Historischer Wasserstandsanzeiger


Das Rašín-Ufer (Rašínovo nábřeží) wurde ab 1875 mit einer Kaimauer und Promenade versehen. Das arme Fischer- und Flößerviertel wich vornehmen Mietshäusern mit Burgblick. Nur das alte Podskalí-Zollhaus am Výtoň blieb – heute ein Museum beherbergend, das an frühere Zeiten erinnert. Aber es zogen dafür auch neue Wunderwerke der Moderne in der unmittelbaren Nähe ein. Eines davon ist der Wasserstandsanzeiger von Výtoň (Limnigraf na Výtoni).



Er wurde hier im Jahre 1907 – drei Jahre nach Fertigstellung der Kaimauer – errichtet. So wie die Mauer das Symbol der Bändigung des einst wilden Flusses (die natürlich nicht immer gelang) sein sollte, stand der Wasserstandsanzeiger für seine Messbarkeit und Vorhersehbarkeit. Bevor der Fluss durch die Altstadt floss, wurde er rundum wissenschaftlich analysiert. An jeder Seite befindet sich eine uhrförmige Füllstandsanzeige. Aber es wurden auch andere technische Apparaturen eingebaut: Eine Uhr (Zeit), ein Barograph (Luftdruckmesser), ein Hygrometer (für die Messung der Luftfeuchtigkeit), ein Thermometer (Temperaturmessung) und ein Thermograph (zur Aufzeichnung des längerfristigen Temperaturverlaufs). Das war Wissenschaft auf neuem Stand und passte zum Fortschrittsoptimismus der Zeit.


Man sollte auch auf die Details achten: Denn da ist zum Beispiel noch der Windanzeiger auf der kupfernen Dachkuppel, der recht archaisch wirkt, und die Gestalt eines Hundekopfes, der äußerst keck seine Zunge herausstreckt, hat.

Nicht von außen sichtbar ist das Gerät, das die gemessenen Daten mit einer Tintenfeder kontinuierlich im Sekundentakt aufzeichnet. Ein Uhrwerk sorgt für den regelmäßigen Lauf. Ebenfalls nicht sichtbar ist das Gerät zur Messung der Strömungsgeschwindigkeit, die durch einen Schwimmer unter Wasser erfasst wird.

Das Gebäude ist für die Wasseringenieure und -experten betretbar, aber normalerweise leider nicht für die breite Öffentlichkeit.



Wie ebenfalls typisch für die Jahrhundertwende, erlag man auch hier der Versuch, das technische Fortschrittswerk ein wenig mit historisch romantisierender Ästhetik zu kaschieren. In einem leicht vom Jugendstil beeinflussten Neobarockstil gehalten thront der Wasserstandsanzeiger über einer prachtvollen doppelten Treppe hinunter zur Uferpromenade. Das könnte auch im Park einer alten Schlossanlage stehen, so majestätisch wirkt es.

Über die Zeit nagte der Zahn der Zeit ein wenig an Gebäude und Apparaturen. Deshalb wurde das Ganze 2003 gründlich renoviert und restauriert. Seither erstrahlt sie im neuen Glanze.


Der damalige Glaube an die Beherrschbarkeit des Flusses veranlasste die Stadtväter seinerzeit übrigens dazu, das Wasser nicht nur beim Eintritt in Altstadt zum messen, sondern auch beim Verlassen derselben. Einige Kilometer weiter stromabwärts befindet sich am ebenfalls 1904 vollendeten Kai des Dvořák Ufers (Dvořákovo nábřeží) noch ein Wasserstandsanzeiger. Er wurde ebenfalls 1907 errichtet und ist fst völlig baugleich gestaltet. (DD)

Source

8 views0 comments