Des Malers Inspiration

Zu den entspannensten Wanderwegen für Ausflügler in der Nähe Prags gehört das Tiché údolí (Stille Tal), durch den sich vorbei an schöner Felslandschaft der Únětický potok (Únětice Bach) schlängelt, und der – dicht bewaldet – an heißen Sommertagen die kühle Frische bietet (wir berichteten hier).

Wer aber noch, ein wenig Lust an Bergaufstiegen hat und schöne Aussichten liebt, der sollte nahe des Dolní rybník (Unteren Teichs) beim kleinen Örtchen Únětice nach Norden hin einen steilen, markierten Trampelpfad hinaufsteigen. Rund 70 Meter höher stößt man dann auf die bekannte Alšova vyhlídka (Aleš-Aussicht). Das ist ein großer Karstfelsen, vor dem sich kleiner Rastplatz befindet. Der Ort ist nach Mikoláš Aleš benannt (frühere Beiträge u.a. hierhier und hier), der Ende des 19. Jahrhunderts ein überaus populärer Historienmaler im Stil der Neorenaissance war.

Der Maler lebte nämlich ab 1877 in einem alten Herrenhaus (wir berichteten) im alten Dorfkern von Suchdol (Starý Suchdol), das auf dem Berg am gegenüberliegenden Ufer des Tal liegt. 1879 heiratete er und seine Frau überzeugte ihn, dass eine Wohnlage näher am Prager Stadtzentrum tunlicher sei. Aber in den zwei Jahren, in denen er in der Nähe lebte, besuchte er den Felsen wohl gerne und oft. Deshalb benannte man den Ort nach seinem Tod nach ihm. Es heißt, er habe hier künstlerische Inspiration gesucht. Da er aber hauptsächlich kauzige Milieuszenen der böhmischen Renaissance malte, die vor allem Fresken auf Hausfassaden zierten, und nur sehr selten Landschaften, lässt sich da wenig direkter Einfluss nachweisen. Aber vielleicht inspirierte ihn nur die Ruhe des Ortes und nicht de Anblick der umgebenden Natur.

Heute ist die Weite der Aussicht sowieso nicht mehr so beeindruckend. In den Zeiten von Aleš war die Umgebung von Prag längst nicht so schön bewaldet wir heute, wo Bäume die Sicht von der Aleš-Aussicht nicht völlig, aber weitgehend versperren (das Bild links dient als Beispiel). Die Schönheit der Felsformation rechtfertigt die Mühen des Aufstiegs sowieso. Aber vielleicht nutzte der Maler die Stelle nur als Zwischenrast.

Denn: Von hier aus muss man nur noch wenige Meter aufsteiegen, um auf den befelsten Gipfel dieses Berges zu kommen, den Holý vrch (Kahle Höhe), der 296 Meter Höhe über dem Meeresspiegel misst, und der tatsächlich einen freieren Blick auf die weite und hügelige Landschaft der Umgebung erlaubt. Also: Noch ein wenig weiterklettern nachdem man die Aleš-Aussicht hat. Und wenn man dann an einem heißen Sommertag dabei schwitzt und Durst bekommt, dann bereitet das nur auf den nächsten Genuss vor. Nach dem Abstieg ist es nicht mehr weit bis zur Únětický pivovar, der hervorragenden lokalen Brauerei von Únětice (unser Bericht hier) mit ihren schönen Biergarten. Möglicherweise kehrte Mikoláš Aleš hier auch ein, wenn er oben auf dem Berg hinreichend inspiriert worden war. (DD

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