Ausstellung in Dobrá Voda: Diplomat und Einsiedler Hl. Gunther


Der heilige Gunther wird als Patron des Böhmerwaldes verehrt. Auf Tschechisch heißt er Vintíř. Eine neue Dauerausstellung über den Diplomaten und Einsiedler wurde vor kurzem im Böhmerwaldort Dobrá Voda / Gutwasser eröffnet.


Gunther war ein Adeliger thüringischer Herkunft, der um 955 geboren wurde. Er war ein bedeutender Diplomat im Dienste der deutschen Kaiser und Könige. Später trat er dem Benediktinerorden im Kloster Niederalteich bei. 1040 ließ sich Gunther in der kaum besiedelten Gegend von Gutwasser nieder. Durch den Ort führte damals ein Handelsweg nach Bayern. Im Simon-Adler-Museum in Dobrá Voda ist derzeit eine neue Dauerausstellung über den Heiligen zu sehen. Die Schau wurde schon im vergangenen Jahr zusammengestellt, konnte wegen der Corona-Pandemie jedoch erst vor kurzem offiziell eröffnet werden. Sie beschreibt das Leben des Benediktinermönchs, aber auch den Wanderweg, der seinen Namen trägt. Veronika Rubínková leitet das Museum. Sie macht auf eine Wunderstatue von Gunther aus dem 15. Jahrhundert aufmerksam:


„Der Legende zufolge haben einige der hiesigen Hirten das Kunstwerk in einem hohlen Baumstamm gefunden. Sie brachten die Plastik in die Kirche nach Hartmanice. Am nächsten Tag passierte jedoch ein Wunder: Die Plastik kehrte nach Dobrá Voda zurück. Sie wiederholten den Versuch mit der Verlegung noch einige Male, aber die Statue kehrte immer wieder in den Baumstamm zurück. Den Bewohnern von Dobrá Voda blieb nichts anderes übrig, als um den Baumstamm eine Kapelle zu bauen. Auf deren Fundamenten steht heute die St.-Gunther-Kirche.“


Die Gunther-Plastik habe in der Vergangenheit als ein Gnadenbild gedient, merkt die Museumsleiterin an:


„Wenn ein Gläubiger vor der Statue sein Herz öffnete und betete, wurde ihm sein Wunsch erfüllt. Das können die Museumsbesucher auch ausprobieren.“


Zu den einzigartigen Ausstellungsexponaten gehört auch ein Gemälde, das auf Blech gemalt wurde. Es stamme aus der Zeit um 1800, sagt Veronika Rubínková:


„Das Bild ist beiderseitig. Ursprünglich hing es in der winzigen Kapelle, die ganz in der Nähe, auf dem Berg Březník (deutsch Gunthersberg, Anm. d. Red.), stand. Dort soll sich angeblich eine Einsiedelei befunden haben. Während des kommunistischen Regimes in den 1950er Jahren wurde die Kapelle abgerissen. Das Bild wurde jedoch gerettet. Auf der einen Seite ist St. Gunther mit einem Heiligenschein abgebildet. Auf der anderen Seite ist eine deutsche Inschrift zu lesen, in der der Přemysliden-Herzog Břetislav I. erwähnt wird.“


Gezeigt werden des Weiteren Gegenstände, die aus der Kirche in Dobrá Voda stammen. Sie wurden einst vor deren Plünderung gerettet.


„In der Zeit, als hier ein Truppenübungsplatz errichtet wurde, haben die Soldaten die Kirche geplündert. Nichts ist dort erhalten geblieben.“


Die Ausstellung hält auch eine moderne Version eines Mirakelbuchs bereit, also einer Sammlung von Wunderberichten, die sich auf Gunther beziehen. Dazu Veronika Rubínková:


„Dafür gibt es einen Tastbildschirm. Die Besucher können hier über Wunder lesen, die sich in Dobrá Voda abgespielt haben. Es werden 305 solcher Ereignisse aufgezählt. Wir warten bisher noch auf das 306. Wunder.“


An der Vernissage nahmen unter anderem Vertreter der Gemeinde und des Kreises Plzeň / Pilsen teil. Marcela Krejsová (Bürgerdemokraten) ist im Kreisrat für den Fremdenverkehr verantwortlich. Sie ist stolz auf die Tatsache, dass über Gunther, der vor 1000 Jahren an diesem Ort lebte, verhältnismäßig viele Informationen erhalten sind:


„Er war der erste Bewohner des Böhmerwaldes, dessen Name bekannt ist. Außerdem war er der erste Diplomat der tschechisch-deutschen Beziehungen. Es ist bewundernswert, dass ein Mann aus einer reichen adeligen Familie sich schließlich für ein Mönchsleben entschieden hat. Als Einsiedler predigte er die Bescheidenheit und die Sorge für die Mitmenschen.“

Bei der Eröffnung der Ausstellung waren darüber hinaus Gäste aus Bayern anwesend, darunter Elisabeth Simon von der Landesvolkshochschule in Niederalteich:


„Unsere Schule steht direkt neben dem Kloster, wo Gunther sozusagen seine Laufbahn begann. Ich bin ziemlich neu in Niederalteich und mache mich mit der Persönlichkeit dieses Heiligen erst vertraut. Ich finde, dass sich das Dorf dessen bewusst werden sollte, was Gunther bedeutet. Für die Völkerverständigung, die heute so notwendig ist, ist er ein echtes Vorbild.“


Gunther starb 1045. Der böhmische Herzog Břetislav I. ließ die sterblichen Überreste des Einsiedlers ins Benediktinerkloster Břevnov überführen.


Der Mönch wurde nie offiziell heiliggesprochen, wird jedoch seit Jahrhunderten als Heiliger verehrt.


Das Simon-Adler-Museum ist täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. An jedem geraden Wochenende ist das Museum allerdings geschlossen. Dobrá Voda liegt etwa zwei Kilometer südwestlich von der Stadt Hartmanice / Hartmanitz.

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