Replik der Fronleichnamskirche in Třinec-Guty eingeweiht


Im August 2017 ist im Ortsteil Guty der mährisch-schlesischen Stadt Třinec / Trzynietz eine wertvolle Holzkirche aus dem 16. Jahrhundert niedergebrannt. Dies war ein großer Verlust für die örtliche Kirchengemeinde, für die Stadt, den Kreis Mährisch-Schlesien, ja letztlich für ganz Tschechien. Am Sonntag wurde nun am selben Ort ein Nachbau eingeweiht.

„Die Kirche war einzigartig, weil sie hier in den Beskiden die älteste ihrer Art war. Einzigartig war auch das Interieur. Einige Wandmalereien und Gemälde waren Originalstücke aus der Renaissance.“

Mit diesen Worten beschrieb Michal Zezula vom örtlichen Denkmalschutzamt vor knapp vier Jahren, welch wertvolles Gut einige Stunden zuvor zu Staub und Asche geworden war. Die Bürgermeisterin der Stadt sprach von einer Tragödie, und Fachleute sagten, der kunsthistorische Verlust sei nicht zu beziffern. Die Kirche war erst fünf Jahre zuvor restauriert worden. Sie fiel einer Brandstiftung zum Opfer, und die drei Täter wurden zu Haftstrafen von 3,5 Jahren, acht und neun Jahren verurteilt.

Der Schmerz war also groß über den Verlust der Holzkirche aus dem Jahr 1563. Dennoch ließen die Gläubigen der Region keinen Zweifel daran, dass sie ihr Gotteshaus an historischer Stätte wiedererrichten wollen. Ende Mai vergangenen Jahres wurde daher mit dem Bau einer Replik begonnen. Am Sonntag wurde diese mit einem Gottesdienst feierlich eingeweiht. Die Weihe nahm Bischof Martin David vom Ostrauer-Troppauer Bistum vor. Im Vorfeld der Zeremonie sagte er:

„Es ist gelungen, das geschätzte Gotteshaus zu erneuern, das hier durch einen tragischen Brand vernichtet wurde. Das ist gewiss eine sehr gute Nachricht und große Freude für die ortsansässigen Gläubigen hier in Třinec-Guty.“

Diese Freude teilten dann auch die zahlreichen Besucher der Einweihungszeremonie, allerdings mit gewissen Einschränkungen. So weinte die 75-jährige Christin Jitka der ursprünglichen Kirche noch eine Träne nach:

„Diese Kirche war wunderschön. Als wir damals hierherkamen, um die Brandreste zu sehen, das war ein schrecklicher Schlag für uns.“

Ähnlich äußerte sich auch ihre Nachbarin Helena, und zwar mit feuchten Augen:

„Mit der ursprünglichen Kirche verbinde ich viele Erinnerungen, vor allem hinsichtlich ihrer Geschichte. Das war etwas völlig anderes, denn darin steckte sozusagen die besondere Kraft des alten Gotteshauses.“

Trotzdem ist Helena sehr zufrieden, dass es die neue Kirche gibt. Und sie gefällt ihr auch. Kirchenpfarrer Kaziemerz Plachta wiederum strich heraus, dass man jetzt wieder etwas optimistischer in die Zukunft schauen sollte:

„In solchen Momenten sollte der Mensch lieber nicht darüber nachdenken, was gewesen ist. Er sollte sich auch keinen Kopf darüber machen, welcher Aufwand mit der Wiedererrichtung der neuen Kirche verknüpft war. Denn der Mensch würde es auf Dauer nicht ertragen, wenn er sich in seinen Gedanken immer nur auf die Erschwernisse konzentriert.“

Die Schwierigkeiten bei der Errichtung der neuen Kirche wurden gemeistert. Doch ihr Bau ist noch nicht ganz abgeschlossen. Mehrere Details müssen noch ergänzt werden, erläutert der Chef der Bauabteilung des Bistums, Václav Kotásek:

„Beim Interieur und den Außenanlagen der Kirche muss noch einiges hinzugefügt werden, darunter auch eine Umzäunung. Das Hauptgebäude ist fertig, doch für den gesamten Komplex muss noch einiges getan werden.“

Zur Vollendung der Kirche gehört zum Beispiel auch die Installierung ihrer vier Glocken, die vergangene Woche aus dem polnischen Przemyśl angeliefert wurden. Die schwerste von ihnen, die Glocke des heiligen Michael, wiegt übrigens 290 Kilogramm. Die Gesamtkosten für den Neubau betragen etwa 33 Millionen Kronen (1,27 Millionen Euro), ursprünglich waren 20 Millionen Kronen (790.000 Euro) veranschlagt worden.

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