Milan Kundera erhält Franz-Kafka-Literaturpreis


Der tschechisch-französische Schriftsteller Milan Kundera hat am Donnerstag in Prag den Franz-Kafka-Literaturpreis erhalten.

„Träger des Jubiläumspreises ist Milan Kundera“, sagte der Vizevorsitzende der Franz-Kafka-Gesellschaft, Tomáš Kraus, bei der Eröffnung des Festabends in der französischen Botschaft. Die internationale Jury würdigt damit Kunderas Gesamtwerk. Mit diesem habe der Literat in bedeutender Weise zur tschechischen Kultur beigetragen, hieß es. Außerdem seien Kunderas Werke auch in der Weltkultur nicht zu übersehen. Sie wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt.


Für den Schriftsteller, der seit Mitte der 1970er Jahre in Frankreich lebt und an keinen öffentlichen Feierlichkeiten teilnimmt, übernahm Anna Kareninová den Literaturpreis. Sie übersetzt Kunderas französische Bücher ins Tschechische. Der Autor halte den Preis für eine Ehre, merkte sie an.


„Herr Kundera war tief bewegt, als er von der Preisverleihung erfuhr. Er sagte, er würdige die Tatsache, dass es eigentlich ein Preis von einem Kollegen an einen anderen Kollegen sei.“


Jakub Češka war Mitglied der internationalen Jury, die über die Preisvergabe entschieden hat. Der Literaturtheoretiker befasst sich seit vielen Jahren mit Kunderas Werk. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks merkte er an, Kundera sei ein sehr anspruchsvoller Leser von Franz Kafka.


„Seine essayistischen Arbeiten über Kafkas Werk sind imposant. Als ich danach gefragt wurde, stellte ich fest, dass es sich im Falle von Kundera um einen ganzen Komplex von Essays, Aufsätzen und Betrachtungen handelt. Ich habe sieben wichtigste Essays gezählt: Vier davon sind auf Tschechisch im Atlantis-Verlag erschienen und gehören zu kleinen Essaybüchern. Die anderen fand ich in französischen Veröffentlichungen. Es sind ‚Die Kunst des Romans‘, ‚Verratene Vermächtnisse‘ und ‚Der Vorhang‘. Den Lesern würde ich das Essay aus dem Buch ‚Verratene Vermächtnisse‘ empfehlen, das ,Wege im Nebel‘ heißt. Es konzentriert sich auf das Schuldgefühl. Dies ist auch das Thema von Kafkas Prozess.“


Womit aber besticht Kundera seine breite Lesergemeinde? Dazu Literaturwissenschaftler Češka:


„Das sind seine sparsamen Ausdrucksmittel, er beobachtet typische Lebenssituationen. Kundera nutzt dabei oft Metaphern, die in unterschiedlichen Kulturregionen verstanden werden. Auf diese Weise verallgemeinert er seine eigenen Erfahrungen oder Erfahrungen aus der Lektüre und verwandelt sie in etwas, das allgemein geteilt wird. Ich würde noch betonen, dass Kundera ein Schriftsteller ist, der aus der tschechischen Dichtertradition hervorgegangen ist. Er begann als Dichter.“


Der Franz-Kafka-Preis ist der einzige internationale Literaturpreis, der hierzulande verliehen wird. Die Franz-Kafka-Gesellschaft vergibt ihn seit 2001. Zu den bisherigen Preisträgern gehören beispielsweise Philip Roth, Elfriede Jelinek, Haruki Murakami und Peter Handke.

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