Mobile Corona-Impfteams in Tschechien im Einsatz



In mehreren Regionen Tschechiens sind dieser Tage mobile Impfteams unterwegs. So sollen Menschen in abgelegenen oder sozial schwachen Gebieten angesprochen und der Zugang zu den Vakzinen gegen das Coronavirus erleichtert werden.


Zu den Gebieten mit der niedrigsten Corona-Impfquote in Tschechien gehört die Grenzregion im Nordosten des Mährisch-Schlesischen Kreises. Politiker, Bürgerinitiativen und Vertreter der Uniklinik in Ostrava / Ostrau haben darum mobile Impfteams organisiert, die am Donnerstag ihre Arbeit aufgenommen haben. Krankenhaussprecherin Iva Piskalová:


„Das Team unserer Klinik steuert zuerst die Viertel in Ostrau an, in denen viele sozial schwache Menschen leben. Im Krankenwagen werden natürlich Vakzine zur Verfügung stehen. Das Team ist aber auch darauf vorbereitet, den Menschen zu erklären, warum es wichtig ist, sich impfen zu lassen.“


Auch im Osten des Kreises Pardubice / Pardubitz sind die Impfzahlen bisher eher niedrig. Dort wird sich in den kommenden Wochen ein speziell ausgestatteter Lkw auf den Weg machen. In Prag wiederum fuhr am Donnerstag der erste Impfbus los und machte Halt am Marienplatz. In den kommenden Tagen wird er auch am Zoo im Stadtteil Troja oder am Moldauufer Náplavka zu finden sein.


An allen diesen Stationen können sich Interessierte ohne vorherige Registrierung gegen das Coronavirus impfen lassen. Premier Andrej Babiš (Partei Ano) hatte die Kreise aufgerufen, solche mobilen Teams zu organisieren, um die Impfkampagne im Land zu beschleunigen. Nicht alle Ämter haben dies bisher umgesetzt. Im südmährischen Kreis etwa bestehe in den einzelnen Gemeinden kein Interesse, teilt der Impfkoordinator Petr Studenovský dem Tschechischen Rundfunk mit. Im Kreis Plzeň / Pilsen soll das Impfangebot ebenfalls nicht verstärkt werden. Man habe nämlich nur ungenaue Zahlen über den wirklichen Bedarf, sagte die Sprecherin des Kreisamtes Eva Mertlová:



„Einige Menschen sind noch durch eine überstandene Covid-19-Erkrankung geschützt und haben bisher keine Impfung. Dann gibt es bei uns 20.000 bis 30.000 Pendler. Wenn sich jemand von ihnen in Deutschland impfen lässt, haben wir keine Möglichkeit herauszufinden, ob und wo dies passiert ist.“


Eine wichtige Aufgabe der mobilen Mediziner ist zudem die Impfung von obdachlosen Menschen. Schon am Dienstag traf etwa ein Team in den Räumlichkeiten der Heilsarmee in Karlovy Vary / Karlsbad ein. Dort wird das Vakzin von Johnson & Johnson verabreicht, das aus nur einer Dosis besteht. Sozialarbeiterin Diana Derahová erläutert:


„Wenn die Klienten zu uns in die Einrichtung gekommen sind, haben wir sie informiert und aufgefordert, zum Impfen wiederzukommen. Außerdem hat unser Leiter einschlägige Orte abgefahren und den Termin angekündigt. Wir versuchen die Menschen zu motivieren, indem wir ihnen zusätzlich eine Übernachtung bei uns oder auch eine warme Mahlzeit anbieten. Es ist wichtig, dass sie wirklich zur Impfung kommen.“


Die Klienten bekommen unmittelbar nach der Impfung einen Beleg über das verabreichte Vakzin, dieser ist mit einem QR-Code versehen. Nach einer Woche können sie sich dann das Impfzertifikat abholen. Nicht jeder ist allerdings bei einer Krankenkasse versichert. Daran scheitere die Immunisierung aber nicht, so die Impfkoordinatorin des Kreises Karlsbad, Dagmar Uhlíková:


„Wir impfen auch Menschen, die nicht versichert sind. Der Staat kommt für den Impfstoff auf, und der Kreis übernimmt die notwendigen Material- und Personalkosten.“


In Tschechien sind seit Beginn der Impfkampagne Ende Dezember vergangenen Jahres bisher knapp 10,2 Millionen Impfdosen verabreicht worden. 4,7 Millionen Menschen sind bereits komplett geimpft. Mit der Geschwindigkeit der vergangenen Woche wird es noch knapp drei Monate dauern, bis 70 Prozent der Gesamtbevölkerung durchgeimpft sind, was als Grenzwert für die Herdenimmunität gilt.

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