Drei Standartenträger – nicht ganz zur Legende passend

Wir schreiben das Jahr 1736. Gerade ist mal wieder ein neuer Österreichischer Türkenkrieg ausgebrochen und drei Soldaten – Fähnriche (Standartenträger) von Rang – treffen sich das letzte Mal hier, in der Schenke in der heutigen Husova 231/12. Die Freunde versprechen, dass sie sich allesamt hier nach dem Krieg wieder treffen würden. Als der Krieg 1739 endet, haben nur zwei von ihnen überlebt. Der dritte Soldat, von der Erinnerung an das Versprechen verfolgt, erscheint ihnen als Geist. Sie würden ihm schon innerhalb eines Jahres folgen, prophezeit er den Kameraden. Vor Schreck beschließen die beiden, die Armee zu verlassen und als Mönche in das nahe Franziskanerkloster bei der Kirche St. Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné) einzutreten. Doch auch der fromme Lebenswandel hilft nichts, denn noch im selben Jahr sterben beide eines natürlichen Todes.

Diese Legende, die sich u.a. hier überliefert findet, hat dem Haus der Drei Standartenträger (dům U Tří praporečníků) hier in der Husova, wo die Altstadt am altstädtischsten ist, den Namen gegeben. Sie scheint aber eine recht neue Erfindung zu sein. Und irgendwie stimmen Legende und die Bilder von den Fähnrichen auch nicht überein. Die Uniformen der drei abgebildeten Soldaten im Renaissancestil passen nämlich eher zum Zweiten Österreichischen Türkenkrieg von 1566 bis 1568, und nicht zu dem des Jahres 1736. Man muss also der Sache dann doch auf den Grund gehen – ohne dabei zu vergessen, dass sowohl die Legende als auch das Haus letztlich doch sehr schön sind.

Die Geschichte des Hauses selbst ist eigentlich nicht ungewöhnlich für die meisten Häuser der Altstadt. Es begann sein Leben als mittelalterliches Haus in der Gotik des 14. Jahrhunderts. Immer wieder gab es grundlegende Umbauten, vor allem in der Renaissance (wovon die Torbögen des Eingangs überlebt haben) und der Zeit des Barock. Doch im Grunde ist das, was wird heute von der Straße aus sehen, erst im Jahre 1877 entstanden. In diesem Jahr fand eine radikale Rundum-Erneuerung im Stil der damals hyper-modernen Neo-Renaissance statt. Dabei wurde u.a. ein zusätzliches Stockwerk aufgesetzt. Und zwischen den Fenstern des ersten Stocks wurden die gekrümmten Blechplatten mit den aufgemalten Bildern der drei Standartenträger angebracht.

Die Legende wurde möglicherweise für die Bilder kreiert – und nicht umgekehrt. Es heißt aber, dass die Architekten der Umgestaltung von 1877 auf früher hier befindliche Motive zurückgriffen. Es heißt, dass hier ein im Haus ein Schneider seine Werkstatt hatte, der 1586 über dem Eingang Schilder mit schicken Soldatenuniformen, die zu schneidern er in der Lage war, angebracht hatte. Damals hieß das Haus auch noch Haus zu den Drei Engeln (dům tří andělů). Die heute hier zu sehenden Bilder von 1877, die recht gute Nachempfindungen des originalen Renaissancestils darstellen, erinnern letztlich daran. Aber das ist natürlich keine solch schöne Geschichte wie die Legende von den drei Soldaten, von denen einer als Geist wiederkehrte. (DD)
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