Slezáka 531/14 im Stadtteil Karlín (Prag 8) befindet.

Die Fassade des dreistöckigen Miets- und Wohnhauses ist an für sich recht schlicht gehalten. Nur das Erdgeschoss wurde künstlerisch gestaltet. Aber deshalb der üppig dekorierte Eingang besonders auffällt. Das Gebäude wurde, wie man der Inschrift über der Türe entnehmen kann, im Jahre 1911 eingeweiht. Die Pläne hatte schon im Jahr zuvor der Architekt und Bauunternehmer Josef Houštecký entworfen. Über den lässt sich wenig herausfinden, außer dass er im Statdteil Karlín damals etliche Bauaufträge an Land gezogen hatte. Karlín – zu dieser Zeit noch kein Teil Prags (die Eingemeindung erfolgte erst 1922) – war damals eine aufstrebende Industriestadt und Anfang des Jahrhunderts herrschte ein gigantischer Bauboom.

Die Stuckarbeit wurde wahrscheinlichvon der Firma des Bildhauers und Stuckateur Otakar Rákosník (über ihn berichteten wir hier) designt und ausgeführt. Die Mietshäuser, die während des damaligen Booms in Massen erbaut wurden, waren moderne Gebäude mit moderner Stahlgerüstbauweise. Trotzdem legte man damals Wert darauf, dass Fassaden – mal im Jugendstil, mal historisierend – künstlerisch gestaltet wurden. Rákosník hatte diese Kombination zwischen industrialisertem Design und Kunstanspruch in großem Umfang und landesweit realisieren können. Rákosník hatte Kommerz und Kunst am Ende sehr erfolgreich mit einander verbunden und damit das Stadtbild Karlín entscheidend bereichert.

Und im Fall des Hauses in der Petra Slezáka hat man ein Beispiel dafür. Die Fassade kombiniert den damals modernen Jugendstill mit Elementen der Neorenaissance. Und die Dame im vornehmen Renaissance-Kleid und der stolze Ritter in der Prachtrüstung des gleichen Stils sind echte kleine Kunstwerke, die den Betrachter verblüffen. Um so mehr ist es unverzeihbar, was in recht modernen Zeiten mit der „Ritterin“ gemacht wurde. Mitten in das Reliefbild (oberhalb rechts) hat man ein blaues metallenes Hinweisschild zu Straßeneinbauten angeschraubt, das amtlich ausweist, wo hier Hydrant und Wasserleitungen liegen. Das ist schon ein Akt der Barbarei, der hoffentlich irgendwann rückgängig gemacht wird. (DD)

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