Park für glückliche Familien



Der Stadtteil Košíře (Prag 5) liegt außerhalb des Stadtzentrum im Westen Prags, wo es etliche schöne Landschaftsgärten (zum Beispiel den Cibulka Park, den wir schon hier vorstellten) zu bewundern gibt. So auch den Klamovka Park.


Der wurde ab 1752 auf dem Gelände eines Weinbergs angelegt, dessen Ursprünge sich bis in die Zeiten Kaiser Karls IV. zurückverfolgen ließen. Nun leistete sich auf dem Areal die österreichisch-böhmische Adelsfamilie Clam-Gallas ein ländliches Anwesen (natürlich hatte man auch einen Stadtpalast im Zentrum Prags). Dessen Kern war ein großes Landhaus oder Palais, das 1757 fertiggestellt wurde, nach dem man heute allerdings vergebens Ausschau hält. Ende des 19. Jahrhunderts gab die Familie ihren Besitz auf und im Jahre 1895 kaufte die Gemeinde Košíře (die erst seit 1921 zu Prag gehört) Landhaus und Park auf und wandelte das Ganze zu einem öffentlichen Park im Dienste der Naherholung um.


Das Landhaus wurde zum Restaurant – ab 1904 mit Tanzsaal und Kino – umgewandelt. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es an den Turnerbund Sokol über, der in den 1930er Jahren das Gebäude kurzerhand abriss und eine Sokol-Sporthalle dort errichtete. Die steht immer noch da und beherbergt eine von Pragern gerne besuchte Kneipe mit großem Biergarten. Der war in den 1970er Jahren übrigens ein beliebter Treff für Dissidenten, die von der damaligen kommunistischen Tyrannei die Nase voll hatten.

Der Park selbst ist im englischen Stil gehalten, ein Trend der 1752 sich überall in Europa durchzusetzen begann. Es handelt sich also um einen nicht-formalen Landschaftsgarten. Weite Wiesen wechseln sich mit zum Teil recht dichtem Wald ab. Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte der Garten Dank seines Direktors, dem Gartenbauunternehmer und Botaniker Josef Blecha, seine große Zeit. Für die Öffentlichkeit organiserte er immer wieder große Blumenschauen. Während das Landhaus abgerissen wurde, ist das Erbe der Familie Clam-Gallas im Park noch gut sichtbar, denn über Jahrzehnte schmückte Generation für Generation den Garten weiter aus.


Man sieht das vor allem an den verbliebene Gebäuden und Denkmäler, die sich verstreut im Park befinden. Es gibt noch etliche Gebäude aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Zeit als der Garten ursprünglich angelegt wurde. Das gehört das hübsche Barockhaus (in dem sich heute ein kleines Jugendzentrum befindet) für das Personal und die Gartenverwaltung am östlichen Rande des Parks. Die Leute hatten hier etwas zu tun, denn die Familie Clam-Gallas hielt sich im Garten unter anderem Wölfe und Bären.


Zwei weitere Gebäuden stammen ebenfalls noch aus dem 18. Jahrhundert. Da ist zum einen der berühmte Nachttempel. Es handelt sich um einen Rundtempel im römisch-antiken Stil mit einem vorgesetzten kleinen Portikus. Auf den ersten Blick sieht er ein wenig wie ein Mausoleum aus, was aber nicht der Fall ist. Darinnen wurde definitiv kein Mitglied der Familie Clam-Gallas begraben.

Von innen sieht man anscheinend (leider ist der Tempel für Besucher geschlossen) kleine verglaste Öffnungen in der Decke, die tagsüber im dunklen Innenraum den Eindruck eines Sternenhimmels vortäuschen. In jedem Fall ist es ein originelles Gebäude, das thematisch schlüssig gestaltet wirkt.


Etwas darüber befindet sich ein kleines und zweiflügeliges gläsernes Gewächshaus mit einem Mittelbau im feinsten Rokokostil, das wohl etwas später, aber noch im selben Jahrhundert erbaut wurde. Heute befindet sich in diesem sehr zierlichen Gebäude ein kleines Künstleratelier. Womit wir schon im 19. Jahrhundert angekommen sind. Der putzige neogotische Altan im großen Bild oben entstand im Jahre 1820. Das winzige Gebäude am Parkeingang, das im romantischen Windsorstil gehalten ist, beherbergt heute die Galerie Altán Klamovka, einen Verbund unabhängiger Kunstgallerien.


Die noch sichtbaren Skulpturen im Park entstanden meist später. Etwa das noch in einem späteren Beitrag zu erwähnende Denkmal für das Pferd Cassel, das um 1838 auf Wunsch von Eduard Graf Clam-Gallas entstand. Die Clam-Gallas‘ setzten ihren Tieren gerne Denkmäler. Leider ist das Steinportrait des Paradiesvogels seiner Frau Clotilde ebenso verschwunden wie das Denkmal für einen großen Hund, der wohl einem Mitglied der Familie das Leben gerettet hat. Was man noch sieht, ist eine Statuengruppe aus kommunistischer Zeit. Die glückliche, weil in realsozialistischen Zeiten lebende Familie (Rodina), die auf einem Betonsockel thront, ist das Werk des Bildhauers Karel Velický und entstand im Jahre 1960. Auch ohne Sozialismus sieht man an schönen Sonnentagen hier immer tatsächlich hier viele glückliche reale Familien, die den Park als eines der schönesten Ausflugsziele und zum Picknicken schätzen. (DD)

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