Bier im Bischofspalast


Gute Bildungsbürger sollten sich das Gebäude des Vojanův Dvůr (Vojan Hof) natürlich wegen seiner stadtgeschichtlichen Bedeutung für Prag anschauen. Es spricht dabei aber nichts dagegen, dort in der kleinen Brauereigaststätte gleichen Namens einzukehren und selbige näher zu inspizieren.



Der Name täuscht. Das Gebäude an der U Lužického semináře 119/21 auf der Kleinseite wurde zwar – genau wie der sich anschließende Vojan Park (Vojanovy sady) im 20. Jahrhundert nach dem Schauspieler Eduard Vojan benannt (früherer Bericht hier), der in der Gegend wohnte, aber es verdankt ihm keineswegs seinen Ursprung. Erstmals wurde das Gebäude 1248 erwähnt. Da war es nämlich der Palast oder Hof des Bischofs von Prag. Damals war das Nikolaus von Újezd, der sich vor allem durch den Ausbau der Prager Burg hervorgetan hatte. Als im 14. Jahrhundert die Prager Bischöfe zu Erzbischöfen aufstiegen, blieben sie weiterhin hier. Erst im 17. Jahrhundert zog es die Erzbischöfe in ein neues Domizil in die Altstadt. Der Hof fiel in den Besitz eines Klosters des Ordens der Karmelitinnen. Erst in den 1920er Jarhen wurde das Areal säkularisiert.


Entscheidend ist jedoch das Jahr 2018. Da eröffnet die Brauereigaststätte ihre Pforten. Die ist enorm beliebt bei den Unmengen von Touristen (aber auch eine nicht zu unterschätzende Zahl Einheimischer), die sich hier vorbeidrängen und im Sommer vor allem den Biergarten lieben. Ja, und obwohl das Vojanův dvůr mitten in einem touristischen Hotspot residiert, bekommt man für sein Geld hier reelle Qualität. Es handelt sich gewiss um eines der Top-Braulokale Prags.



Das liegt daran, dass die Betreiber schon wussten, wie man Qualität und Massentourismus verbinden kann. Schon 2014 hatten sie mitten im Gewühl der Altstad auf der anderen Moldauseite die Braugaststätte U tří růží (Bei den Drei Rosen) in der immer belebten Husova 10/232 (wir berichteten hier) gegründet und dort gezeigt, was sie konnten. Beide Lokale teilen sich Profi-Braumeister Tomáš Tuchyňa, der in beiden Brauereien durchaus für ein unterschiedliches Bierangebot sorgt – und zwar mit höchsten Qualitätsansprüchen. Hier sieht man das milde Halbdunkle (rechts) und das rötliche Rubín, ein leicht hopfiges Lagerbier.


Die Brauanlage kann man übrigens auf Anfrage besichtigen. Um das Trinken leichter zu machen, sollte man sich auch etwas zu Essen gönnen. Wie im U Tří růží bekommt man auch hier, was man von einer böhmischen Gaststätte so erwartet – deftige Küche mit Knödeln, Fleisch und was dazugehört. Uns schien die Zubereitung sogar ein wenig hochwertiger als im Schwesterlokal drüben auf der anderen Flussseite.

Nicht nur demjenigen, der wissen will, wie Bier in einem alten Bischofssitz schmeckt, sei diese Gaststätte empfohlen. (DD)

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