Eine Reise durch die Vielfalt deutschsprachiger Filme

Ab Donnerstag zeigt „Das Filmfest“ wieder viele spannende Filmproduktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

„Sonne und Beton“, „Sisi & Ich“, „Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen“. Das sind nur drei von über zwei Dutzenden Filmtiteln aktueller Filmproduktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die das bereits traditionelle Filmfest in diesem Herbst in Prag, Brünn (Brno) und Olmütz (Olomouc) aufführen wird.

Kriminalgeschichte mit viel Situationskomik 

Ein Coming-of-Age- und zugleich ein Kriminalfilm. So wird der Spielfilm „Sonne und Beton“ des deutschen Filmregisseurs David Wnendt von 2023 charakterisiert. Es handelt sich um die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Felix Lobrecht, der autobiografische Züge trägt. „Viele Sachen, die im Buch vorkommen und nun auch im Film passieren, habe ich eins zu eins selbst erlebt. Genauso viele Sachen sind aber auch frei erfunden. Ich habe immer offengelassen, was wahr ist, und was nicht. Dabei belasse ich es auch“, so Lobrecht.

Der Film erzählt die Geschichte von drei Klassenkameraden, die in ihre Schule in Berlin-Gropiusstadt einbrechen, um auf diese Weise ihre Geldprobleme zu lösen. Sie fallen dabei immer tiefer ins dortige Gangmilieu. Obwohl es sich um eine Kriminalgeschichte inmitten einer Berliner Wohnsiedlung handelt, wird sie von den Filmemachern lebhaft und mit einer Menge Situationskomik erzählt. Nach dem Regisseur Wnendt liege die Stärke der Buchvorlage in ihrer Authentizität, Glaubwürdigkeit, Sensibilität: „Die Figuren sind differenziert und realistisch dargestellt. Lukas und seine Freunde sind keine Engel, sie können rau, grob und frech sein, sie bauen viel Mist und doch sind sie verletzlich und fähig, Zärtlichkeit zu zeigen“, sagt David Wnendt.

Als er auf Felix Lobrecht mit dem Angebot der Verfilmung zukam, soll der Buchautor nach eigenen Aussagen ein gutes Gefühl gehabt haben, da er bereits Wnendts Debütfilm „Kriegerin“ kannte. „Es ist ein ganz anderes Genre, ein ganz anderes Milieu, aber die Unmittelbarkeit und harte Dichte war genau das, was ich mir auch für eine Verfilmung meines Romans wünschte“, sagte Lobrecht.  Seine Intuition schien richtig zu sein. Denn obwohl der Film erst im Frühjahr dieses Jahres bei der Berlinale aufgeführt wurde, hat er inzwischen bereits mehrere Filmpreise erhalten.

Eine unbekannte Perspektive auf Kaiserin Elisabeth

Zurück in die Geschichte bringt die Besucher des Filmfestes der historische Spielfilm „Sisi & Ich“ der Regisseurin Frauke Finsterwalder. In der Starbesetzung mit Sandra Hüller und Susanne Wolff verfolgt man die Lebensgeschichte der Kaiserin Elisabeth von Österreich, die als „Sisi” bekannt wurde. Diese außerordentliche Frau wird von der Regisseurin Frauke Finsterwalder aus einer bisher unbekannten, fiktiven Perspektive aufgefangen, wobei auch ihre dunklen Seiten zum Vorschein kommen. Der Spielfilm wird von der Kritik hochgelobt. So pries ihn beispielsweise die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ als „den leichtfüßigsten deutschen Film seit langer Zeit“ und ein wunderbares Werk „über Freundschaft und Einsamkeit, über Hoffnung und Zerbrechlichkeit“ an.

Wunderkind und „Enfant Terrible“: Das Leben der Elfriede Jelinek

Die Sprache von der Leine lassen. Das kann die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die von ihrem Umfeld als Wunderkind, Skandalautorin, Vaterlandsverräterin, Theaterfurie, Feministin, Modeliebhaberin, Kommunistin, Pessimistin, Sprachterroristin, Rebellin, „Enfant Terrible“, Nestbeschmutzerin oder als „geniale, verletzliche Künstlerin“ bezeichnet wird. Sie wurde viel und oft beschimpft, aber auch in gleichem Maße bewundert. In ihrem Film „Die Sprache von der Leine lassen“ erzählt Claudia Müller in Form eines Dokumentarfilms aus Elfriede Jelineks Leben. Durch die Verbindung von Archivmaterial und zum Teil neu aufgenommenen Off-Texten und O-Tönen von Elfriede Jelinek wird das Leben der Weltliteratin aus einer sehr persönlichen Sicht geschildert.

Verachtet und verehrt: Der Film „Die Sprache von der Leine lassen“ erzählt die Elfriede Jelineks Geschichte aus einer sehr persönlichen Sicht. Foto: Das Filmfest

Spannende Dokumentationen auf dem Filmfest 

In ihrem Dokumentarfilm „Ruäch – Eine Reise ins jenische Europa“ begeben sich die Schweizer Filmemacher Simon Guy Fässler und Andreas Müller auf die faszinierende Spur der „Jenischen“, einem marginalisierten Nomadenvolk, das einst in der Schweiz und den angrenzenden Ländern beheimatet war. Der Film taucht tief in die Geschichte und Kultur dieses Volkes ein und wirft ein Licht auf ihre oft übersehene Lebensweise und Identität. Zu erwähnen ist auch der Dokumentarfilm „Liebe, D-Mark und Tod“ über die lebendige türkische Musikszene in Deutschland. Unter der Regie von Cem Kay werden Gespräche mit Musikern, beeindruckende Live-Konzertaufnahmen und fesselnde Archivbilder geschickt miteinander verknüpft. Das Ergebnis ist ein spannender Einblick in die Musik, die Lebensgeschichten und die kulturelle Vielfalt der deutsch-türkischen Gemeinschaft, die durch die Musik verbunden ist.

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