Ärger wächst wegen Nichtanerkennung von Impfungen, die im Ausland getätigt wurden


Fast schon ein halbes Jahr lang kann man sich weltweit gegen das Coronavirus impfen lassen. Neben den verschiedenen Vakzinen, die dazu angeboten werden, gehen die Impfungen in den Ländern auch unterschiedlich schnell voran. Immer deutlicher aber wird die Tatsache, dass manche Impfungen in einem anderen Staat nicht anerkannt werden. So fühlen sich beispielsweise Tschechen, die in den Vereinigten Staaten geimpft wurden, benachteiligt, weil man ihnen diese Immunisierung im Heimatland nicht anerkennt.

„Der Hauptgrund meiner Impfung in den Staaten war, dass ich problemlos nach Tschechien zurückkehren wollte“, sagt der junge Tscheche František, der sich anschickt, nach seinem Studienaufenthalt im US-Bundesstaat Nebraska wieder nach Hause zu kommen. Es ärgert ihn, dass man seine komplett durchgeführte Impfung daheim nicht anerkennt. Da er auch nicht mit Covid-19 erkrankt war, entfallen für ihn schon zwei Möglichkeiten, um einen Schutz vor dem Virus nachzuweisen. Daher scheint ihm nichts anderes übrig zu bleiben, als sich nach seiner Rückkehr wiederholt testen zu lassen: Denn er hat durchaus vor, zur Arbeit zu gehen oder ein Restaurant zu besuchen. Diese Perspektive kommentiert er ironisch:

„Ich rege mich am meisten darüber auf, dass die Tests dadurch auch nicht negativer werden, als sie es schon sind.“

Der Heimflug steht auch für den Publizisten Michal Durčák an, er kehrt ebenfalls aus den USA zurück. Wegen seiner Impfung hat er das Gesundheitsministerium in Prag schon mehrfach kontaktiert, doch eine klare Antwort hat er bisher nicht erhalten. Dabei kann er seine Immunisierung auf mehrfache Weise nachweisen:

„Ich bin im Besitz einer CDC-Karte, die man in den Staaten erhält, wenn man beide Impfdosen bekommen hat. Auf der Karte ist die Nummer der Charge, anhand der man erkennen kann, wann und wo man geimpft wurde. Es lässt sich also mit nur wenig Mühe überprüfen, dass ich kein Betrüger bin.“

Zudem hat Durčák einen Eintrag in seinem internationalen Impfpass und einen Beleg über die medizinischen Leistungen, die ihm in den USA zuteilwurden:

„Ich habe mich hier gegen Tetanus impfen lassen, weil die vorherige Wirkungszeit erloschen war. Und diese Impfung wird mir überall anerkannt, weil ich die entsprechenden Papiere und noch einen Stempel im internationalen Impfpass habe. Doch im Falle des Coronavirus geht das aus irgendeinem Grunde nicht.“

Daniel Dražan von der Tschechischen Impfgesellschaft ist mit weiteren ähnlichen Fällen konfrontiert worden, bei denen Tschechen ein Problem mit der Anerkennung ihrer Corona-Impfung haben. Dabei sei er unter anderem auf eine Person getroffen, die deswegen bereit gewesen sei, sich zwei weitere Dosen verabreichen zu lassen. Doch dies sei aus medizinischer Sicht nicht zu empfehlen, betont Dražan:

„Für mich ist das gewiss nicht das richtige Vorgehen. Es gibt auch keine Studie über eine Impfung mit vier Dosen, und vor allem ist es nicht notwendig. Meiner Meinung nach ist es nötig, dass in Tschechien die Impfungen im Ausland anerkannt werden, die mit den Vakzinen vorgenommen wurden, die in der Europäischen Union registriert sind.“

Roman Chlíbek, Vorsitzender der Tschechischen Impfstoffgesellschaft und Mitglied einer Beratergruppe des Gesundheitsministeriums, teilt diese Auffassung:


„Die Beratergruppe ist sich darin einig, dass nicht das Land und der Ort der Impfung wichtig sind. Entscheidend ist, welcher Impfstoff verwendet wurde. Und wenn die Vakzine von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) oder von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) genehmigt sind, dann sollte eine Impfung mit diesen Stoffen auch in Tschechien anerkannt werden.“

Das Gesundheitsministerium in Prag hat eine solche Empfehlung bisher nicht ausgesprochen. Nach Aussage von Sprecherin Gabriela Štěpanyová befasse man sich aber mit dem Thema. Und bevor die Verhandlungen dazu nicht abgeschlossen seien, gelten die aktuellen Regelungen. In Tschechien anerkannt sind derzeit alle Impfstoffe, die in den Ländern der Vísegrád-Staaten, in Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien verabreicht wurden. Und das trifft auch auf die Vakzine zu, die von der EMA bisher nicht gebilligt wurden, wie beispielsweise der russische Impfstoff Sputnik V. Und deshalb gibt es zurzeit auch die bizarre Situation, dass man hierzulande ein Restaurant besuchen kann, wenn man in Ungarn mit einem chinesischen oder russischen Vakzin geimpft wurde, aber nicht, wenn man die Stoffe von Pfizer oder Moderna in den USA bekommen hat.

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