Freimaurerstadt Prag


Prag steht ein wenig im Ruf, eine Stadt der Freimaurerei zu sein. Inwieweit das je so gestimmt hat oder stimmt, lässt sich schwer mit Zahlen belegen. Aber auffällig ist es schon, wieviele Freimaurersymbole sich auf den Fassaden älterer Häuser in der Stadt befinden – etwa das oben abgebildete in der Křižíkova 457/125 im Stadtteil Karlín.

Das im Jahre 1905 vom dem Achitekten Bohumil Štěrba gebaute Neorenaissance-Haus ist mit schönen Sgrafitti versehen, von denen das im großen Bild oben gezeigte schon einige der bekanntesten mit der Freimaurerei verbundenen Symbole präsentiert. Da sind zunächst einmal die klassischen Insignien eines Maurers im quasi wörtlichen Sinne – Hammer und Schaufel, ergänzt durch ein Winkelmaß. Das Freimaurertum zielt auf die Verbindung von Menschen ab, die im Sinne aufgeklärter Vernunft, Toleranz, Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit „an sich arbeiten“. Leben wird als beständige Arbeit aufgefasst und die beiden Werkzeuge sollen genau dies symbolisieren, wobei der Hammer meist für eine Führungsposition in einer Loge (Meister) und die Schaufel für Reinigungsrituale (Unrat wegschaufeln) steht. Das Winkelmaß steht für Recht und Rechtschaffenheit.

Ebenfalls auf dem Bild sieht man noch die Sonne als Symbol, die meist für das Licht des Geistes und die weltlenkende Vernunft steht. Optisch wird sie manchmal mit dem Symbol des Auges der Vorhersehung verbunden, das sich in einem Dreieck befindet – ein Anzeichen dafür, dass das Freimaurertum neben der aufklärerischen Vernunft noch eine mystische Grundströmung aufweist. Dazu eigenen sich in der architektonischen Darstellung oft Giebel, wie man oberhalb links beim Haus zur Goldenen Sonne (dům U Zlatého slunce), einem frühklassizistischen Gebäude (ca. 1804) in der Na poříčí 1045/22 in der Neustadt. Meist ist das Augensymbol aber eindeutiger identifizierbar, wenngleich es doch meist mit dem Dreieck und der Sonne kombiniert ist, wie man oberhalb rechts auf dem spätbarocken Giebel des Hauses zu den Goldenen Sternen (U Zlaté hvězdy) in der Nerudova 48/171 auf der Kleinseite sehen kann.

Selten fehlt allerdings neben Hammer, Schaufel und Winkelmaß auch der Zirkel. Man erkennt ihn zum Beispiel deutlich in der Stuck-Kartusche über dem Eingang des Neorenaissance-Hauses (ca. 1890) in der Uruguayská 380/17 in Prag-Vinohrady im kleinen Bild links.

Der Zirkel symbolisiert in der Ikonographie der Logen die geistige und emotionale Arbeit des Freimaurers an der Entwicklung seiner Persönlichkeit, und der Zirkel verbindet zudem auch den einzelnen Freimaurer mit allen anderen Brüdern, wenn nicht gar mit der Menschheit und dem Universum.

Die Fülle der Freimaurersymbole, die man an den Häusern der Stadt findet, legte nahe, dass Prag und alte Böhmen ein interessantes Kapitel in der Geschichte der Freimaurerei bilden. Erfunden wurde sie hier aber nicht. Die erste echte freimaurerische Loge, die Premier Grand Lodge of England, wurde 1717 in London gegründet. Ihr erster Großmeister war ein gewisser Anthony Sayer. Die Legende besagt, dass die erste Loge in Prag schon 1726 – also sehr, sehr früh – durch Franz Anton Reichsgraf von Sporck (über dessen Prager Palais wir hier berichteten) gegründet worden sein soll, und dass Sayer dabei anwesend gewesen war. Die englischen Archivbestände zu Sayer wissen von solch einer Böhmenreise aber nichts. Der Gedanke, dass Sporck, der zweifellos ein augeklärter Geist war, der Freimaurerei frönte, taucht tatsächlich erst 1888 in dem Roman Hrabě Sporck des Schriftstellers Josef Svátek auf. Der war kein Freimaurer und daher nicht sonderlich eingeweiht – was man daran sieht, dass das Haus in der Jánský vršek 325/9 (Kleinseite), wo er die letzten Jahre verbrachte und das seit 1927 eine Gedenktafel (oberhalb rechts) ziert, mit einer Darstellung des Johannes des Täufers geschmückt ist – ein urkatholisches und definitiv nicht freimaurerisches Symbol.

Möglicherweise kam Svátek auf die Idee, weil sich nur wenige Schritte von seinem Haus entfernt ein hübsches zweistöckiges Barockhaus befindet – der Sporck Palast (Šporkův palác) in der passend so benannten Šporkova 321/12 auf der Kleinseite. An dessen Fassade befindet sich (Bild links) das Sonnen- und Augensymbol der Freimaurer. Dieser Palast hat allerdings nichts mit Franz Anton Graf von Sporck zu tun. Er gehörte vielmehr seinem tatsächlich freimaurerischen Neffen Johann Karl von Sporck, der den Palast um 1783 im spätbarocken Stil umgestalten ließ. Da war der Onkel, mit dem man ihn Svátek wohl verwechselt hatte, schon lange tot.

Kommen wir zu dem ersten nachweislichen Großmeister der Freimauerer in Prag: Philipp Joseph Franz Graf Kinský . Der wurde 1731 zusammen mit dem Premierminister Sir Robert Walpole als Freimaurer in einer Loge in London initiiert, wo er zu dieser Zeit als Botschafter in England für Kaiser Karl VI. residierte. Zurückgekehrt, gründete er 1741 nachweislich dokumentiert die erste Prager Loge, Zu den Drei Sternen. Innerhalb von wenigen Jahren folgten andere Logen – auch in anderen Teilen Böhmens, wie etwa die Loge La Sincerité, die 1742 bei Pilsen hauptsächlich von Offizieren gegründet wurde. Auf dem Familiensitz der Kinskýs, dem großen Prager Palais Kinský (Palác Kinských) am Altstädter Ring, sucht man allerdings vergebens nach Freimaurersymbolen, was wohl seinen Grund darin hatte, dass er 1755ff zunächst als Domizil der definitv nicht freimaurerischen Familie von der Goltz erbaut worden war. Als Ersatz sei hier deshalb oberhalb rechts ein Beispiel für Freimaurersymbolik an einem Haus, das zwar gar nichts mit Graf Kinský selbst zu tun hat, aber am immerhin Kinský Platz (náměstí Kinských 76/7, Smíchov, Prag 5) liegt. Das von Baumeister Josef Bečka 1891 erbaute Neorenaissancehaus zeichnet sich durch viele schöne Wandfresken aus, die Freimaurersymbole mit floraler Jugendstilornamentik kombinieren.

Das Florieren des Prager Freimaurertums hatte auch seinen Grund in der Toleranz, die die damalige Herrscherin, Maria Theresia, dem Freimaurertum entgegenbrachte – nicht zuletzt, weil ihr Mann, Franz I. Stephan von Lothringen, sich ebenfalls schon 1731 in der britischen Botschaft von Den Haag in die Freimaurerei initiieren ließ. Aber die Freimaurerei atmete auch den Geist der Aufklärung, dem sich Maria Theresia als aufgeklärte Absolutistin verpflichtet fühlte. Deshalb ließ auch ihr Sohn, Kaiser Joseph II., der sich ebenfalls als aufgeklärter Monarch verstand, aber persönlich keine Verbindung zum Freimaurertum pflegte, ein hohes Maß an Toleranz und Verständnis gegenüber den Logen – auch in Prag – walten. Folglich finden sich im späten 18. Jahrhundert auffallend viele Freimaurersymbole auf den Fassaden Prager Adelspaläste. Links oberhalb sieht man dies auf dem Giebel des Thun-Hohenstein Palast (Thun – Hohensteinský palác) in Karmelitská 379/18 auf der Kleinseite, dessen Fassade in den Jahren 1741-45 gestaltet wurde. Bei der Familie Thun und Hohenstein vererbte sich das Freimaurertum über Generationen. Franz Joseph von Thun-Hohenstein soll zum Beispiel Mozart in die Freimaurerei eingeführt haben.

Über dem Portal des Thun Hohenstein Palasts findet man übrigens noch ein interessantes Freimaurersymbol: Drei Hände, die ineinandergreifen. Damit wollte man wohl den verbindenden Humanitätsgedanken unterstreichen, aber es sollte Ende des 18. Jahrhunderts eine noch tiefere Bedeutung erfahren. Als die Französische Revolution ausbrach, brach auch die Allianz zwischen Freimaurern und der sich aufklärerisch gebenden Obrigkeit auseinander. Unter Aristokraten wurde das Ganze deutlich unpopulärer. Der radikalere Geist französischer Logen, die meist offen antiklerikal waren (während in den englisch inspirierten Logen oft sogar Geistliche Mitglied waren), befeuerten das Image einer geheimen Weltverschwörung gegen die bestehende Ordnung. In Böhmen tat sich vor allem der Publizist Leopold Alois Hoffmann mit hasserfüllten Anti-Freimaurerpamphleten hervor (Beispiel hier). Hoffmann war in seinen frühen Jahren ein Aufklärer und trat 1783 einer Loge bei. Die Revolution machte ihn zum Reaktionär und er bespitzelte ab 1792 viele seiner früheren Freunde. Er trug dazu bei, dass Kaiser Franz II. die Freimaurer 1795 schlichtweg verbot. Und verboten blieben sie in Böhmen bis zum Ende des Habsburgerreichs 1918.

Aber das war nicht das Ende. Außerhalb des Habsburgerreichs legte sich die Panik über die freimaurerische Weltrevolution nach dem Ende der Napoleonischen Kriege. Nach der Gründung der Doppelmonarchie 1867 hielt das offizielle Verbot nur in der cisleithanischen (österreichischen) Hälfte an, nicht im ungarischen Teil, dessen erster Ministerpräsident von 1867-71, Gyula Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka, sogar selbst Freimaurer war. Das nunmehr eher laxe Verhalten der Behörden führte dazu, dass das Freimaurertum in Böhmen – ein Teil der österreichischen Reichshälfte – ausgesprochen vital blieb, wenn auch im Halbgeheimen. Jedenfalls tauchten Freimaurersymbole bald wieder an den Fassaden der Prager Bürgerhäuser auf, wie etwas an einem Wohnhaus in der Pařížská 130/26, das um 1893 im ehemaligen Judenviertel entstand (Bild oberhalb links). Trotzdem erklärt die offizielle Illegalität einen Teil der Handsymbolik. Die Freimaurer kannten von Anbeginn ein ausdifferenziertes System von Handschlägen als geheime Erkennungszeichen (schließlich handelt es sich ja auch um Geheimbünde), das nun von besonderem Nutzen war. Denn natürlich gelang es nicht, das Freimaurertum wirklich zu eliminieren.

Dazu trugen vor allem die sogenannten Grenzlogen, bei, die – wie die Bezeichnung schon nahelegt – vor allen in Orten Deutschlands und Ungarns existierten, die grenznah zu Böhmen lagen. Dort herrschte dadurch eine bemerkenswerte Internationaliät, die dem Grundgedanken des Freimaurertums sehr entgegenkam. Geheime Brüderschaften aus Prag gründeten sogar selbst eigene Grenzlogen, von denen die 1909 in Bratislava (das damals noch zu Ungarn gehörte) gegründete Loge Hiram zu den Drei Sternen die erste und größte war. Das Handsymbol (nun meist zwei Hände) gewann durch die Grenzlogen noch ein Dimension internationaler Verständigung. An dem um 1897 entstanden Neobarockhaus in der Na Zderaze 1947/3 in der Prager Neustadt befindet sich solch ein völkerverbindend anmutendes Symbol (Bild oberhalb rechts).

Jedenfalls florierte Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Freimaurerei im Stadtbild. So findet man zum Beispiel bei dem vom Architekten Adolf Foehr 1912 neugestalteten ehemaligen Haus der Allianz Bank (náměstí Republiky 1081/7), das heute Bankhaus am Republikplatz genannt wird, im Giebel einen Bienenkorb – ein typisches Freimaurersymbol, das u.a. für Fleiß und die guten Wirkungen gemeinschaftlichen Handelns steht. Das passte ja auch zum Bankgeschäft, das hier drinnen betrieben wurde…

Zu dieser Zeit gehörte allerdings auch nicht mehr sehr viel Mut dazu, sein Haus doch recht offen mit Freimaurersymbolen zu schmücken. Zwar waren die Logen in Böhmen weiterhin formell verboten, doch auch hier war die Revolutionsangst der neuen bürgerlichen Biedermeierlichkeit gewichen. Praktisch verfolgte die Obrigkeit niemanden mehr wegen seiner Zugehörigkeit zu einer Loge – selbst, wenn dies nunmehr so offen zur Schau getragen wurde wie nie zuvor. Eine mutige Widerstandspose, die kam wirklichen Mut erforderte. Niemals vorher und nachher fand man so viele Freimaurersymbole auf Prager Hausfassaden. Sie wurden fast so etwas wie ein Statussymbol für böhmischen Gemeinsinn. Die Obrigkeit verfiel bei dem Anblick auch nicht mehr in Revolutionsangst, wie dereinst 1795.

Die meisten Freimaurer agierten in dieser Zeit tatsächlich auch recht eher unpolitisch (oder zumindest nicht radikal orientiert politisch) und machten sich eher als Förderer des Gemeinwohls und der Wohltätigkeit einen Namen. Nicht mehr Aristokraten war die wesentlichen Träger der Bewegung, sondern aufstrebende Bürgerliche und auch zunehmend viele Juden, die seit 1848 die vollen Bürgerrechte im Reich besaßen und sich von der oft recht liberalen und überkanfessionellen und religionsübergreifenden Grundausrichtung der Logen angezogen fühlten. Wenn auch recht selten, so findet man auf dem 1890 gegründeten Neuen Jüdischen Friedhof ab und an Freimaurersymbole auf den Gräbern. Ein originelles Beispiel ist das Grab von Benjamin Fröhlich. Originell deshalb, weil die klassischen Freimarersymbole Winkel und Zirkel hier mit dem Emblem der österreichschen Eisenbahnen, einem geflügelten Rad, kombiniert werden. Fröhlich war anscheinend nicht nur Freimaurer, sondern definitiv Inspektor bei der 1868 gergündeten k.u. k. privilegierten Österreichische Nordwestbahn gewesen.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endete auch das Habsburgerreich und damit das Verbot der Logen. Grenzlogen brauchte man nicht mehr, denn nun konnte es Logen im Lande selbst geben. Schon am 26. Oktober 1918 – also zwei Tage vor Ausrufung der Ersten Republik – wurde die erste tschechischsprachige Loge Jan Amos Komenský gegründet. Der Namensgeber Komenský (andernort als Comenius bekannt) war zwar als evangelischer Philosoph und Pädagoge des 17. Jahrhundert definitiv kein Freimaurer, aber durch die Namensgebung wollte man bewusst an die plurale und liberalere Glaubenswelt der Zeit vor der Zwangskatholisierung des Landes durch Habsburger im Gefolge der Schlacht am Weißen Berg von 1620 anknüpfen. Comenius war zu eine Chiffre für einen religiös toleranten und durchaus säkularen/republikanischen Nationalismus geworden. Diese Hinwendung hin zum historischen Erbe Böhmens vor der Zeit der Habsburger hatte sich schon vorher abgezeichnet. Freimaurersymbolik wurde zum Beispiel gerne mit der Prager Kulturblüte der Gotik in Verbindung gebracht, was man in dem putzigen kleinen Bild oberhalb links sehen kann, dass der Historienmaler Mikoláš Aleš 1903 an dem hyper-historistischen Wohnhaus in der Vinohradská 1233/22 (Ecke Italská) in Prag 2 (wir berichteten hier) anbrachte.

Wie dem auch sei: Die nunmehr etwas nationalere Positionierung entwickelte sich nicht in eine autoritäre, sondern eine republikanische oder reformliberale Richtung, wenngleich es zu einer langfristig unschönen Nationalitätenaufsplitterung der einst sehr internationalen Logen kam (etwa durch die deutschsprachige Loge Lessing zu den Drei Ringen). Etliche der führenden Figuren der neuen Republik waren Freimaurer, etwa Außenminister Edvard Beneš, Verteidigungsminister Milan Ratislav Stefanik und Finanzminister Alois Rašín. Entgegen vieler Gerüchte war Präsident Tomáš Garrigue Masaryk nie Freimaurer, wohl aber sein Sohn Jan Masaryk, der spätere Außenminister. Auch Prominente des Kulturlebens gehörten dazu, etwa der große Jugendstilmaler Alfons Mucha. Insgesamt sollte man sich aber davor hüten, die Zahl der Freimaurer im politischen Spitzenpersonal der Republik zu überschätzen. 1923 wurde die Nationale Großloge der Tschechoslowakei (Národní Veliká Lóže Československá) als Dachverband der Logen in Tschechien gegründet. Sie zählte 1928 rund 1600 Mitglieder – ein Bruchteil dessen, was andere einflussreiche Vereinigungen aufboten – etwa der nationale Turnerbund Sokol (früherer Beitrag hier), dem fast alle Führungskader in Politik, Kultur und Wirtschaft angehörten, und der in dieser Zeit rund 630.000 Mitglieder hatte. Obwohl trotzdem die Bedeutung des Freimaurertums in der Ersten Republik gewachsen war, schlug sich dies in den Fassaden der Stdt eher wenig nieder. Vermutlich waren Freimaurerinsignien im 19. Jahrhundert hier populärer, weil sie den Reiz des Widerständigen hatten, der ihnen nun fehlte. Man muss suchen, bis man entsprechendes findet – so wie bei diesem Haus in der Máchova 431/21 (Prag 2) aus den späten 1930er Jahren.

Aber sie haben überall sichtbare Spuren in der Stadt hinterlassen, die Freimaurer – etwa das Stuckrelief im Bild links auf dem Haus Široká 55/8 im Stadtteil Josefov (Prag 1). Daran ändeten auf die finsteren Zeiten im 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Totalitarismus, wenig. Dass die Nationalsoziaisten (1939-45) und die Kommunisten (1948-89) die Freimaurerei und alle ihre Organsiationen verboten, dürfte kaum jemandem überraschen. Die Mitglieder mussten im Untergrund wirken oder ins Exil gehen. Dieser Spuk hatte mit der Samtenen Revolution von 1989 ein Ende. Glaubens-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit wurden wieder geachtet und geschützt. Noch im selben Jahr gründete sich die Loge Jan Amos Komenský wieder und schon ein Jahr später die Nationale Großloge, die allerdings seit der Trennung von Tschechien und der Slowakei im Jahr 1993 nur noch eine Tschechische Nationalloge ist, während die Slowaken eine eigene haben. Heute gibt es jedenfalls eine vielfältige Freimaurer-Szene in Prag. 1990 wurde sogar die erste „gemischte“ Loge ins Leben gerufen, die Humanitas Bohemia, in der nicht nur Männer, sondern auch Frauen Mitglieder werden können. Einige kleinere neue Logen folgtem dem Beispiel. Denn trotz aller Betonung gesellschaftlicher Progressivität frönten die Logen bis dato einer puren Männerbündlerei – mit dem fadenscheinigen Hinweis, die mittelalterlichen Maurergilden, von denen sie ihren Namen ableiteten, hätten halt traditionell keine Frauen in ihren Reihen gehabt. Aber das ist nun – auch in Tschechien – vorbei. Schließlich sahen sich die Logen doch stets als Treiber gesellschaftlichen Forschritts. Um diesem anspruch gerecht zu werden, muss man auch den Mut zur Veränderung aufbringen, wenn es um einen selbst geht. (DD)

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