Beliebte Statue für Brücken: Der Heilige Johannes Nepomuk wird gefeiert


Der Heilige Johannes Nepomuk ist wohl der bekannteste Tscheche der Welt. Allein in Europa gibt es über 33.000 Statuen des Heiligen. Vor genau 300 Jahren, am 31. Mai 1721 wurde der Priester und Märtyrer aus dem 14. Jahrhundert von Papst Innozenz XIII. seliggesprochen. Acht Jahre später erfolgte dann die Heiligsprechung.


Der spätere böhmische Landespatron kam um das Jahr 1345 in der Familie des Richters Welflin zur Welt, und zwar in einem westböhmischen Ort, der damals noch Pomuk hieß. Nach dem Studium in Prag wurde Johannes zum Priester geweiht. Er studierte kanonisches Recht in Padua und promovierte zum Doktor. 1389 wurde er Generalvikar des Prager Erzbischofs Johann von Jenstein. Der Legende nach wurde Johannes vom böhmischen König Wenzel IV. gefoltert und ertränkt, weil er das Beichtgeheimnis der Königin nicht brechen wollte. Historischen Forschungen zufolge ging es jedoch eher um einen Eigentumsstreit. Für seine Loyalität gegenüber dem Erzbischof wurde Johannes am 10. März 1393 verhaftet, gefoltert, durch die Straßen von Prag geschleift und in die Moldau gestürzt, wo er ertrank. Der Leichnam des Priesters wurde nach seiner Bergung im Prager Veitsdom bestattet.


Johannes Nepomuk ist nicht erst seit seiner Selig- und Heiligsprechung im 18. Jahrhundert berühmt geworden. Als vor zwölf Jahren eine Ausstellung über ihn in Prag eröffnet wurde, merkte Kunsthistoriker Jan Royt an:


Angeblich gab es einen Kelch im Domschatz beim Heiligen Veit, der schon im 15. Jahrhundert dem Nepomuk-Kult gewidmet war. Dieser hat sich vor allem in Prag entwickelt, und zwar in Verbindung mit dem Domkapitel der St.-Veit-Kathedrale. Denn dort ist Nepomuk ja bestattet worden. Zum böhmischen Landespatron wurde er Anfang des 17. Jahrhunderts.“


In der Ausstellung war damals auch ein Buch des Dichters und Predigers Pontanus von Breitenberg aus dem 16. Jahrhundert zu sehen, in dem Johannes Nepomuk wahrscheinlich zum ersten Mal abgebildet wurde. Der Heilige wird meistens mit einem Kreuz und dem Finger auf dem Mund dargestellt. Oft trägt er einen Heiligenschein aus Sternen. Die fünf Sterne sollen für das lateinische Wort „tacui“ – ich habe geschwiegen – stehen. Der Heilige gilt seit Jahrhunderten als Schutzpatron der Schiffer, Flößer und Beichtväter.


In Johannes‘ Geburtsort, dem heutigen Nepomuk, wurde 2015 ein Museum gegründet, das sich auf den Nepomuk-Kult konzentriert. Die Gemeinde veranstaltete am Sonntag aus Anlass des 300. Jahrestags der Seligsprechung ein Open-Air-Konzert. Weitere geplante Veranstaltungen wurden jedoch wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Die Stadt bereite sich schon auf ein weiteres Jubiläum vor, sagt Pavel Motejzík, der die Kulturabteilung der Stadt leitet. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks verwies er auf die Heiligsprechung von Johannes Nepomuk vor 300 Jahren:


„Aus diesem Anlass ist die Instandsetzung des Schlosses Zelená Hora geplant. Daran werden sich das Kulturministerium, die Verwaltung des Kreises Plzeň / Pilsen und die Tschechische Bischofskonferenz beteiligen. Wir hoffen, dass das Baudenkmal schon 2029 mit neuen Dauerausstellungen zugänglich sein wird.“


Radio Prag International hatte seine Hörerinnen und Hörer anlässlich des aktuellen Nepomuk-Jubiläums vor kurzem aufgefordert, Fotos von Statuen des Heiligen zuzuschicken. Insgesamt kamen auf diese Weise 925 Fotos zusammen. Einsendungen erreichten uns unter anderem aus Brasilien, Deutschland, Italien, Kroatien, Mexiko und Österreich.

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