Kapelle mit biedermeierlichen Bildern

Bei Spaziergängen in die Umgebung von Prag stößt man immer wieder auf unzählige kleine Kapellen, wie sie halt in den katholischen Habsburgerlanden dereinst traditioneller Ausdruck von Volksfrömmigkeit waren. Ein künstlerisch etwas herausragendes Beispiel ist die die Kapelle unserer lieben Maria in Zbraslav (Kaplička Panny Marie Zbraslavské).

Es handelt sich um eine kleine Nischenkapelle, die – wie der Name sagt – im südlichen Stadttteil Zbraslav steht, genauer gesagt, in dessen kleinen Ortsteil Baně. Sie liegt etwas abgelegen im Wald (und wird deshalb auch manchmal Waldkapelle genannt) und ist nach wenigen hundert Metern von der Haltestelle Baně (Buslinien 129, 242, 318) über einen kleinen Fußweg den Na Beránku (Zum Lamm) genannten Hügel hinauf erreichbar. Architektonisch ist sie zunächst einmal keine große Besonderheit. Es handelt sich um einen einfachen klassizistischen Bau mit dorischen Pilastern und Dreiecksgiebel. Hübsch, aber so etwas gibt es recht häufig.

Aber hinter der formstrengen Architektur verbirgt sich schöne Malerei. Die Kapelle wurde 1840 hier gebaut, als Klassizismus groß in Mode war. Im Jahre 1871 wurde sie noch einmal kräftig renoviert und in Stand gesetzt. Beide Daten finden sich auf der Treppenstufe vor der Kapelle, wo – damals war im Habsburgerreich Zweisprachigkeit politisch angesagt – in Tschechisch und Deutsch steht: „Uvěř, zde jest stánek milosti! – Glaube, hier ist eine Gnadenstætte“ und dahinter die beiden Jahreszahlen.

Im Innenraum der Kapelle fügte ein unbekannter Künstler farbige und ausgesprochen zierliche Fresken hinzu. Und die sind es, die die Kapelle tatsächlich zu einer Besonderheit machen. Zentral in der Hinterwand der Nische (Bild links) sieht man die der Kapelle den Namen gebende Jungfrau Maria mit dem Jesuskind über Wolken (in denen sich ein strahlendes Kreuz befindet) im Himmel schwebend. Das ist feinster Biedermeierstil, der in jeder Hinsicht zum Entstehungsdatum der Kapelle von 1840 passt. Das sieht man so bei Kapellen in der Gegend dann doch eher selten. Vor allem nicht in der handwerklichen Qualität wie sie hier geboten wird.

An den Seitenwänden ist die Jungfrau Maria jeweils von Darstellungen von sie anbetenden Engelsgestalten eingerahmt. Einer der Engel musiziert mit einem Streichinstrument zur Anpreisung der Jungfrau Maria. Daneben schwebt ein kirchliches Gebäude in den Wolken, das recht eindeutig das nahegelegene Kloster von Zbraslav (heute ein Schloss, über das wir hier berichtet haben) darstellen soll.

Die Engelsgestalt auf der Seitenwand gegenüber trägt ein Blumengebinde in den Händen. Die Fresken wirken ausgesprochen frisch (wie der Name ja besagt). Das liegt daran, dass sie von kompetenter Hand in den Jahren von 2000 bis 2003 restauriert wurden. Die Restaurierung verdankt man dem 2006 verstorbenen Maler und Restaurateur Vladimír Růžička, der nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 lange Zeit im Exil in Deutschland gewirkt hatte, bevor nach dem Ende des Kommunismus wiederkehrte. Er war der Sohn der in Tschechien bekannten Bildhauerin Věra Růžičková-Bejrová. Hier zeigt sich, was gute Restaurationskunst zu leisten vermag. (DD)

 

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