Burg in schöner Bachlandschaft


Inmitten eines idyllischen Dörfchens am nordöstlichen Rand Prags liegt Burg Jenštejn. Der 22 Meter hohe Turm ragt hoch über den kleinen alten Häuschen des Ortes und der sie umgebenden Bach- und Teichlandschaft. Kurz: Das ideale Ziel für einen Wochenendausflug.


Das Dorf mit samt einer kleinen Wasserburg wurde Anfang des 14. Jahrhunderts durch Jenčik z Janovic (das „z“ ist im Tschechischen gleichbedeutend mit dem deutschen Wort „von“) angelegt, dem Sproß einer im 13. Jahrhundert erstmals in Chroniken erwähnten Adelsfamilie. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg datiert aus dem Jahr 1368. In diesem Jahr ging sie nämlich in den Besitz eines gewissen Pavel z Vlašim über, der sich fortan recht vornehm Paulus de Jenczenstein nannte. Er baute die Burg in der Form aus, wie wir sie heute kennen. Pavel vererbte 1379 die Burg und die Herrschaft an seinen Sohn Jan z Jenštejna (Johann von Jenstein).


Der war der wohl bedeutendste Besitzer der Burg. Zunächst Bischof von Meißen, brachte er es 1379 zum Amt des Kanzlers von König Wenzel IV.. Da er gleichzeit Bischof von Prag wurde, geriet er als eifriger Kirchenreformer in die religiösen/politischen Streitereien, die später zu den Hussitenkriegen führen sollten. In vielen Schriften prangerte er die damalige Verweltlichung der Kirche an.. Er war vielleicht ein wenig radikal. 1384 verlor er daher das Amt des Kanzlers. Fortan kämpfte er gleichermaßen für die Rechte der Kirche gegenüber dem König. Als der König seinen Generalvikar, den späteren Märtyrerheiligen Nepomuk, hinrichten ließ floh er nach Rom. 1396 – vier Jahre vor seinem Tod – musste er auch den Bischofstitel aufgeben.


Nachdem Burg und Dorf im 15. Jahrhundert noch mehrmals den Besitzer wechselten, wurde im Jahr 1560 ein gewisser Jan Dobřichovský z Dobřichova letzte Besitzer der Herrschaft von Jenštejn. Nach seinem Tode im Jahr 1583 fiel sie an die königliche Finanzverwaltung Böhmens und wurde zwei Jahre später in die Herrschaft Brandýs. Dadurch verlor die Burg an Bedeutung. Chroniken erwähnen, dass sie 1597 schon leer und recht verfallen war. 1640 verwüsteten im Zuge des Dreissigjährigen Krieges Burg und Dorf. Das Dorf wurde wieder aufgebaut; die Burg blieb die pittoreske Ruine, die wir heute sehen.



Im 20. Jahrhundert nahm man sich ihrer wieder gnädig an. Renovierungen stabiliserten das Gebäude – allen voran eine Restaurierung im Jahre 1977, die dazu führte, dass die Burg wieder öffentlich zugänglich wurde. Seither ist sie ein beliebtes Ziel für Wanderer und Radfahrer, die die Burg und die umliegende Landschaft bewundern wollen. Die Burg und das Dorf liegen in einem waldigen Gebiet um den Vinoř-Bach (Vinořský potok), der sich von hier aus Prag kommend Richtung Elbe bewegt und von vielen kleinen Teichen gesäumt ist, wie man auch dem großen Bild oben sehen kann. (DD)

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