Die slawische Gottheit Radegast – das Symbol der Beskiden


Vor 90 Jahren wurde zwischen Pustevny und dem Berg Radhošť eine Radegast-Statue enthüllt. Mitten auf dem Bergrücken setzte Albín Polášek (1879-1965) der heidnischen Gottheit ein einzigartiges Denkmal.


Der Bildhauer aus Frenštát pod Radhoštěm / Frankstadt unter dem Radhoscht begann die Arbeit an dem Werk bereits 1924 in Amerika. Gemeinsam mit seinem Bruder war er im Alter von 22 Jahren in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Polášek schuf mehrere Entwürfe, von denen dann in einem Prager Atelier die endgültige Skulptur entstand: ein männlicher Körper mit einem löwenähnlichen Gesicht; ein Helm mit Hörnern, der dem Kopf eines Stieres gleicht; in der rechten Hand ein Füllhorn und in der linken eine Axt.





Polašeks Radegast-Statue aus Beton und Kunststein wurde im Jahr 1930 fertiggestellt und ein Jahr später – am 5. Juli 1931 – feierlich enthüllt. Das Geld für die 3,20 Meter hohe und 1,4 Tonnen schwere Skulptur kam aus den USA, von tschechoslowakischen Auswanderern.


Die schlechte Witterung setzte der Radegast-Statue allerdings stark zu. Sie wurde sogar vom Blitz getroffen, was sie stark beschädigte. Heute bewundern die Touristen eine exakte (und fünf Tonnen schwerere) Kopie, die Mitte der neunziger Jahre in der Werkstatt von Jan Sobek in Leskovec entstand. Die Steinbildhauer verwendeten dabei natürlichen Granit, ein Material, das den selbst dem rauen Wetter in den Bergen standhält. Die Original-Statue steht heute in der Eingangshalle des Rathauses von Frenštát.


Legenden über Radegast


Radegast beziehungsweise Radhošť, der slawische Gott der Ernte, des Überflusses und der Gastfreundschaft, aber auch der Sonne und des Feuers, war der Überlieferung nach ein großer Liebhaber von gutem Essen und Trinken. Regemäßig mischte er sich verkleidet unter das gemeine Volk und ließ sich bewirten. Wenn er mit der Gastfreundschaft der Menschen zufrieden war, revanchierte er sich großzügig.


Obwohl Radegast ursprünglich von den Ostseeslawen verehrt wurde, ist seine Heimat seit jeher der 1129 Meter hohe Radhošť / Radhoscht in den Mährisch-Schlesischen Beskiden. Einer Legende zufolge stand auf dem Berg sein Götzenbild, das auf Geheiß der christlichen Missionare Konstantin und Method aus Saloniki zerstört wurde. Angeblich hatten die beiden Slawen-Apostel nach ihrer Ankunft im Großmährischen Reich im Jahr 863 den Radhošť selbst bestiegen. Wo das Standbild des heidnischen Radegast stand, ließen sie ein Kreuz errichten.

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