Ein Besuch In Brünn – LandesBlog

Fast am Ende ihres Praktikums schaffte es unsere LandesBloggerin Rebecca, noch eine weitere Großstadt zu besuchen – Brünn (Brno).

Brünn ist, wo man mit der Šalina fährt und „calovat“ beim Bezahlen sagt, rief ich mir wieder ins Gedächtnis. Es war nicht mein erster Besuch in der mährischen Metropole und ich freute mich umso mehr, im Rahmen des Brünner Symposiums der Ackermann-Gemeinde und der Bernard-Bolzano-Gesellschaft wieder hierher zu kommen. Auch wenn es bei der Ankunft gleich regnete. Natürlich, wie sollte es auch anders sein? Eigentlich kenne ich Brünn nur bei Regen. Und so stellte ich mir die Frage, ob es an meinem „Glück“ liegt oder ob Brünn einfach mehr Regentage als Prag hat. Kurz recherchiert fand ich heraus, dass es scheinbar im Monatsdurchschnitt in Prag sogar häufiger regnet. Also erwische ich nur gerne diese nassen Tage. Doch ab und zu schien mich an diesem Wochenende Brünn dann doch überzeugen zu wollen, dass es auch mit Sonne dienen kann, als sich diese kurzzeitig durch die fluffigen Wolken kämpfte.

Durch die Straßen von Brünn

Trockenen Fußes fiel mit auf dem Weg zur Basilika Mariä Himmelfahrt als erstes der Architektur-Mix ins Auge, den ich früher nicht so wahrgenommen hatte. Alte Gebäude im klassizistischen Stil stoßen auf Moderne. Manchmal sind sie gar Nachbarn, stehen Seite an Seite in einer Häuserzeile. Wie auch dieses Gebäude mit der schwarzen Glasfassade.

Dazwischen schlängelt sich die „Šalina“, wie man die „Tramvaj“ hier nennt, durch die Straßen. Bei den neueren Šalinas fährt wie eine Art Maskottchen oder Gallionsfigur an der vorderen rechten Seite ein roter Drache mit. Auch ein Bus mit grünem Dackelaufkleber ist mir aufgefallen. Am Prager Hauptbahnhof hatte ich schon öfter Züge mit der Aufschrift „CityElefant“, „RegioShark“ oder „RegioSpider” gesehen. Vielleicht fährt man also in Brünn mit dem „Grünen Dackel“ oder dem „Roten Drachen“, dachte ich mir und vermutete erst einmal keine tiefere Bedeutung dahinter.

 

Der Drache und die Stadt

In einer Karte, die von Einheimischen gemacht wurde, konnte ich dann aber nachlesen, dass mehr hinter dem Drachen und seiner Verbindung zu Brünn steckt. Gleich mehrere Geschichten erzählen, wie der Drache nach Brünn kam. In manchen wurde er der Stadt von einem osmanischen Sultan geschenkt, in anderen wurde er von Kreuzfahrern zurückgebracht. In wieder anderen waren es die Kaufmänner aus Venedig, die den Drachen mitgebracht haben sollen. Am bekanntesten aber ist wohl die Legende, wonach der Drache in einer Höhle am Fluss „Svratka“ (Schwarza/Schwarzach) gelebt und sich gegenüber der Stadtbevölkerung nicht gerade nett verhalten hätte. Niemand aber wäre mutig genug gewesen, um es mit ihm aufzunehmen und ihn zu töten, auch wenn ganze Beutel voll Gold dafür geboten worden wären. Eines Tages sei dann ein Schlachter in die Stadt gekommen. Er soll die Bewohnerinnen und Bewohner nur um die Haut von einem Ochsen und einen Beutel voll Kalk gebeten haben. Diesen habe er dann in die Ochsenhaut eingenäht und sei zum Fluss gefahren, an die Stelle, wo der Drache gerne ein Schläfchen hielt… Dorthin soll er sein Werk gelegt und abgewartet haben. Nicht lange und der Drachen sei erschienen. Hungrig habe er sich über den scheinbar saftigen Ochsen hergemacht und dann ausgiebig aus dem Fluss getrunken. Der Kalk, so heißt es, soll sich weiter und weiter ausgebreitet haben und so sei der Drache schließlich geplatzt.

Heute scheint er aber Freundschaft mit der Brünner Bevölkerung geschlossen zu haben und führt seine Passagiere so sicher durch das Straßennetz. Um diesen flinken Drachen im Vorbeifahren vor die Linse zu bekommen oder auch um es bei den kurzen Ampelphasen auf die andere Straßenseite zu schaffen, muss man in Brünn allerdings schon etwas sportlich sein.

Studentenstadt mit viel Grün

Auf dem Symposium habe ich erfahren, dass Brünn mit seinen vierzehn Universitäten und 86.000 Studierenden als „Studentenstadt” gilt. Vor allem soll es hier viele naturwissenschaftliche Fachbereiche geben und viele Menschen, die sich gemeinsam für Umwelt- und Naturschutz einsetzen. Bis zum „Stadtteil mit dem Blick in die Zukunft”, Nový Lískovec, mit dem neu geschaffenen und ausgezeichneten Park, habe ich es leider nicht geschafft. Gleich gegenüber von der Unterkunft aber, wo zwischen vielen Bäumen die Burg Spielberg (Špilberk) durchblitzt, konnte ich jedoch recht viel Grün erahnen. Dass es in einer Studentenstadt traditionell auch viele Kneipen und Bars gibt, verwunderte mich nicht. Bei meinem letzten Besuch in Brünn war ich auch in einer ganz besonderen Bar. Einer Bar, die es scheinbar gar nicht geben sollte. Die „Bar, die nicht existiert“ („Bar, který neexistuje”). Leider konnte ich mich an diesem Wochenende nicht auf die Spurensuche begeben und herausfinden, ob sie überdauert hat, ob die Bar, die nicht existiert, noch existiert. Das wird also eine Mission für meinen nächsten Besuch in Brünn.

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