Bauaufträge in Gefahr: Preisschock und Lieferengpässe in Baubranche


Die Corona-Krise macht sich auch im tschechischen Baugewerbe bemerkbar. Die Preise für Holz, Stahl und Dämmstoffe steigen in die Höhe. Dies führt zu Schwierigkeiten bei der Vergabe von Aufträgen durch Städte und Gemeinden, denn die Bauherren können den vereinbarten Preis nicht garantieren.


Tomáš Trubač besitzt eine Baufirma in Svatava / Zwodau in Nordwestböhmen. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks beschrieb er die aktuelle Lage im Bauwesen:


„Im ersten Quartal wurde das Baumaterial noch zu den zuvor vereinbarten Preisen geliefert. Mittlerweile erhalte ich am Dienstag ein Preisangebot, das aber nur bis Freitag gilt. Und mit meinem Angebot bewerbe ich mich auf eine Ausschreibung, die am Mittwoch kommender Woche startet und etwa einen Monat lang dauern könnte. Aber schon in dem Moment, in dem ich mich um den Auftrag bewerbe, weiß ich bereits nicht mehr, wie hoch die Kosten sein werden.“


Trubač arbeitet seit dreißig Jahren in der Branche. Preisschwankungen seien im Baugewerbe üblich, einen vergleichbaren Preisanstieg habe er aber noch nie erlebt:


„Ich bin überzeugt, dass die Preiserhöhungen zum Teil künstlich sind und gestoppt werden. Wir wissen nur nicht, wann dies geschieht und auf welchem Niveau. OSB-Platten sind zum Beispiel in zwei Monaten dreimal so teuer geworden. An so etwas kann ich mich nicht erinnern.“


Bauherren müssen sich nun darauf einstellen, dass die Investoren wegen der steigenden Preise den Vertrag aufkündigen. Tomáš Trubač:


„Mit Privatinvestoren können wir uns meist einigen. Sie haben sowieso keine andere Möglichkeit, wenn sie den Bau realisieren wollen. Die Städte sagen aber oft, dass sie den Auftrag nicht fortsetzen könnten, weil ein fester Preis gebilligt worden sei. Ich habe zum Beispiel einen Auftrag am Stadion in Sokolov verloren. Ich konnte ihn nicht realisieren, weil der Preis für Baumaterial im Februar gebilligt wurde und heute wo ganz anderes liegt. Zudem verlängern sich die Lieferfristen. Sie liegen etwa bei Polystyrol und Dämmstoffen bei zwei Monaten.“


Lieferengpässe sind also ein weiterer Grund dafür, dass sich die Lage der Bauherren verkompliziert.


Kateřina Klepáčková leitet die Abteilung für Stadtentwicklung in Sokolov / Falkenau. Sie bestätigt die negativen Folgen der instabilen Preise auf dem Baumarkt auf die Planung der Gemeinde:


„Die Stadt Sokolov stößt bei der Vergabe öffentlicher Aufträge auf Preisschwankungen. Konkret etwa bei Dachreparaturen. In diesem Jahr sollten drei solche Aufträge vergeben werden. Die dringendste Dachreparatur mussten wir absagen, weil der Lieferer sein Preisangebot nicht garantieren konnte.“


Auch Rudolf Borýsek muss sich täglich mit Preisschwankungen bei Baumaterialien beschäftigen. Es ist Vizevorsitzender der Regionalen Bauvereinigung und Vizepräsident des tschechischen Unternehmerverbands. Seiner Aussage nach wird derzeit nach einem Modell in der Preispolitik gesucht, mit dem man auf die Instabilität und das Ungleichgewicht im Bauwesen reagieren könne:


„Ich kann im Moment keine festen Preise versprechen. Wahrscheinlich wird es sich um Preisspannen handeln. Bei Eisen gilt der Preis heute für nur einen Tag, bei Holz für zwei Tage. Aufgrund unserer Erfahrungen sind wir aber imstande, die Preisentwicklung für drei Monate abzuschätzen.“


Rudolf Borýsek nennt zwei Hauptgründe für die aktuelle Krise. Erstens habe die Corona-Pandemie die Beziehungen zwischen Lieferanten und Abnehmern gestört. Und zweitens trage der Handel mit CO2-Zertifikaten zu der Entwicklung bei. Er lässt demnach die Energiepreise ansteigen und auch die Inflationsrate.

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