Corona entzweit Deutsche und Tschechen

Die deutsch-tschechischen Beziehungen sind in der Pandemie so angespannt wie lange nicht mehr. Insbesondere die Grenzschließungen für Pendler sorgen auf tschechischer Seite für Unverständnis.

Das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum soll die bilateralen Beziehungen verbessern. Zugleich ist es ein Gradmesser für ihren Zustand. Die Online-Beiratssitzung in dieser Woche, an der unter anderem die beiden Botschafter teilnahmen, zeigte: Das Verhältnis der beiden Länder ist derzeit geprägt von Irritationen und Verletzungen.

Zuzana Vintrová, die Vorsitzende der tschechischen Pendlervereinigung, war nicht die Einzige, die ihrem Unmut freien Lauf ließ. Die Gründe waren Corona und der angeblich unverhältnismäßige Umgang der Deutschen damit, etwa mittels Grenzkontrollen. Pendler, so Vintrová, seien in Deutschland in Wohnheimen eingesperrt worden und hätten nicht einmal zum Einkaufen gedurft. Ein Pendler sei angegriffen worden unter dem Vorwurf, er bringe das Virus mit.

Die Stimmung zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik war schon zu Beginn der Pandemie nicht gut. Doch damals waren die Vorzeichen umgekehrt. Es waren die Tschechen, die strikt die Grenze abgeriegelt hatten. Der CSU-Bundestagsabgeordnete und frühere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, der dem Beirat zusammen mit dem tschechischen Kollegen Libor Rouček, einem früheren stellvertretenden Vorsitzenden des Europäischen Parlaments, vorsitzt, sagte im vergangenen Frühjahr, es gebe in der Tschechischen Republik ein gewisses Gefühl, dass die Corona-Gefahr aus Deutschland komme. Vorwurf der doppelten Standards Tatsächlich waren die Infektionszahlen hierzulande viel höher als auf tschechischem Gebiet. Die Regierung in Prag hatte ihren Bürgern von einem Tag auf den anderen ein generelles Ausreiseverbot auferlegt. Berufspendler konnten zwar mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers die Grenze für die Fahrt zur Arbeit überqueren. Sie mussten dafür aber ein regelmäßig zu erneuerndes Gesundheitsattest vorweisen, was für die wenigsten möglich war. Es ging um rund 35.000 tschechische Bürger, zwei Drittel von ihnen Beschäftigte in grenznahen Unternehmen in Bayern. Ohne sie waren viele Betriebe faktisch lahmgelegt oder mussten ihre Produktion massiv drosseln.


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