Corona und die Folgen: In der Gastronomie fehlt das Personal


Sie mussten am längsten warten, ehe sie im Laufe der mittlerweile entspannten Corona-Lage erneut öffnen durften: die Hoteliers und Gaststättenbesitzer. Doch wer glaubte, dass auch diese Branche jetzt wieder voll durchstarten würde, der sieht sich getäuscht. Besonders die Gastronomie hat nämlich nun auch mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen.


„Momentan fehlt es mir an Personal, deshalb muss ich die Gäste jeden Tag selbst bedienen. Von ehemals sechs Arbeitskräften habe ich nur noch zwei.“


So beschreibt Nikos Arabadzis die aktuelle Beschäftigungslage in seinem Restaurant Černý Dvůr (Schwarzes Tor) im mittelböhmischen Beroun / Beraun. Wegen der Pandemie konnte Arabadzis seine Fachkräfte nicht mehr halten und muss nun quasi wieder von vorn anfangen. Dabei unterstützt ihn sogar ein Mitglied aus der eigenen Familie:


„Mir hilft mein Vater, und zusammen müssen wir vier Beschäftigte ersetzen. Im Augenblick fehlen uns Serviererinnen, doch in Zukunft müssen wir auch neue Köche suchen.“


Mit diesem Problem ist Arabadzis aber bei weitem nicht allein. Auch im Restaurant und Hotel Malý Janek in der Gemeinde Jince nahe der mittelböhmischen Stadt Příbram / Freiberg in Böhmen beklagt man den Mangel an Personal. Betriebswirtin Hana Míková:


„Uns fehlen die Leute, wir suchen Kellner, Serviererinnen und Köche. Irgendwie meldet sich keiner, niemand kommt, es herrscht Ebbe. Zurzeit arbeiten die, die da sind.“


Angesichts dieser Situation greifen einige Restaurants schon zum allerletzten Mittel und nehmen jeden, den sie kriegen können. Doch selbst das sei nur selten von Erfolg gekrönt, schildert Arabadzis:


„Bei der Personalsuche nutzen wir in jedem Fall das Internet, bestimmte Apps, und wir inserieren auch in Zeitungen. Und noch dazu hängen wir Plakate aus.“


Doch gerade dort, wo das gastronomische Personal während des langen Corona-Lockdowns abgewandert ist, regt sich wenig. Der Verband der Hotels und Restaurants hat anhand einer Umfrage ermittelt, dass gegenwärtig rund 30 Prozent der Beschäftigten im Gaststättengewerbe fehlen. Und Verbandspräsident Václav Stárek sagt auch, warum das so ist:


„Die Arbeit machen in der Regel solche Menschen, die eine Beziehung dazu haben. Allerdings bringt diese Arbeit mittlerweile auch die Angst vor dem Kontakt mit Menschen mit sich. Zudem mussten die Beschäftigten der Branche lange zu Hause bleiben oder Kurzarbeit verrichten, ihre Einkünfte sind dadurch stark zurückgegangen. Daher haben sie alternative Arbeit gesucht und gefunden. Und die meisten von ihnen wollen jetzt auch nicht mehr zurückkehren in dieses instabile Umfeld.“


Stárek weiß genau, wovon er spricht. Denn es reicht, wenn die Inzidenz-Werte oder andere Faktoren wieder nach oben gehen – und schon beginnt die Angst vor dem nächsten Lockdown. Besonders betroffen vom Mangel an Arbeitskräften in der Gastronomie ist der Kreis Karlovy Vary / Karlsbad. Jan Kronika vom Verband der Hotels und Restaurants nennt die Gründe:

„Meiner Meinung nach ist der Kreis Karlsbad schlimmer dran als alle anderen Regionen im Land, weil Köche und Kellner in hohem Maße auf den deutschen Markt abgewandert sind. Die Köche haben zudem ein neues Betätigungsfeld gefunden. Mehrere von ihnen sind nun bei Schulen oder ganz woanders beschäftigt.“


Noch kann niemand so recht sagen, wie schwer die Folgen der Coronavirus-Pandemie für die einzelnen Wirtschaftszweige ihn Tschechien sind. Doch eines ist schon gewiss: Die Branche der Hotels und Restaurants gehört zu den großen Verlierern dieser schweren Zeit.

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