Hunderttausende in Tschechien in Schattenwirtschaft beschäftigt


In Tschechien arbeiten laut neuesten Erhebungen mindestens 214.000 Menschen in der Schattenwirtschaft. Realistischere Schätzungen gehen sogar von mehr als einer halben Million aus.


Am häufigsten sind dies Beschäftigte in den Bereichen Gastronomie, Einzelhandel und Baugewerbe, aber auch in der IT-Branche. Dies besagt eine neue Studie des Projektes „Neviditelní“ (Die Unsichtbaren). Die Betreffenden melden dem Staat ihr Einkommen entweder gar nicht oder nur auf dem Niveau des Mindestlohnes. Den Rest ihrer Einkünfte, die sie „auf die Hand“ bekommen, versteuern sie nicht. „Diese Menschen sind sich der Folgen ihres Verhaltens nicht bewusst“, erläutert Aleš Rod vom Zentrum für Wirtschafts- und Marktanalysen CETA, das am Projekt beteiligt ist. „Schon eine kurzfristige Beschäftigung in der Schattenwirtschaft kann lebenslange Auswirkungen haben, etwa durch einen schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung oder zur Sozialversicherung. Diese ‚Unsichtbaren‘ haben zudem nur geringe Chancen, einen Kredit zu bekommen, und sie müssen sich mit einer minimalen Altersrente begnügen.“


Menschen, die sich den Risiken einer Schwarzanstellung bewusst sind, entscheiden sich laut der Studie für eine solche erst in schwierigen Lebenssituationen, etwa nach einer Kündigungen oder Scheidung oder wenn sie Schulden haben. Auf der anderen Seite nutzen einige Menschen die Schattenwirtschaft bewusst aus, etwa um kurzfristig ein höheres Einkommen zu haben. Die langfristigen Auswirkungen können dann aber plötzlich und unerwartet auftreten, zum Beispiel durch eine Erkrankung oder den Jobverlust. „Dies hat sich in vollem Umfang während der Corona-Pandemie gezeigt. In einigen Branchen stieg die Arbeitslosigkeit rapide an. Beschäftigte, die zuvor nicht alle ihre Einkünfte angegeben haben, hatten plötzlich nicht die gleichen Rechte und Ansprüche auf finanzielle Unterstützung wie jene mit korrekten Steuererklärungen“, so Kryštof Kruliš vom Verbraucherforum.


Bisweilen werden Beschäftigte auch durch den Arbeitgeber in die Schattenwirtschaft gezwungen. Zu den entsprechenden Methoden gehören Löhne „auf die Hand“ in kürzeren Intervallen, unregelmäßige Arbeitszeiten, Nichtausstellung von Verträgen und die Umgehung dritter Instanzen.


Am Projekt „Neviditelní“ sind das Verbraucherforum, das Institut CETA sowie der Anbieter von Nicht-Bankkrediten Provident Financial beteiligt. Die „Unsichtbaren“ sind laut Autoren der Studie vor allem Studenten aus sozial schwachen Familien, Alleinerziehende, junge Familien mit Kindern, Schwarzangestellte, unfreiwillig Angestellte über 50 Jahre, Menschen mit Behinderung, arme Haushalte, ehemalige Soldaten, Landwirte, Beschäftige in NGOs, Senioren, Angehörige von Minderheiten sowie kleine Unternehmer.

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