Nach harten Verhandlungen: Abzug der Sowjettruppen aus der ČSFR vor 30 Jahren


Der 21. Juni 1991 setzte den Schlusspunkt unter die tschechoslowakisch-sowjetischen Beziehungen der Nachkriegszeit. Denn an jenem Tag vor genau 30 Jahren wurde die letzte sowjetische Militärtechnik aus der Tschechoslowakei abtransportiert. Sechs Tage später verließ dann auch der letzte sowjetische Soldat das Land zwischen Erzgebirge und Hoher Tatra.

„Die Sowjettruppen müssen so schnell wie möglich abziehen, schließlich haben wir genug eigene Probleme im Land“, sagte diese Frau, und…

„Ich verstehe zwar die sozialen Probleme, aber die Soldaten können nicht damit rechnen, hier ewig zu bleiben“, sagte dieser Mann.

So und ähnlich äußerten sich im März 1990 viele Einwohner der Tschechoslowakei, als sie im Radio danach befragt wurden, was sie von einem Abzug der Sowjettruppen aus ihrem Land hielten. Zu jener Zeit verhandelte die Tschechoslowakei bereits intensiv mit Moskau über diesen Wunsch, der hierzulande nach der politischen Wende im Herbst 1989 verstärkt geäußert wurde. Doch die Sowjets versuchten, ihre langjährigen Gastgeber hinzuhalten. Letztlich hätten sie sogar vorgeschlagen, ihren Abzug über den Zeitraum von fünf Jahren auszudehnen, schildert Matěj Bílý vom Institut für das Studium totalitärer Regime:

„Die erste Verhandlungsrunde ist dadurch geprägt gewesen, dass die Sowjets Zeit gewinnen wollten.“

Hinter dieser Verzögerungstaktik steckten Probleme im eigenen Land. Denn die bereits in der Auflösung begriffene Sowjetunion hatte keine Kapazitäten, um die große Zahl an Menschen und Militärtechnik angemessen wieder im eigenen Land aufzunehmen. Doch die tschechoslowakische Seite sei hartnäckig geblieben und habe Druck gemacht, erläutert der damalige Diplomat Jaroslav Šedivý:

„In den Verhandlungen mit den Sowjets gab es stets drei Phasen. Die erste Phase war immer der große Kanonendonner, den die Gegenseite verbreitete. Sie spukte harsche Töne, um uns einzuschüchtern. Hielt man dem Donnerhall aber stand, kam die zweite Phase. Da wurde bereits über einen Deal gesprochen nach dem Motto: ‚Was bekommen wir von euch im Gegenzug, wenn wir diese oder jene Zugeständnisse machen?‘ Und wenn man auch das überstanden hatte, kam die dritte Phase. In dieser haben die Sowjets dann rational verhandelt.“

Die sowjetische Seite war damals gespalten. Denn bezüglich des Truppenabzugs reichten die Meinungen von Verständnis bis zu hartnäckigem Widerstand. Daran erinnerte sich der ehemalige Abgeordnete Michael Kocáb, der den Verhandlungen beiwohnte, in einem früheren Gespräch für den Tschechischen Rundfunk:

„Es waren Vertreter darunter, die völlig klar verstanden, dass sich die politische Lage geändert hatte. Doch es gab auch solche, die diese Veränderung einfach nicht akzeptieren wollten.“

Zur zweiten Gruppe gehörte auch General Eduard Worobljew, der letzte Befehlshaber der sowjetischen Truppen in der Tschechoslowakei:

„Ich und meine mir Unterstellten sind unangenehm überrascht darüber, dass wir, die Beschützer des Sozialismus in vorderster Front, jetzt auf einmal zu Okkupanten gemacht werden. Dies muss man mal klar und deutlich aussprechen“, wetterte Worobljew vor 30 Jahren.


Der General war dann auch der wirklich letzte sowjetische Militär, der die Tschechoslowakei am 27. Juni 1991 verließ. Mit ihm kehrten rund 73.500 Soldaten, fast 40.000 Familienangehörige, 1220 Panzer, 2500 Kampffahrzeuge und gepanzerte Transporter, 175 Hubschrauber, 103 Flugzeuge und fast 95.000 Tonnen an Munition in sein Land zurück.

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