Mit Torte und Kulturpalast

Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage feiern die 25. Ausgabe. Mit dem Motto „Brüche‟ sind sie auf der Höhe der Zeit. Am 26. Oktober geht es los mit einem Eröffnungskonzert im Dresdner Kulturpalast.

Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage sind aus Dresden und Umgebung nicht mehr wegzudenken. Dabei dürften die Initiatoren damals, Ende der 1990er Jahre, als das Festival als Tschechische Kulturtage von der Brücke/Most-Stiftung ins Leben gerufen wurden, nur in den kühnsten Träumen gehofft haben, dass aus diesem Fest einmal so eine Institution werden würde. In diesem Jahr finden die Kulturtage, die später um einen deutschen Teil in Tschechien ergänzt wurden, bereits zum 25. Mal statt. Und das nimmt die Festivalleitung zum Anlass, die Eröffnung in den ikonischen Kulturpalast zu verlegen – einen sozialistischen Prachtbau vom Ende der 1960er Jahre, der 2017 nach möglichst originalgetreuer Renovierung wieder eröffnet wurde.

In einem der besten Konzertsäle Deutschlands kommt es zwei Tage vor dem tschechischen Nationalfeiertag zum Aufeinandertreffen zweier Philharmonien. Die Dresdner Philharmonie musiziert mit dem Philharmonischen Chor Prag Werke von Janáček, Martinů und Brahms. Mit über 90 Veranstaltungen auf beiden Seiten der Grenze hat das Festival auch zahlenmäßig mehr zu bieten als die Jahrgänge zuvor. Das hat aber nicht zwingend etwas mit dem Jubiläum zu tun, wie Rüdiger Kubsch, Geschäftsführer vom Hauptorganisator, der Euroregion Elbe/Labe, erklärt: „Das hängt mit der wachsenden Zahl der Veranstaltungspartner zusammen“, sagt Kubsch. Das zeugt wiederum von der Popularität dieses größten Festivals tschechischer Kultur außerhalb Tschechiens, wobei die Euroregion vor allem Zuwachs außerhalb des Hauptstandorts Dresden anpeilt. So soll tschechische Kultur auch in der Grenzregion zu Tschechien erlebbar sein, wo das Interesse ebenfalls hoch ist.

Neuer tschechischer Partner

Dabei klingt das Festivalmotto „Brüche“ erst einmal gar nicht nach Feiern. Aber jeder Bruch bringt auch etwas Positives hervor, es liegt nur daran, das zu ergreifen, sagen die Veranstalter. Das gilt für den ursprünglichen Anlass des Mottos, die Trennung der Tschechoslowakei, wie auch das Festival selbst. Wobei der größte Bruch im Festival schon einige Jahre her ist. 2017 war die Brücke/Most-Stiftung ein letztes Mal Ausrichter der Kulturtage. Die Stiftung war infolge der Finanzkrise 2009 an finanzielle Grenzen gestoßen. Nachdem sie zuvor bei der Politik wiederholt erfolglos um eine institutionelle Förderung ersucht hatte, musste sie zum Ende des Jahres 2018 ihr operatives Geschäft einstellen. Doch das war nicht das Ende der Kulturtage. Dieses Flaggschiff der Stiftung wurde durch die Euroregion Elbe/Labe übernommen und die Brücke/Most-Stiftung ist nach einer konzertierten Rettungsaktion sogar als Partner mit eigenen Veranstaltungen wieder dabei.

Den vorerst letzten Bruch gab es diesmal auf tschechischer Seite. Mit dem Collegium Bohemicum schied ein langjähriger Partner aus. Das Collegium Bohemicum, das in Aussig (Ústí nad Labem) vor allem für die Dauerausstellung zur Geschichte und Kultur der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien verantwortlich ist, wird seit diesem Jahr durch das Aussiger Kulturhaus Veřejný sál Hraničář ersetzt. Deren Hauptjob ist die Organisation kultureller und gesellschaftlicher Veranstaltungen, was nach Überzeugung der Organisatoren besser zum Zuschnitt der Kulturtage passt. Doch da der Wechsel erst im Frühjahr zustande kam, wirken sich die Veränderungen noch nicht so deutlich aus.

Großes Staraufgebot

Auch inhaltlich macht sich das Motto der Brüche bemerkbar. Nicht nur die Trennung Tschechiens und der Slowakei vor 30 Jahren, auch die Flucht aus der DDR in den Westen über die Tschechoslowakei sowie der Prager Frühling sind Thema in Film und Diskussion. Brüche thematisiert auch eine geführte Wanderung im deutsch-tschechischen Grenzgebiet, wo der Dichter Radek Fridrich aus Tetschen (Děčín) unterwegs ist. Auch mehrere tschechische Filme der jüngeren Vergangenheit wie die Dokumentarfilme „KaprCode“, „More Miko“ und „René – Gefangener der Freiheit“ und die Spielfilme „Banger“ und „Buko“ thematisieren das Motto der Kulturtage.

Besucher dürfen sich nicht nur auf charmante Filme mit dem typisch tschechischen Humor freuen, zu denen neben „Buko“ von Alice Nellis auch „Die große Premiere“ von Miroslav Krobot und der letzte Film des Duos Svěrák/Svěrák „Das Licht von Bethlehem“ zählen. Das Festival hat auch wieder jede Menge tschechische Stars zu Gast. Angefangen beim Philharmonischen Chor über Bestsellerautorin Alena Mornštajnová, den zweifachen Buchpreis-Short-List-Autor Jan Faktor, „Il Boemo“, dem besten Film 2022 bis zu herausragenden Jazz-Musikern, von denen Altstar Martin Kratochvíl nur einer ist. Peter Becher liest in Bad Gottleuba aus seinem „Prager Tagebuch“ und Jaroslav Rudiš präsentiert in Dresden mit Jaromír 99 sein neues Werk „Weihnachten in Prag“. Die Kafka Band gastiert zudem mit ihrem neuesten Werk „Der Prozess“ in Aussig.

Verständnis wecken

Dem selbst gesteckten Ziel, Verständnis für das Nachbarland zu wecken, kommt das Festival auf diese Weise locker nach. Auch im 25. Jahr hat das Festival nichts an Aktualität und Dynamik verloren. Das ist in Zeiten nach einer Pandemie und während eines Krieges und in denen es Festivals und Kultur im Allgemeinen durch Preiserhöhungen und wachsende Unsicherheiten nicht leicht haben, schon sehr viel.

Wenn also am 26. Oktober im Kulturpalast die große deutsch-tschechische Geburtstagstorte angeschnitten wird, möchte man dem Festival laut wünschen: Auf weitere 25 Jahre!

Article by Steffen Neumann

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