Rittersitz, renovierungsbedürftig


Über das nördlich und nahe Prags gelegene Dorf Chlumín und seine Barockkirche hatten wir im letzten Beitrag berichtet. Aber der Ort, der eigentlich ein Ausflugsort für die Prager sein könnte, wirkt wirtschaftlich recht abgehängt. So bleiben seine Sehenswürdigkeiten (die wirklich sehenswürdig sind) weitgehend unbeachtet. Das gilt nicht nur für die Kirche, sondern auch für das in der Nähe befindliche Schloss Chlumín (zámek Chlumín). Wie die Kirche befindet es sich ebenfalls in einem recht bemitleidenswerten Zustand.

Das wurde schon 1310 erstmals als kleine Burg im gotischen Stil erwähnt und gehörte damals einer Prager Patrizierfamilie namens Velflovic. Noch im selben Jahrhundert begann eine Reihe von Besitzerwechseln – inklusive einer kurzen Besetzung durch Hussiten um 1421. Die sehr fruchtbare Gegend ließ das Anwesen für Grundbesitzer recht attraktiv erscheinen. Große Neuerungen brachte aber erst die Übernahme durch den Ritter Jetřich Kyšperští z Vřesovic, einem Sohn von Jakub Kyšperský z Vřesovic, der als tapferer Kämpfer gegen die Türken 1526 in der Schlacht bei Mohács fiel und es spätestens dadurch zur Berühmtheit gebracht hatte. Der Ritter verwandelte die mittelalterliche Burg in ein Schloss im Stil der Renaissance. Es folgten weitere Besitzerwechsel bis es dann zwischen den Jahren 1675 und 1726 der Familie der Freiherren Údrčtí z Údrče, die das Schloss um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert im Barockstil neu umgestaltete. Und diese neue Form hat es bis heute im Kern beibehalten.

Eine neue Blüte entstand als 1726 Anna Maria Franziska Großherzogin von Toskana von der Toskana das Schloß, Dorf und Umgebung kaufte. Die anderen Sehenswürdigkeit Chlumíns – Kirche, Dorfplatz, Mariensäule – umrahmten Dank ihre Bautätigkeit nun das Schloß und es sah so aus, als ob sie in Chlumín den Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden gewinnen wollte – nur, dass es den damals noch nicht gab. Es muss halt noch ein wenig aufpoliert und renoviert werden, aber das Ensemble, das sie hinterließ, ist eigentlich sensationell. Die Großherzogin hatte keine direkten Erben und irgendwann wechselte das Schloss wieder den Besitzer. Ihr Wappen prangt jedoch weiterhin auf der Barockfassade des Gebäudes (Bild unterhalb links).

Die neuen Eigentümer, die Grafenfamilie von Chotek wollten das Schloss nicht mehr als Schloss nutzen, sondern richteten hier eine Schule und ein Pfarramt für die Kirche nebenan ein. Ein Feuer richtete 1859 großen Schaden an, der aber zügig wieder behoben wurde. Nach 1945 wurde das Ganze verstaatlicht und es wurde hier ein staatlicher Muster-Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut. Das hörte in den 1980er Jahren auf, als man das Schloss renovierte. Seither wurde aber wenig zu seinem Erhalt getan. Genutzt wird es heute als für die Öffentlichkeit nicht zugänglicher Aufbewahrungsort für nicht ausgestellte Sammlungsobjekte des Kunstgewerbemuseums (wir berichteten über das Museum hier) in Prag.

Das erhält irgendwie mehr schlecht als recht das eigentliche Schloss, obwohl auch hier der Putz von den Fassaden bröckelt. Das eigentliche Opfer sind die ebenfalls historisch wertvollen Wirtschaftsgebäude. Schloss Chlumín wird gerade durch diese Gebäude zu dem, was es in archetypischer Weise repräsentiert: das klassische Rittergut. Und so gleicht die unmittelbare Umgebung, die schon mit improvisierten Zäunen gesichert wird, einer wahren Ruinenlandschaft. Man könnte heulen. Hoffentlich finden sich bald die Mittel, um Chlumín und sein Schloss wieder so schön auferstehen zu lassen, wie es in den Zeiten der Großherzogin war. (DD)

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