Kuriose Jugendstilhunde

Man wünscht sich, der Besitzer würde doch einmal einige Eimer Farbe aufwenden, um seinem Haus wieder zu dem Glanz zu verhelfen, das es verdient. Das gilt besonders für die kleinen Stuckreliefs, auf denen kleine biedermeierlich gekleidete Mädchen mit ihrem Hund spielen. Der kleine Canide hat sich ein wenig spielerisch in die Krinoline des Kleides eines der Mädchen verbissen, was aber lässig genommen wird. Schon damals liebten die Tschechen ihre Hunde und ließen sie gewähren.

Das imposante vierstöckige Wohn- und Mietshaus in der Polská 1618/9 in Prag-Vinohrady wurde im Jahre 1911 von den Architekten Josef Pospíšil und Jan (Josef) Rokos. Besonders Pospíšil hatte sich zu diesem Zeitpunkt einen internationalen Ruf als Gestalter prachtvoller Fassaden gemacht (Beispiele präsentierten wir u.a. schon hier und hier), zunächst meist im Stil des Neobarock, aber hier bereits im Jugendstil. Und wenn man in Vinohrady nach einem besonders gelungenen Beispiel für einen sehr opulenten floralen Jugendstil sucht, dann ist dieses Haus, dessen Auftraggeber und Besitzer ein gewisser Karel Svoboda war, so etwas wie die erste Wahl.

Insbesondere die beiden Erker im zweiten und dritten Stock (mit je einem Balkon darüber) und die Giebelaufbauten auf dem Dach sorgen für eine sehr abwechslungsreiche und geradezu spielerisch wirkende Ästhetik. Diese wird noch einmal duch die bunten/vergoldeten Verzierungen aus Schmiedegitter unter dem Dachfirst unterstrichen. In dieser Form findet man das bei normalen Wohnhäusern eher selten in Prag.

Vor allem fällt das Haus aber durch die Prise Humor auf, die man sich bei den Stuckaturen gegönnt hat.Dazu gehört auch die witzige Spielszene mit Hund im ersten Stock, die man oben im großen Bild bewundern kann. Es gibt auch noch eine zweite Szene dieser Art – mit einem kleinen Hund, der vor einem sitzenden Kleinkind mit biedermeierlicher Schute und einem etwas größeren Mädchen, das eine Puppe im Arm trägt, steht..Auffallend ist, dass bei beiden Bildern eines der beiden Mädchen scheinbar unbeteiligt ins Publikum – also Richtung Passanten – guckt. Was war die Idee dahinter? Man weiß es nicht. Es wirkt jedenfalls sehr huintergründig.

Das gilt auch für die beiden Reliefs, bei denen jeweils kleine Putten oder Zwerge (ganz klar ist das nicht) mit Blasinstrumenten nebeneinander vor einem reich geschmückten kleinen Portal stehen, um ein kleines Konzert zu geben. Was mag sie hinter der Tür dazu veranlassen. Sicher ist nur, dass das Haus in der Polská nicht nur zu den schönsten Jugendstilhäusern der Umgebung, sondern auch zu den kuriosesten gehört. Schon deshalb täte ein wenig Fassadenauffrischung gut. (DD)

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