Neue Motivationskampagne soll junge Erwachsene in Tschechien zum Impfen bewegen


Nachdem die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA das Corona-Vakzin von Pfizer / BioNTech für Kinder ab zwölf Jahre empfohlen hat, wird auch in Tschechien über die Impfung so junger Altersgruppen diskutiert. Am Freitag öffnet sich die Terminvergabe hierzulande zunächst für alle Personen ab 16 Jahre. Die Regierung hat außerdem eine spezielle Aufklärungskampagne gestartet, um die jungen Erwachsenen zum Impfen zu motivieren.

Über die Genehmigung des Corona-Impfstoffes von Pfizer / BioNTech für Kinder muss nun die Europäische Kommission entscheiden. Die Umsetzung wird dann bei jedem EU-Mitgliedsstaat selbst liegen. Tschechiens Premier Andrej Babiš (Partei Ano) hat in der vergangenen Woche bereits ein grundsätzliches Interesse bekundet:


„Die Impfung wird natürlich freiwillig bleiben und von der Zustimmung der Kinder abhängen, gegebenenfalls auch vom „Ja“ der Eltern oder des Vormundes.“


Selbst wenn Kinder nicht als Corona-Risikogruppe gelten, stimmen hiesige Experten in ihrem Urteil überein: Impfungen für sie sind genauso wichtig wie für Erwachsene, will man die Corona-Pandemie bald in den Griff bekommen. Daniel Dražan ist Facharzt und Mitglied der tschechischen Impfgesellschaft. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte er, dass Covid-19 hierzulande die häufigste Todesursache sei bei Infektionskrankheiten bei Kindern:


„Dabei geht es um Todesfälle, zu denen es bei anderen Infektionskrankheiten nicht kommt. Covid-19 ist also auch eine ernsthafte Bedrohung für Kinder, Hunderte von ihnen mussten deshalb schon ins Krankenhaus.“


In der Nacht auf Freitag öffnet sich landesweit die Impfregistrierung für Menschen zwischen 16 und 29 Jahren. Allgemein ist allerdings zu hören, dass das Interesse in dieser Altersgruppe nicht besonders groß sein soll. Genaue Zahlen liegen freilich nur wenige vor. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Stem vom März hat lediglich ergeben, dass die größte Impfmotivation bei Menschen ab 60 Jahre besteht.

Schon bei seinem Amtsantritt am Montag vergangener Woche nannte Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) darum als eine seiner Prioritäten, die jungen Erwachsenen zum Impfen zu bewegen:


„Womöglich bekommen wir Probleme, die gelieferten Vakzine auch einzusetzen. Obwohl das Interesse der Menschen ab 30 inzwischen etwas angestiegen ist, liegt es nicht auf einem Niveau, wie wir es uns wünschen würden. Darum müssen wir die Kampagne auf die jüngeren Generationen ausrichten.“


Vojtěchs Ressort hat deswegen gemeinsam mit dem Regierungsamt eine gezielte Motivationskampagne gestartet. Unter dem Motto „Udělejme tečku za koronavirem“ (Setzen wir einen Punkt hinter das Coronavirus) wurde eine eigene Webseite angelegt (ceskoockuje.cz). In sozialen Netzwerken werben zudem bekannte Influencer, Schauspieler, Musiker und Sportler für eine Impfung. Dazu gibt es Billboardanzeigen und Fernsehwerbung. Allein für die Radiospots, die bis Ende Juli beim Tschechischen Rundfunk laufen, seien 2,5 Millionen Kronen (98.000 Euro) investiert worden, informiert Daniel Köppl. Der Koordinator der Informationskampagne beim Gesundheitsministerium verweist auf die Wirksamkeit der bisher verfolgten Strategie, die auf höhere Altersgruppen abzielte. Bisher habe es keinen Sinn gehabt, sich an junge Leute zu richten:

„Da hätten wir sonst Gelder ausgegeben, um Personen anzusprechen, die sich bisher gar nicht impfen lassen konnten. Darum war unsere Kampagne bis jetzt ausgerichtet auf ältere Menschen ab 60 Jahre.“


Die Regierung hofft vor allem auf die motivierende Wirkung jener Vorteile, die Geimpfte beim Zugang zu Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen haben. Ein Schwerpunkt der aktuellen Kampagne ist außerdem das Thema Reisen und der sogenannte Covid-Pass.


Bei der Einführung der Corona-Impfungen für die breite Bevölkerung in Tschechien konnten sich Mitte Januar zunächst alle Menschen ab 80 Jahre melden. Anfang März kamen Personen ab 70 hinzu. In den letzten Wochen werden die Abstände kleiner, in denen die Registrierung für immer weitere Altersgruppen geöffnet wird. Dem Gesundheitsministerium zufolge sinkt der Anteil der Anmeldungen mit jeder jüngeren Altersgruppe.


Die Impfung von Kindern ab zwölf Jahre wünscht sich die Leiterin des Hauptgesundheitsamtes, Pavla Svrčinová, schon für Ende Juni. Adam Vojtěch dämpft aber die Erwartungen. In einem Fernsehinterview am Sonntag sprach der Minister von einem möglichen Termin in der zweiten Sommerhälfte.

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