Kleine Kapelle als Gemeindekirche


Die Kapelle Mariä Himmelfahrt (Kaple Nanebevzetí Panny Marie) ist eigentlich mehr als eine bloße Kapelle am Wegesrand, sondern eine kleine Gemeindekirche. Sie befindet sich im etwas außerhalb gelegenen westlichen Stadtteil Košíře (Prag 5) am Fuße des heutigen Klamovka Parks.


Košíře lag dereinst weit jenseits der Stadtgrenzen Prags. Erst 1921 wurde es eingemeindet. Seit dem Mittelalter lebten hier hauptsächlich Winzer, denn der Park war früher ein großer Weinberg aus der Zeit Karls IV. im 14. Jahrhundert. Die Bevölkerung wuchs im 17. Jahrhundert nach den Wirren des Dreissigjährigen Kriegs und lebte immer noch primär vom Weinbau. Es fehlte nach den Kriegswirren an katholischen Geistlichen, und so gab es keine eigene Kirchengemeinde. Die Menschen wurden von der Kirche (im 19. Jahrhundert abgerissenen) der Heiligen Philipp und Jakob (Kostel svatého Filipa a Jakuba) in Smíchov betreut. Wer Sonntags zur Kirche gehen wollte, musste ein recht langes Wegstück wandern. Immerhin baute man nach einer gewissen Zeit für den zur Gemeinde aus Smíchov kommenden Pfarrer eine kleine Kapelle für die Gottesdienste.


1752 wurde die Kapelle im Stil des Hochbarock neu gestaltet und dabei vergrößert, was sich auch als Notwendigkeit aus dem Bevölkerungswachstum ergab. Sie bekam die Gestalt, die sie im Kern heute noch hat. Es handelt sich um einen rechteckigen Bau mit Apsis und einem kleinen Dachreiter. Der Giebel wird durch hübsche Voluten geschmückt. Das Ganze passt ästhetisch zum Park, der zur selben Zeit angelegt wurde. Sie war oft Ziel von vielen Pilgerfahrten. Ab 1838 wurde die Gemeinde durch die Pfarrkirche der Heiligen Dreifaltigkeit (kostel Nejsvětější Trojice) beim Kleinseitner Friedhof (Malostranský hřbitov) in Smíchov betreut.

Unter dem Kommunismus litt sie ein wenig durch Vernachlässigung. Und so musste sie 1999 ordentlich renoviert werden. Die Eröffnung erfolgte am 15. August des Jahres, dem namensgebenden Tag Mariä Himmelfahrt. Sie ist meist geschlossen und wirkt etwas verlassen, aber einmal die Woche findet hier immer noch ein Gottesdienst für die Menschen der Nachbarschaft statt.

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