Persönlichkeiten, Pendler, Projekte: Brückenbauer-Preise verliehen


Am Mittwoch wurden im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee die tschechisch-deutschen Brückenbauer-Preise für das Jahr 2020 und das Jahr 2021 verliehen. Veronika Hofinger leitet das Zentrum, Martina Schneibergová hat mit ihr über die Auszeichnungen und die Preisträger gesprochen.

Frau Hofinger, die Brückenbauer-Preise wurden diesmal nicht nur für dieses Jahr, sondern auch für das vergangene Jahr verliehen. Denn wegen der Corona-Pandemie war es voriges Jahr nicht möglich, den Festakt zu veranstalten. Wie ist dieser Preis entstanden?

„Der Preis Brückenbauer wurde auf Anregung des Kuratoriums des Centrums Bavaria Bohemia 2007 ins Leben gerufen. Er wurde nun zum 13. und 14. Mal verliehen. Ziel des Preises ist es, Menschen zu ehren, die sich auch im Verborgenen, abseits des Lichts der Öffentlichkeit, um die deutsch-tschechischen Beziehungen und um die gute Nachbarschaft zwischen Deutschland und Tschechien verdient machen. Ihre Arbeit soll bekannt gemacht werden. Zugleich werden andere angeregt, es ihnen gleich zu tun.“

Fangen wir also mit den Preisträgerinnen und Preisträgern von 2020 an: Ausgezeichnet wurde der Schriftsteller Jaroslav Rudiš, den man vielleicht nicht näher vorstellen muss. Veronika Kupková vom Gymnasium in Kadaň ist vermutlich nur in tschechisch-deutschen Kreisen ein wenig bekannt. Wofür erhielt sie den Preis?

„Jaroslav Rudiš ist natürlich eine sehr bekannte Persönlichkeit, er hat als Schriftsteller den Ehren-Brückenbauerpreis erhalten. Wir haben nicht minder interessante Persönlichkeiten dabei, die mit weiteren Preisen geehrt wurden. Zu ihnen gehört Veronika Kupková als junge Brückenbauerin. Sie ist Pädagogin, war am Gymnasium in Kadaň tätig, arbeitet mittlerweile auch im Skautský institut (Pfadfinderinstitut, Anm. d. Red.). Seit vielen Jahren ist sie in der Region als Pädagogin und auch als Filmemacherin tätig. Obwohl sie nicht aus der Grenzregion kommt, sondern aus der Gegend von Pilsen, hat sie bei einem Deutschlandaufenthalt in der Grünen Schule die Grenzregion entdeckt und sich in diese sozusagen verliebt. Kupková fing an, dort Erkundigungen einzuholen und freundete sich dann bei einer Veranstaltung mit einem ehemaligen Bewohner dieser Region an. Daraus entstand das erste Filmprojekt, es heißt ,Generation ,N‘ Deutschböhmen‘. Ihr ist es während der Zeit gelungen, einerseits zu Zeitzeugen Kontakte aufzubauen und andererseits auch ihre Schüler miteinzubeziehen. Ihr zweites Projekt befasste sich mit dem untergegangenen Ort Přísečnice oder auf Deutsch Preßnitz. Es heißt ,Přísečnice žije‘ (Preßnitz lebt, Anm. d. Red.). Kupková dokumentiert dabei die Geschichte eines Ortes, der in einem Stausee verschwunden ist.“

In der Kategorie der Persönlichkeiten wurde der aus dem Böhmerwaldort Kundratice / Kundratitz stammende Karl Suchy geehrt. Er gilt als Retter der romanischen Kirche St. Maurenzen. War dieser Verdienst bei der Auszeichnung ausschlaggebend?

„Karl Suchy ist Architekt von Beruf und war als solcher in München sehr erfolgreich. Als dies möglich wurde, ist er immer wieder in seinen Heimatort zurückgekehrt und hat sich um die Erhaltung dieses Kulturdenkmals gekümmert. Suchy gründete auch den Förderkreis St. Maurenzen, der sehr aktiv ist, und dessen Ehrenvorsitzender er auch noch ist. Zudem hat er sich in vielerlei weiterer Hinsicht für das kulturelle Erbe seines Heimatortes engagiert. Im vergangenen Jahr ist er 90 Jahre alt geworden.“

Ausgezeichnet wurde auch Eugenie Trützschler von Falkenstein. Können Sie sie kurz vorstellen?

„Eugenie Trützschler von Falkenstein ist wirklich eine Persönlickeit, die zwischen Deutschland und Tschechien lebt. Sie ist in Prag aufgewachsen, war aber aufgrund ihres familiären Hintergrundes in verschiedener Hinsicht benachteiligt und hat sich dann für die Aussiedlung nach Deutschland entschieden. Dort baute sich eine Existenz auf. Zuerst war sie Lehrerin und hat im bayerischen Schulsystem gewirkt, dann ist sie ans Ministerium gewechselt. Eugenie Trützschler hat sich immer wieder für deutsch-tschechische Projekte eingesetzt und sich vor allem seitens des Thüringer Ministeriums für Bundes- und Europaangelegenheiten für den Aufbau der Euregio Egrensis engagiert.“

Nicht nur Persönlichkeiten, sondern auch ein Partnerprojekt wurde gewürdigt. Dabei handelt es sich um die Zusammenarbeit von drei Schulen: der Realschule in Vohenstrauß sowie des Gymnasiums und der Handelsakademie in Stříbro / Mies. Es gibt vermutlich mehrere derartige Schulprojekte. Warum haben Sie dieses Projekt ausgezeichnet?

„Es ist nicht das erste Schulprojekt, das ausgezeichnet wurde. Es gibt viele Schulen, die sehr gut und langfristig zusammenarbeiten. Was uns jedoch sehr überzeugt hat, war einerseits die Dauer der Zusammenarbeit. Die Schulen haben im letzten Jahr 30 Jahre ihrer Partnerschaft gefeiert. Und andererseits war das die Intensität der Zusammenarbeit. Sie ist über die Jahre angewachsen. Tschechisch ist fester Bestandteil des Lehrplans in Vohenstrauß, und die Schüler in Stříbro lernen Deutsch. Die Partnerschaft wird genutzt, um die Schüler zu motivieren, Kontakte aufzubauen und die Kontakte durch eine hohe Frequenz an Besuchen zu stärken.“

Für dieses Jahr gab es eine Sonderauszeichnung, die an die Pendler ging. Hat sich in der Corona-Zeit die besondere Rolle der Pendler gezeigt?


„Ich würde sagen, dass die Rolle der Pendler erst in der Corona-Zeit bewusst geworden ist. Die Pendler spielen aber viel länger schon eine Rolle, indem sie tatsächlich diejenigen sind, die für viele der erste Kontakt zum Nachbarland sind. Viele Pendler wirken sozusagen als Botschafter ihres Landes, ohne dass dies von der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wurde. In der Corona-Zeit litten die Pendler natürlich besonders stark. Sie waren vielen Kontrollen und Einschränkungen ausgesetzt, sie hatten lange Wartezeiten an der Grenze und mussten sich oft zwischen ihrer Familie und ihrem Arbeitsplatz entscheiden, indem sie wochenlang auf der anderen Seite der Grenze untergebracht waren. Wir haben von verschiedenen Seiten Zurückmeldung bekommen, unter anderem von der Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz und Pilsen, dass die Arbeitgeber, aber auch die deutschen Kollegen, Patienten und Kunden überwältigt waren von dieser Zuverlässigkeit, Loyalität und Opferbereitschaft, die die Pendler aufgebracht haben. Aufgrund dessen hat sich der Vorstand des Centrums Bavaria Bohemia entschieden, diese etwas ungewöhnliche Sonderauszeichnung zu verleihen, die an eine viele Tausende von Pendlern geht.“

Von wem wird der Preis finanziert?

„Der Preis Brückenbauer ist Teil des Projekts ,Kultur ohne Grenzen‘. Das Projekt wird seit vielen Jahren vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert und vom Landkreis Schwandorf mitfinanziert.“

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