Neue Studie: Ausbau erneuerbarer Energien in Tschechien könnte Milliarden einsparen



Erneuerbare Energien werden in Tschechien bisher wenig genutzt. Dabei könnte ihr Ausbau den Staatshaushalt um bis zu 18 Milliarden Kronen (700 Millionen Euro) jährlich entlasten. Dies besagt eine neue Studie des Zentrums für Umweltfragen an der Karlsuniversität, die am Dienstag veröffentlicht wurde.


Durch die Weiterentwicklung von sogenannter grüner Energie könnten in Tschechien die Kosten gesenkt werden, die dem Staat jährlich durch die negativen Auswirkungen fossiler Brennstoffe entstehen. So lautet die grundsätzliche Erkenntnis der Experten der Karlsuniversität. Dies setzt allerdings voraus, dass die Emissionen bis 2030 tatsächlich auf mehr als die Hälfte des Standes von 1990 gesenkt werden, wie es der Green Deal der EU vorsieht.


Auftraggeber der aktuellen Studie ist die Allianz für energetische Selbstversorgung (Alies). Geschäftsführer Martin Sedlák präsentierte die genauen Ziffern am Dienstagmorgen in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:



„Die Autoren der Studie beziffern die externen Kosten der tschechischen Energiewirtschaft jährlich mit durchschnittlich mehr als 100 Milliarden Kronen. Die Nutzung erneuerbarer Energien könnte zu Einsparungen von jährlich 18 Milliarden Kronen führen. Denn vor allem würden die Umweltverschmutzungen eingedämmt, die mit der Nutzung fossiler Energiequellen verbunden sind.“


100 Milliarden Kronen, also umgerechnet 3,9 Milliarden Euro zahlt der Staat also jährlich mit seiner aktuellen Energiepolitik drauf. Die errechneten Einsparungen von umgerechnet 700 Millionen Euro würden sich aus einem besseren Schutz für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt ergeben.


Zudem besagt die Studie, dass durch die Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien in Tschechien 108.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.


„Dies bezieht sich auf alle Arten der erneuerbaren Energiequellen, also Solar- oder Windanlagen, die Herstellung von Biomasse oder von Biogas. Ebenso betrifft dies das gesamte Segment vom Aufbau und der Einrichtung bis hin zum Betrieb solcher Anlagen“,

so Sedlák, der zudem Programmleiter des Verbandes moderner Energie ist. Das größte Potential sieht er im Bereich der Fotovoltaik. Neue Arbeitsplätze ergäben sich nicht nur beim Aufbau neuer Elektrizitätswerke, sondern auch bei der Herstellung einzelner Komponenten zu deren Ausstattung, führt Sedlák aus. Dies könne vor allen Regionen zugutekommen, in denen der Kohleabbau eingestellt wird und anschließend Jobs fehlen:


„In Kohleregionen wie den Kreisen Ústí nad Labem, Karlsbad oder Mährisch-Schlesien finden sich gute Möglichkeiten für die Nutzung erneuerbarer Energien. Gerade die Einrichtung von Fotovoltaikanlagen bietet sich hier an. Diese könnten auf dem Gelände ehemaliger Kohlestollen errichtet werden, in Baggergruben oder in durch den Abbau belasteten Gebieten.“


Die Studie der Karlsuniversität besagt, dass die Fotovoltaik in Tschechien bis 2030 um mehr als das Fünffache anwachsen könnte. Bis zu zwölf Terrawattstunden jährlich seien möglich, heißt es da, im Gegensatz zu den aktuellen gut zwei Terrawattstunden. Auch bei der Windkraft bestehe ungenutztes Potential, das bis zum Ende des Jahrzehnts eine Leistung von fünf Terrawattstunden erreichen könnte.


Der tschechische Staatshaushalt kann bei diesem Szenario zusätzlich entlastet werden, indem verstärkt EU-Gelder genutzt werden. Diese würden sich vor allem für die notwendigen Investitionen anbieten, sagt Sedlák:


„Die andere Seite der Gleichung zeigt auf, wieviel Geld in die Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien investiert werden muss. Eine Quelle ist dabei der Modernisierungsfonds, über den schon in diesem Jahr neue Projekte zum Aufbau von Fotovoltaikanlagen gefördert werden können.“

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