Moser-Kristall: Luxusgläser für die oberen Zehntausend


Könige, Kaiser und Päpste – sie alle wussten und wissen die Qualität von Moser-Kristall zu schätzen. Firmengründer Ludwig Moser begann als kleiner Glasgraveur in einem bescheidenen Holzladen und brachte es innerhalb weniger Jahre an die Weltspitze. Dies klingt wie eine Tellerwäscher-Karriere in den USA – hat sich aber tatsächlich im böhmischen Karlsbad abgespielt.

Eine breite goldene Umrandung und ein klassisch-elegantes Design – dies sind die Attribute der „Splendid“-Reihe. Die Wein-, Wasser- oder auch Brandygläser mit diesem Namen bilden eine der ältesten und traditionsreichsten Kollektionen aus dem Hause Moser. Schon Edvard Beneš hat sie in seiner Funktion als Präsident der Tschechoslowakei der englischen Prinzessin und späteren Königin Elisabeth II. zur Hochzeit geschenkt. Dass die „Splendid“-Produkte auch zum Teuersten gehören, was mit der Marke Moser gekauft werden kann, muss kaum erwähnt werden. Petr Nový, Kurator des Museums für Glas und Bijouterie in Jablonec nad Nisou / Gablonz an der Neiße, hat vor einigen Jahren eine große Moser-Ausstellung im Prager Gemeindehaus zusammengestellt:

„Kommt man zu jemandem in die Wohnung und sieht dort ein ‚Splendid‘-Produkt, dann weiß man, dass der Besitzer nicht am Hungertuch nagt. Als Ludwig Moser mit seiner Firma begann, gründete er sie als ein Handelsunternehmen. Er war ein Graveur und genialer Geschäftsmann. Dabei war um 1857 herum keine gute Zeit für tschechisches Glas, im Gegenteil.“


Dafür florierte damals aber der Kurbetrieb in Karlovy Vary / Karlsbad, der Heimatstadt von eben jenem Ludwig Moser. Und genau dies machte sich der junge Firmengründer zunutze…

Aber der Reihe nach. Ludwig Löwi Moser wurde am 18. Juni 1833 in eine jüdische Familie geboren. Sein Vater Lazar betrieb eine Kantine mit rituellen Speisen, die unter anderem auch Mitglieder der Familie Rothschild bei ihren Kuraufenthalten regelmäßig besuchten. Angeblich war er der erste Jude, dem eine ganzjährige Arbeitserlaubnis in Karlsbad erteilt wurde.

Sein Sohn Ludwig besuchte die Schule nicht nur im heimatlichen Karlsbad, sondern auch in Wien und in Loket / Elbogen. Zur Lehre ging er bei Andreas Mattoni, der eine der angesehensten Werkstätten für Glasgravur in Karlsbad betrieb. Daneben lernte Moser beim Maler Ernst Anton zeichnen. Erste Berufserfahrungen sammelte der junge Graveur auf der anschließenden Wanderschaft, die ihn unter anderem für sieben Monate nach Berlin führte. 1855 kehrte Ludwig in die Heimat zurück und verdiente sich mit einem kleinen Souvenirladen am Ufer des Flüsschens Teplá sein erstes Kapital. Dieses investierte er, gerade einmal 24 Jahre alt, in seine eigene Gravurwerkstatt nebst Geschäft.

Lukáš Jabůrek ist Glasdesigner und hat das Erbe Ludwig Mosers für einige Jahre als künstlerischer Leiter der Firma weitergeführt. 2012 berichtete er im Tschechischen Rundfunk:

„Es sind Skizzenbücher erhalten geblieben, die die gesamte Produktion seit 1857 bis heute umfassen. Dort finden sich tausende verschiedene Formen, Ideen und Entwürfe. Sie bieten zum einen eine tolle Inspiration für neue Designs. Aber wir haben natürlich auch Kunden, die sich Repliken von historischen Stücken wünschen, etwa aus der Zeit des Jugendstils oder Art Déco. Dann greifen wir darauf zurück. Manchmal ist es eine echte Herausforderung herauszufinden, wie und mit welchen Materialien damals gearbeitet wurde.“

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