Drachentöter vor der Präsidentenresidenz


Heute ist der 23. April und somit der Gedenktag für den Heiligen Georg. Das ist der, der Drachen tötet, um Jungfrauen zu retten, die selbigen geopfert werden sollen. Außerdem hat er so etwas wie einen Status als böhmischer Nationalheiliger, aber von niedrigeren Rang als es etwa bei den Heiligen Wenzel oder Nepomuk der Fall ist. Schließlich wurde das Land Böhmen in grauer Vorzeit von einem Georgsberg aus besiedelt, wenn man alten Sagen glauben darf.

Wie dem auch sei: Der Heilige Georg schmückt den dritten Hof der Prager Burg, und zwar direkt vor der Residenz des Präsidenten der Republik! Dort steht auf hohem Sockel die Reiterstatue des Heiligen. Das, man da sieht, ist allerdings eine Kopie aus den 1970er Jahren. Denn das Original aus dem Mittelalter hatte soviele Drangsale durchmacht, dass man es besser in Sicherheit brachte. Dieses Original lässt sich auf das Jahr 1373 zurückverfolgen, als die Statue von den Brüdern Georg und Martin von Klausenburg gegossen wurden (der Ort liegt heute in Rumänien). Es handelt sich um eine Georgsdarstellung, die alle klassischen Attribute erfüllt, Reiter in Rüstung auf einem Pferd, mit einer Lanze einen sich auf dem Boden windenden Drachen erstechend (kleines Bild links).

Die künstlerische Besonderheit ist die Klippenlandschaft, über die das Pferd galoppiert – schroffe Felsen mit viel Gewürm und wuchernden Pflanzen. Das hinterlässt einen pittoresken Eindruck. Wo die Statue ursprünglich stand, weiß man nicht genau. Erst im 15. Jahrhundert wird erstmals der Platz des Heiligen Georg (náměstí U Svatého Jiří) vor der ebenfalls in der Burg gelegenen Basilika des Heiligen Georgs (Bazilika sv. Jiří) als Standort erwähnt, über die wir bereits hier berichteten. Das war ganz nahe am Alten Königspalast (früherer Beitrag hier), vor dem oft Turniere abgehalten wurden. Dabei flogen wohl so die Fetzen, dass es damals wohl zu ersten leichten Beschädigungen kam. Es folgte das Große Feuer von 1541 auf der Kleinseite, dass eine Hand des Heiligen so beschädigte, dass sie erneuert werden musste. 1562 gab es wieder ein Turnier und Zuschauer kletterten auf die Skulptur. Der Kopf des Pferdes brach ab und musste neu angeschweißt werden. Im 18. Jahrhundert schützte man sie ein wenig, indem man sie auf einen Brunnen stellte, den der Tessiner Architekt Francesco Caratti entworfen hatte. Das war mit dem Umzug in den dritten Hof verbunden.

Dieser Teil des Burgareals wurde mit der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei 1918 gründlich umgestaltet und modernisiert, um ihm ein eher republikanisches und präsidentielles Gepränge zu verleihen. Schließlich wurde hier der neue Präsidentenpalast eingerichtet. Die Planung unterstand dabei dem Leib- und Magen-Architekten des ersten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Tomáš Garrigue Masaryk, dem aus Slowenien stammenden Architekten Josip Plečnik. Der gestaltete 1928 auch die Georgsstatue um, indem er sie auf eine hohe Granitsäule mit Bronzeeinfassungen stellte, die wiederum in einem flachen rechteckigen Brunnen steht. Dadurch sieht das Ganze definitiv recht modern aus.

Wer das alte, geschundene und vielfach beschädigte (und wieder reparierte) Original sehen möchte, der muss allerdings nicht lange laufen. Es steht heute in der Ausstellung Die Geschichte der Prager Burg, die seit 2004 ihren dauerhaften Platz unter dem Königspalast hat. Und die wachsamen Museumwärter schauen permanent darauf, das dem wertvollen Stück auch bloß nichts zustößt. (DD)

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