Der Luftschutzkeller, der einmal ein Bergwerk werden sollte


Der Zweite Weltkrieg war auch für den Prager Zoo eine Herausforderung. Die Stadt blieb – mit einer schrecklichen Ausnahme – von Bombemangriffen weitgehend verschont. Aber es herrschte Not und niemand wusste, wie man die Tiere ernähren sollte. Und die ständige Angst vor dem Bombenangriff war real und begründet.

Obwohl sie in der Zeit des Reichsprotektorats, wie die Nazibesetzung genannt wurde, unter Schwierigkeiten den Betrieb aufrechterhalten mussten, gelangen den Mitarbeitern unter dem Direktor Jan Vlasák sogar einige außergewöhnliche zoologische Leistungen. Der Zoo schaffte es zum Beispiel als erster der Welt, einen Eisbären außerhalb der freien Natur zu züchten. Nebenbei unterstützte Vlasák noch Widerstandskämpfer unter seinen Mitarbeitern und organsierte im Mai 1945 die Bewaffnung der Aufständischen im Stadtteil Troja beim Prager Aufstand gegen die Nazis.

Und dann war da immer noch die Gefahr der Bombenangriffe, gegen die man wenigstens Besucher und Mitarbeiter schützen musste. Seit 2014 ist ein Teil dieser Bemühungen wieder für die Öffentlichkeit zu besichtigen. Im Jahre 1945 wurde in einem kleinem Stollen des an Felsenabhängen gebauten Zoos ein kleiner Lufschutzbunker eingerichtet. Er wurde nach den Erinnerungen von noch lebenden Augenzeugen rekonstruiert. Drinnen sieht man eine als Luftschutzhelfer verkleidete Schaufensterpuppe vor einer handbetrieben Alarmsirene (siehe großes Bild oben). Die Einrichtung des beengten Stollens besteht aus einfachen Holzbänken. Utensilien wie kleine Packungen mit Kaffee-Ersatz dürfen im Dunkel des Bunkers nicht fehlen.

Für den Luftschutzraum hatte man praktischerweise einen damals schon bestehenden Stollen nutzen können. Der war schon lange bekannt und es rankten sich Legenden um ihn – etwa, dass es sich um einen langen Geheimtunnel zum (gar nicht so) nahe gelegenen Schloss Troja oder zur noch entfernteren Kapelle des Weinbergs St. Klara handelte. Aber das waren nur Märchengeschichten. Indes, der Stollen ist in Wirklichkeit nur wenig mehr als 10 Meter tief. Im Ernstfall hätte er nur sehr wenigen Menschen Schutz geboten. Man kann froh sein, das hier kein Bombemangriff stattfand. Aber warum gab es da überhaupt einen alten Stollen?

Dokumente belegen, dass das Areal, auf dem 1931 der Zoo errichtet wurde, früher als eisenreiches Bergbaugebiet ins Auge gefasst wurde. Tatsächlich sind die Felsen hier außerordentlich eisen- und mineralhaltig. Um das Jahr 1856 ließen die damaligen Eigner, die Minenbesitzer Jan Bendelmayer und Florian Kubeška, den Stollen in den Fels treiben. Man fand dabei wohl aus rein wissenschaftlicher Sicht interessante Dinge, etwa ein nur hier vorkommendes Mineral namens Paracomquimbit. Das scheint aber nicht dazu getaugt zu haben, wirtschaftlich große Wellen zu schlagen. Das Projekt wurde aufgegeben. Und so blieb es letztlich bei einem kleinen Stollenansatz, über den sich dann später der Zoo ausbreitete. Den kann man nun betreten und/oder sich davor einige gut gemachte multimediale Schautafeln anschauen, die die kleine, aber interessante Geschichte des Luftschutzkellers, der einmal ein Bergwerk werden sollte, erzählen. (DD)

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