Sind Corona-Schnelltest bei Kindern zuverlässig? Tschechische Schulen wollen PCR-Spuckmethode


Seit vergangener Woche wird an tschechischen Grundschulen wieder Präsenzunterricht abgehalten. Ab kommenden Montag sollen dann auch die Schüler der weiterführenden Stufen in die Klassenzimmer gelassen werden. Grundvoraussetzung sind regelmäßige Corona-Tests. Dafür hat der Staat sogenannte Antigen-Tests bestellt. Doch es gibt Zweifel an deren Zuverlässigkeit gerade bei Kindern. Deswegen fordern Politiker und Schulleiter in Prag und einigen Kreisen, die PCR-Spuckmethode zu nutzen.

Bisher sind die Kinder an den tschechischen Grundschulen in zwei Gruppen eingeteilt. Während die eine in den Klassenzimmern unterrichtet wird, macht die andere Fernunterricht. Seit Montag also sind die Kinder der zweiten Gruppe in den Schulen. Auch sie wurden bei Unterrichtsbeginn getestet. Und zwar meist mit Antigen-Tests, die das Gesundheitsministerium bestellt hat. Die nächste Überprüfung auf das Coronavirus erfolgt dann am Donnerstag, denn getestet wird zweimal in der Woche.

Bisher wurde nur eine sehr geringe Zahl an Infektionen nachgewiesen. Sie liegt im Promillebereich. Bei den 57.000 Schülern im Kreis Mittelböhmen waren es am Montag vergangener Woche gerade einmal 23 Fälle. Kreishauptfrau Petra Pecková (parteilos) glaubt daher, dass die Antigentests nicht geeignet sind:

„Es hat sich gezeigt, dass bei Kindern die Virusbelastung bei einer Infektion deutlich niedriger ist als bei Erwachsenen. Sie liegt unter der normalen Empfindlichkeit der Antigen-Schnelltests.“

Deswegen hat der Kreis Mittelböhmen sowie der Magistrat in Prag das Gesundheitsministerium zum Umdenken aufgefordert. An einigen Orten werden bereits jetzt PCR-Spucktests genutzt. So zum Beispiel an der Schule für Kinder mit besonderen Lernanforderungen im ostböhmischen Hradec Králové / Königgrätz. Laut der dortigen Rektorin Eva Rindová war der Nasenabstrich in einigen Fällen nur schwer möglich:

„Dies bezieht sich auf Kinder mit kombinierten Behinderungen, etwa Autismus und Seh- oder Hörschäden. Auch die Eltern empfanden einen Abstrich als sehr problematisch und wollten die Spucktests selbst anschaffen. Wir haben ihnen aber geholfen.“

Denn das Kreisamt hat die PCR-Tests dieser und anderen Schulen bereitgestellt. Auch das Rathaus im neunten Prager Stadtbezirk hat sich für die Spucksets entschieden und kauft diese für die Schulen in seinem Zuständigkeitsbereich. Das beauftragte Labor kann die Ergebnisse innerhalb von zwei Stunden mitteilen. Ein Vorteil ist, dass die Proben auch auf Mutationen sequenziert werden…

„Da geht es vor allem um die potenziell riskanten Mutationen, wie etwa die brasilianische, die sehr viel ansteckender sind. Gerade bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie in den Schulen zu Infektionsherden führen“, so Michal Mikšík, der Sprecher der Firma, die das Labor betreibt.

Bei den Schnelltests glauben Fachleute zudem, dass Kinder den Nasenabstrich meist nicht so machen, wie es nötig wäre. Gesundheitsminister Petr Arenberger (parteilos) will aber kein voreiliges Urteil fällen. Seinen Aussagen nach könnte die niedrige Rate positiver Fälle auch daran liegen, dass die Kinder wochenlang im Lockdown zu Hause waren. Diese Woche will er dazu eine Entscheidung treffen. Bildungsminister Robert Plaga (parteilos) drängt dabei schon länger auf die Nutzung von PCR-Tests:

„Das Bildungsministerium verhandelt – auf Empfehlung von Experten – bereits seit Anfang Januar mit dem Gesundheitsministerium über einen verstärkten Einsatz von PCR-Tests. Denn die Antigen-Schnelltests sind nicht so zuverlässig bei Schülern oder Lehrern mit symptomfreien Infektionen. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass sie zumindest ein Weg sind für die Rückkehr der Kinder in die Schulen, wenn man die insgesamt 230 positiv getesteten Schüler und Lehrer hierzulande sieht.“

Sollten die PCR-Tests kommen, würden sie laut dem Gesundheitsminister nur einmal in der Woche durchgeführt. Das könnte bedeuten, dass die Kosten sogar unter denen der Antigen-Schnelltests lägen.

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