Psychologische Hilfe für Betroffene der Tornado-Katastrophe


Der Tornado, der am vergangenen Donnerstag eine 26 Kilometer lange Schneise in das südmährische Gebiet um Břeclav / Lundenburg und Hodonín / Göding riss, hat ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Zerstörte Häuser, Fahrzeuge und Grünanlagen legen die materiellen Schäden offen. Doch nicht minder groß sind die psychischen Probleme, mit denen die vom Unwetter betroffenen Menschen nun zu kämpfen haben.

In Moravská Nová Ves / Mährisch Neudorf ist man immer noch dabei, die Schäden zu beseitigen. Doch es ist abzusehen, dass diese Tätigkeiten bald auslaufen, und auch die Freiwilligen, die bei der Aufräumarbeit helfen, immer weniger werden. Spätestens dann brauchen die Betroffenen psychologische Unterstützung, sagte Aleš Kocián von der humanitären Organisation Adra im Tschechischen Fernsehen (ČT):


„Denn wenn die praktische Arbeit getan ist, beginnen die Einwohner des Ortes zu überlegen, wie es weitergehen soll. Viele haben ihr Eigentum verloren, einige sogar einen Verwandten, oder gesundheitlich Schaden genommen. Und wenn diese Überlegungen einsetzen, geht jeder anders mit der Krise um.“

Adra ist eine von mehreren Organisationen in Tschechien, die ihre Hilfe in Krisensituationen gewährt. Aus den Erfahrungen mit Hochwassern weiß Kocián auch genau, was diesmal anders ist: Im Gebiet der Tornado-Katastrophe entstand ein großer Schaden auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche. Daher gingen die Aufräumarbeiten weit zügiger voran, weil die Hilfe konzentrierter sei, so Kocián. Nicht anders als sonst aber sei die Haltung der Menschen, die vom Unwetter betroffen sind. Fast alle wollten noch nicht wahrhaben, psychologische Hilfe nötig zu haben. Manche aus Überzeugung von ihrer eigenen Stärke, andere aus Scham:


„Wir finden bestimmt ein Haus, in dem der Inhaber Furcht davor hat, jemanden hineinzulassen. Denn vordem waren bei ihm schon Versicherungsvertreter, und ihm ist bewusst geworden, nicht ausreichend versichert zu sein. Und in dem Fall hat er auch keine finanzielle Unterstützung zu erwarten.“

Dennoch seien die Vertreter seiner Organisation jetzt nicht untätig, sondern suchten die Anwesen der Geschädigten immer wieder auf, so Kocián:


„Wie andere Organisationen auch ziehen wir vor Ort Erkundungen ein, was die einzelnen Haushalte konkret benötigen. Dazu haben wir entsprechende Fragebögen, und die gesammelten Daten tauschen wir dann mit den Vertretern der Gemeinde aus.“


Diese Erhebungen würden ständig wiederholt, weil sich die Bedürfnisse der Betroffenen je nach persönlicher Lage ändern, ergänzt Kocián. Und der Koordinator der Adra-Einsatzgruppe in Moravská Nová Ves weiß aus Erfahrung, dass man sich dabei um unterschiedliche Schicksale zu kümmern habe:

„Jemand hat Freunde, die ihm helfen. Ein anderer hat das Glück, dass ihn jemand bemerkt und fotografiert und dann die Medien darüber informiert hat. Ihm wurde finanzielle Hilfe zuteil, der Nachbar aber hat keine bekommen. In einem anderen Fall ist es vielleicht dem Nachbarn gelungen, auf sich aufmerksam zu machen, mir aber nicht – das sind Beispiele, wie unterschiedlich die psychologische Bewältigung des eigenen Traumas sein kann. Andere wiederum haben viel Energie in den Ausbau ihres Hauses gesteckt, jetzt aber keine psychische Kraft mehr, von Neuem anzufangen. Die Schicksale, mit denen wir konfrontiert werden, sind wirklich sehr unterschiedlich.“


Abschließend spricht Aleš Kocián noch über eine Altersgruppe, der man jetzt und in den nächsten Wochen besonders helfen müsse:

„Das sind die Rentner, um die sich keiner mehr kümmert. Es sind Senioren, die beispielsweise ihren einzigen Sohn verloren haben und jetzt nicht wissen, wer ihnen helfen könnte. Es ist daher die Aufgabe von uns und der Gemeindevertretung, diese Schicksale herauszufiltern und zu handeln.“


Vordem hatte Finanzministerin Alena Schillerová (parteilos) bereits angekündigt, dass jenen Menschen wirklich geholfen werde, die sich die Kosten für ein neues Haus nicht mehr erarbeiten könnten.

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