Pferd mit Eimer


Der schöne Klamovka Park im Stadtteil Košíře (Prag 5), der im 18. Jahrhundert von der Adelsfamilie Clam-Gallas angelegt wurde, war Gegenstand des letzten Beitrags dieses Blogs.

Dort steht auch das Denkmal von Cassel. Ein ganz besonderes Denkmal! Bei Cassel handelt es sich nicht um einen Kriegshelden oder unsterblichen Dichter oder wer sonst so auf Denkmalssockeln steht. Nein, es handelt sich einfach um ein Pferd. Nicht um ein Pferd mit Reiterhelden, sondern nur um ein Pferd als solches. Und zwar um ein Pferd, das ein selbst für Pferde doch recht ungewöhnliches Denkmal gesetzt bekam.








Cassel gehörte einem prominenten Mitglied einer großen Adelsfamilie, nämlich Eduard Graf Clam-Gallas. Der veranlasste die Aufstellung des Denkmals um das Jahr 1838. Der Künstler lässt sich heute nicht mehr feststellen. Graf Eduard war vor allem als Militär bekannt. Er kommandierte ab 1850 das I. Böhmische Armeekorps, das er 1859 in den für die Habsburger Seite verlorenen Sardinischen Krieg (der die österreichische Herrschaft über viele italienische Länder beendete) führte. Er nahm dabei auch führend an den für die österreichische Seite verlorenen Schlachten von Magenta und Solferino teil, von den die letztere so blutig war, dass sie zur Gründung des Roten Kreuzes Anlass gab.

Sein Pferd Cassel dürfte daran aber schon nicht mehr teilgenommen haben. Das galt wohl auch für den nächsten großen Krieg, an dem der Graf leitend teilnahm. Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 nahm er – inzwischen General der Kavallerie – an der Schlacht von Jičín (damals Gitschin) teil. Die ging für Österreich so verloren, dass der gute General darob sogar vor dem Kriegsgericht landete. Er wurde freigesprochen – ob aufgrund seines hohen Adelstitels oder tatsächlicher Unschuld, scheint irgendwie ungeklärt und eine Frage von bloßer Meinung zu sein. Auf jeden Fall zog er sich danach ins Privatleben zurück – möglicherweise, um sich der Pferdeliebhaberei zu widmen.

Zurück zu Cassel: Wenn das Denkmal tatsächlich um 1838 entstand, war der Graf zu diesem Zeitpunkt noch ein junger Major. Zudem erbte er zu dieser Zeit das Anwesen bei Prag. Der Graf dürfte im Leben viele Pferde besessen haben, von denen etliche gefährlichen Situationen ausgesetzt waren. Dieses Pferd, über das wir sonst wenig wissen, war wohl eher eine Jugendliebe. Entsprechend putzig ließ er es darstellen. Nicht in Heldenpose und voller Größe, sondern als Kopf, der aus dem Sockel schaut. Auf der Säule steht ein Eimer – im Kontext von Denkmälern ein eher ungewöhnliches Accessoire. Es ist die Sorte von Holzeimer, die der Graf in diesem Fall (Lieblingspferd!) vielleicht sogar persönlich ab und an nutzte, um sein Pferd zu tränken. (DD)

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