Kotěras Frühwerk

Als man in den 1870er Jahren den ehemaligen Pferdemarkt Prags zu dem großen Wenzelsplatz (Václavské náměstí) ausbaute, den wir heute kennen, konnten sich Architekten aller Richtungen im großen Stile selbst verwirklichen. Das Haus mit der Nummer 777/12 gehört zu den Pionierbauten am Orte.

Es handelt sich um das Peterka-Haus (Peterkův dům), das in den Jahren 1898/99 von dem Architekten Jan Kotěra (siehe auch hier) erbaut wurde. Der wurde in der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg so etwas wie der große Vorläufer der funktionalistischen Moderne in Böhmen. Das Peterka-Haus ist allerdings ein Frühwerk und ein ebenfalls bedeutendes Werk des frühen Jugendstils. Entworfen hatte es Kotěra für einen Bankier namens Peterka, der sich eine erstklassige Lage für sein Haus ausgesucht hatte. Von der Rückseite hat man heute noch einen Blick auf den Franziskanergarten und die schöne Barockirche St. Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné), über die wir hier berichteten.

An der Stelle stand zuvor ein barockes Gebäude aus der Zeit um 1732, von dem nur wenig im Untergeschoss erhalten sein soll. Bei der Gestaltung des fünfstöckigen Wohn- und Bürohauses lehnte sich Kotěra noch an Vorbilder an, die von dem Architekten Vilém Tierhier entworfen waren. Das Haus ist horizontal dadurch optisch aufgeteilt, dass es einen gewerblichen Teil in den unteren zwei Stockwerken (mit unterschiedlichen Deckenhöhen, Bogenfenstern und Rustifizierungen) und den regelmäßiger und schlichter gestalteten oberen Wohnteil gibt. Der untere Teil zeichnet sich dazu noch durch einen burgartigen Toreingang aus, über dem sich eine vergoldete Marienskulptur befindet.

Die Fassade der oberen drei Geschosse ist mit floralen Motiven in Stuck geschmückt. Die sind das Werk des Architekten und Bildhauers Josef Pekáreks, der später durch seine allegorische Skulptur der Moldau am Janáček-Kai (Janáčkovo nábřeží) am westlichen Moldauufer nahe der Schützeninsel (Střelecký ostrov) berühmt wurde. Im gegensatz zu anderen Werken des „floralen“ Frühjugendstil ist das ganze aber nicht überladen, sondern kultiviert zurückhaltend. Dieser Stil setzt sich wohl auch im inneren Teil des Gebäudes fort.

Die Krönung des Gebäudes ist jedoch der im großen Bild oben gezeigteSkulturenschmuck auf Höhe des obersten Stockwerks – eine weibliche Allegorie des Ruhms und eine männliche Allegorie des Arbeitsfleißes. Sie sind das Werk des Bildhauers Stanislav Sucharda, der später durch das Denkmal für den Nationalhistoriker František Palacký am Moldauufer berühmt wurde.

Architekt Kotěra hat sich übrigen selbst im Erdgeschoss mit einer kleinen, sehr jugendstiligen Plakette am Gebäude verewigt…. (DD)

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