Eine Woche geöffnete Restaurants: Tschechische Außengastronomie wartet noch auf Umsätze


Seit einer Woche haben in Tschechien die Außenbereiche von Cafés, Kneipen und Restaurants wieder geöffnet. Nur das Wetter spielt bisher überhaupt nicht mit. Auch deswegen fällt die Bilanz bei vielen Gastro-Betrieben eher ernüchternd aus.


Platz der Republik | Foto: © Google Platz der Republik|Foto: © Google

Das Restaurant liegt im historischen Prager Stadtzentrum, am Náměstí republiky, also dem Platz der Republik. Gerade einmal ein Drittel der Tische ist an diesem Nachmittag besetzt…


„Bei Sonnenschein füllt sich die Außenterrasse zu ungefähr 60 Prozent. Wenn es aber immer wieder regnet, dann sind es nur etwa 40 Prozent“, sagt die Restaurantbetreiberin Ljudmyla Bokočová in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.


Weiterhin würden sich viele Gäste ihr Essen lieber als Take-away einpacken lassen, so ihre Erfahrung:


„Es wird noch lange dauern, bis alles wieder normal ist. Die Menschen haben weiterhin Angst. Alles läuft sehr langsam an – auch wegen des Wetters.“


Unterschiedliche Daten belegen den Eindruck von Bokočová. So liegen die Besucherzahlen in den Kneipen und Restaurants laut dem Kassensystem-Anbieter Dotykačka bei 70 Prozent des Niveaus aus der Zeit vor der Pandemie. Den meisten Zulauf in der vergangenen Woche hatten die Bierkneipen, da spielte das Wetter keine solche Rolle wie vor allem für Cafés.


Immerhin sind gemäß Erhebungen von Storyous, einem weiteren Kassensystem-Anbieter, die Umsätze in der Gastronomie gestiegen – und zwar um 65 Prozent gegenüber der Lage im Lockdown vor einem Monat. Dennoch fehlt noch rund ein Drittel, um wieder in den Bereich von 2019 zu kommen. Die Gäste würden im Schnitt auch weniger ausgeben, sagt Storyous-Handelsdirektor Jan Kosek:


„In der Zeit des Außenverkaufs haben viele Kunden das Essen gleich für mehrere Menschen auf eine Rechnung mitgenommen. Deswegen liegt die durchschnittliche Höhe der Ausgaben pro Person seit der kürzlich erfolgten Öffnung der Außengastronomie laut unseren Daten bei 195 Kronen. Dies sind zwölf Prozent weniger als zur Zeit des Lockdowns.“


195 Kronen entsprechen 7,50 Euro. Die Umsätze würden erst mit besserem Wetter weiter nach oben gehen, glaubt Luboš Kastner vom Verband der kleinen und mittelständischen Unternehmen…


„Die Außenbereiche können zu dieser Jahreszeit den Gastbetrieben maximal 20 bis 30 Prozent des Umsatzes sichern. Bei besserem Wetter und eingeschränktem Betrieb im Innenbereich werden dann im Höchstfall 30 bis 40 Prozent des normalen Umsatzes möglich sein“, so Kastner.


Um sich im Außenbereich von Cafés, Kneipen oder Restaurants hinzusetzen, müssen die Gäste im Übrigen entweder einen aktuellen negativen Corona-Test nachweisen können oder die Genesung von einer Covid-19-Erkrankung beziehungsweise eine Impfung.


Nach den derzeitigen Plänen der Regierung könnten Mitte Juni auch die Innenbereiche der gastronomischen Betriebe wieder geöffnet werden. Allerdings müssen sich die Kunden auf Preiserhöhungen einstellen, glaubt Luboš Kastner:


„Kaum ein Restaurant dürfte die gleiche Speisekarte haben wie vor der Pandemie. Vielmehr wird sich das Angebot verändern, dabei ist dann auch die Teuerung deutlich spürbar. Hier spiegelt sich einfach die wirtschaftliche Realität. Die Gäste dürften jedoch verstehen, dass die Wirte mit den Preisen aus der Zeit vor Corona nicht mehr über die Runden kommen.“


Ljudmyla Bokočová hat in ihrem Restaurant die Preise derzeit noch nicht angehoben. Es sei aber durchaus möglich, dass es dazu komme, so die Betreiberin. Das höre sie auch von den anderen Wirten.

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