Das BGZ Mährisch Trübau – Begegnungen Mit Der Deutschen Minderheit


Wer ist die deutsche Minderheit in Tschechien und wo trifft sie sich? Diesmal stellen wir Ihnen das Begegnungszentrum (BGZ) in Mährisch Trübau (Moravská Třebová) vor.


Inmitten des Schönhengster Landes (Hřebečsko), einer der größten ehemaligen deutschen Sprachinseln auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens, liegt Mährisch Trübau. Die Stadt hat aktuell rund 10 000 Einwohner und wurde im späten 13. Jahrhundert von Boresch II. von Riesenburg (Boreš II. z Rýzmburka) gegründet. Auf Einladung von König Přemysl Otakar II. und von Bischof Bruno von Schaumburg besiedelten deutsche Einwanderer im 13. Jahrhundert das Schönhengster Land – auch Schönhengstgau genannt. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten in dieser Gegend, auf der Grenze zwischen Böhmen und Mähren, etwa 126 000 Deutsche. Mit deren Vertreibung verschwand auch die Sprachinsel und der Begriff Schönhengstgau wurde erst in den 1990er Jahren wiederentdeckt.


In dieselbe Zeit fällt auch die Schaffung des Verbandes der Deutschen – Regionalgruppe Schönhengstgau. 1992 wurde die Gesellschaft für deutsch-tschechische Verständigung gegründet und im Städtischen Museum das Begegnungszentrum „Walther Hensel“ eröffnet.


Brücken bauen zwischen Deutschen und Tschechen

Geleitet wird das BGZ von Irene Kunc. „1992 wurde ich Kulturreferentin im Begegnungszentrum und seit 1995 bin ich die Leiterin. Das hat mir eigentlich sehr viel gebracht, neue Erfahrungen, Wissen über die Geschichte der deutschen Minderheit und die regionale Geschichte, vor allem aber auch persönliche Kontakte“, erinnert sich Kunc, die 1948 in Friedeck-Mistek (Frýdek-Místek) geboren wurde und bereits seit 1955 in Mährisch Trübau lebt. Zwischen 2001 und 2010 war Kunc außerdem Präsidentin der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik.#



Den im Lande gebliebenen Deutschen ermöglicht das BGZ eine Weiterbildung in der Muttersprache, wozu auch die Bibliothek des BGZ dient. Tschechischen und deutschen Besuchern vermittelt es Informationen über die Region und ihre Sehenswürdigkeiten.


Das BGZ bietet Sprach- und Tanzkurse, Ausstellungen, Seminare und Begegnungen an. Für Jugendliche veranstaltet der Verband internationale Jugendbegegnungen in vier Ländern in Zusammenarbeit mit den Partnerstädten, für ältere Besucher finden Seminare, Vorträge und Stammtische statt. Mit dem Informationsbulletin „Hallo, Freunde“ hält die Regionalgruppe Schönhengstgau ihre Mitglieder sowie Interessierte auf dem Laufenden. Mit ihrer Arbeit möchte Kunc eine „Brücke bauen“ zwischen Deutschen und Tschechen und die Menschen der Region über die gemeinsame deutsch-tschechische Geschichte aufklären. Das gelingt unter anderem durch eine enge Zusammenarbeit mit Deutschlehrern aus ganz Mähren und auch Böhmen. „Wir haben einmal im Vierteljahr ein Wochenendseminar, bei dem wir Neues im Schulwesen besprechen. Es ist immer in einer anderen Stadt, in der früher Deutsche lebten. Dabei thematisieren wir auch die Landeskunde, damit die Lehrer das Wissen in ihren Schulen weitergeben können. Das finde ich toll, weil die Schüler die Geschichte der eigenen Region oft nicht kennen“, berichtet Kunc.


Das BGZ beteiligt sich außerdem an der Erhaltung und Erneuerung der deutschen Denkmäler und Gräber in Zusammenarbeit mit den naheliegenden Gemeinden und den Heimatkreisen.


Tanzgruppe pflegt Traditionen


Seit 1996 pflegt die Volkstanzgruppe im VdD Schönhengtsgau und im BGZ alte deutsche Tänze aus der Region und anderen ehemaligen deutschen Gebieten und tritt regelmäßig bei kulturellen Veranstaltungen der deutschen Minderheit sowie auf anderen Folklore-Veranstaltungen in Tschechien und im Ausland auf. Ein großes Erlebnis für die Tanzgruppe ist auch die Mitwirkung beim Folklore Festival in Strassnitz (Strážnice), wo sie schon öfters die deutsche Minderheit vertreten hat.


Schon seit der 2. Klasse ist auch Eva Matušincová (*1989) (im Foto 4. v.r., hinten) dabei, die heute die Volkstanzgruppe leitet. „Ich möchte, dass wir die Geschichte dieser Region nicht vergessen und dass die Traditionen fortbestehen. Ich glaube, viele Leute in Mährisch Trübau wissen gar nichts über die deutsche Minderheit und die deutsche Vergangenheit der Region“, sagt Matušincová. 2018 würdigte die Sudetendeutsche Landsmannschaft Matušincová mit dem Preis für Volkstumspflege.

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