Ausschreibung für die „Moldau-Philharmonie“ beginnt im August


Im August wird der architektonische Wettbewerb für ein neues Konzerthaus in Prag eröffnet. Wer die sogenannte „Moldau-Philharmonie“ direkt am Flussufer letztlich bauen soll, entscheidet eine Expertenkommission dann im kommenden Jahr.

„Uns fehlt bis heute etwas, mit dem wir uns auch in architektonischer Hinsicht der Welt präsentieren können. Zum anderen wäre ein solcher Bau ein großer Anreiz und Ansporn für die Musikkultur und das kulturelle Leben hierzulande.“

Schon an der getragenen Stimme von Kulturminister Lubomír Zaorálek (Sozialdemokraten) lässt sich die Bedeutung des Vorhabens „Moldau-Philharmonie“ erkennen. Jahrzehntelang wird es bereits diskutiert. Am schwersten tat man sich damit, einen angemessenen Standort zu finden. Dieser ist nun auf eine Parzelle im Stadtteil Holešovice festgelegt, zwischen Flussufer und Metrostation „Vltavská“. Aktuell sei dies eine eher vernachlässigte Gegend, erläutert Lenka Burgerová. Sie ist Architektin und stellvertretende Bürgermeisterin des siebenten Stadtbezirks:

„Der Bau hat das Potential, zu einer wesentlichen Aufwertung dieses Ortes beizutragen. Denn bisher gibt es hier vor allem die Überreste einer inzwischen aufgegebenen Verkehrsplanung.“

Dennoch wurde bei der Projektvorstellung am Dienstag besonders auf die Möglichkeiten zur direkten Verkehrsanbindung hingewiesen. Neben der U-Bahn-Station soll die unmittelbare Nähe zur Nord-Süd-Magistrale sowie zu einer der Hauptbahnlinien genutzt werden. In der komplexeren Planung zur Revitalisierung des Gebietes haben die Stadtverordneten zudem eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer vorgesehen, die über die Moldau nach Karlín führen soll.

In Bezug auf die einzelnen Räumlichkeiten der neuen Philharmonie forderte Architekt Josef Pleskot, die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie einfließen zu lassen:

„Wir müssen die Abstände zwischen den einzelnen Sitzplätzen im Zuschauerraum diskutieren oder auch die Breite der Gänge.“

Die Anforderungen sehen eine Zuschauerkapazität von insgesamt 1800 Personen in mehreren Sälen vor. Interessensbekundungen am Bau des Konzerthauses gibt es bereits aus 23 Architektenbüros im In- und Ausland. Die Expertenkommission, die die Bewerbungen auswerten wird, zählt 33 Mitglieder.


Der Prager Magistrat hat außerdem eine Studie zur ökologischen Beheizung des Neubaus in Auftrag gegeben. Dabei könnte die nebenbei gewonnene Energie einer Kläranlage auf der etwa vier Kilometer entfernten Kaiserinsel genutzt werden. Bis zum Sommerende wird das Institut für Planung und Entwicklung der Hauptstadt Prag eine entsprechende Analyse vorlegen.

Für die „Moldau-Philharmonie“ steht ein Budget von 6,1 Milliarden Kronen (240 Millionen Euro) zur Verfügung, das Bauende ist für 2031 angesetzt. Das Haus soll dann auch tagsüber für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Neben den Konzertsälen soll es zukünftig etwa auch die Musikabteilung der Stadtbibliothek beherbergen.

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