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Die Bethlehemskapelle in Prag – wo Jan Hus seine Predigten hielt


Vor 630 Jahren entstand in der Stadt an der Moldau die erste Predigtkirche in Europa.


Die Kapelle wurde am 24. Mai 1391 von Jan Kříž und Hanuš von Mühlheim gegründet. Laut Gründungsurkunde sollte dort das Predigen im Mittelpunkt der Gottesdienste stehen – und zwar ausschließlich in tschechischer Sprache. Etwa zehn Jahre lang wirkte dort der Kirchenreformator Jan Hus, und nach ihm Jakobellus von Mies (Jakoubek ze Stříbra) sowie weitere bedeutende Prediger. Nach 1611 wurde die Predigtkirche für kurze Zeit von den Böhmischen Brüdern verwaltet.


Die reformatorische Tradition der Bethlehemskapelle endete mit der Schlacht am Weißen Berg (1620). In der Folgezeit verfiel das Gebäude allmählich, bis die Behörden in den 1780er Jahren seinen Abriss beschlossen. Nur die Begrenzungsmauern blieben erhalten. Der Wiederaufbau erfolgte nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1948, die das Hussitentum auf ihre eigene Art auslegten. Den Auftrag übernahm der Architekt Jaroslav Fragner, der die erhalten gebliebenen Teile des mittelalterlichen Gebäudes mit einbezog. Fragner selbst schrieb, dass „es bei der Erneuerung nicht darum ging, das Denkmal als zweckgebundene Einrichtung wiederherzustellen, sondern es zu einer Gedenkstätte für die tschechischen Hussiten zu erheben“.

Seit den 1990er Jahren wird die Bethlehemskapelle in der Prager Altstadt von der Tschechischen Technischen Universität genutzt und dient ihr als Festsaal. Seitdem finden dort wichtige gesellschaftliche Veranstaltungen und Konzerte statt.

Anlässlich des 600. Todestags von Jan Hus im Jahr 2015 erhielt der Glockenturm der Bethlehemskapelle eine neue Bronzeglocke, und an der Südfassade wurden – als Teil eines Kunstprojekts – mehrere Platten installiert. Auf ihnen ist bei Sonnenschein die Inschrift „Za pravdu“ („Für die Wahrheit“) zu lesen. Denn Hus´ Botschaft lautete: „Die Wahrheit wird siegen.“

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