Sommer, Sonne, Kino: Deutschsprachiges Filmfestival in Prag, Brünn und Hradec Králové



Laue Sommerabende im Freien genießen und dabei einen Film schauen. Das ist beim „Sommerkino“ von Goethe-Institut, Österreichischem Kulturforum und der Schweizer Botschaft möglich. Seit Juni und noch bis September werden 15 Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt. Die Zuschauer sehen Klassiker, Dokumentationen oder Filme, die auf internationalen Festivals erfolgreich waren. Normalerweise finden diese Streifen kaum ihren Weg in die tschechischen Kinos. Neben den traditionellen Orten Prag und Brno / Brünn findet erstmals auch eine Vorführung in Hradec Králové / Königgrätz statt.



„Goodbye Lenin“ erzählt die Geschichte des 22-jährigen Alexander. Seine Mutter liegt im Koma, während 1989 die Mauer fällt. Da sie sich nicht aufregen darf, nachdem sie aus dem Koma erwacht ist, versucht ihr Sohn das Leben in der DDR weiter aufrecht zu erhalten. Das Letní Kino in Brünn zeigt diesen Blockbuster an diesem Donnerstag (15. Juli) um 21.30 Uhr. Er ist einer von 15 Filmen, die beim diesjährigen Sommerkino von Goethe-Institut, Österreichischem Kulturforum und der Schweizer Botschaft zu sehen sind. Klára Arpa ist Programmkoordinatorin am Goethe-Institut in Prag:


„Wir zeigen Klassiker wie ‚Lola rennt‘ oder ‚Goodbye Lenin‘, aber auch ikonenhafte Werke wie die Filme von Wim Wenders. Ich würde an dieser Stelle ‚Paris Texas‘ oder ‚Himmel über Berlin‘ nennen. Wir haben aber auch zwei Literaturverfilmungen im Programm und zwar ‚Die Wand‘ und der ‚Nachtzug nach Lissabon‘. Jeder findet etwas für sich.“


Das vermeintliche Highlight in diesem Jahr ist die deutsche Komödie „100 Dinge“ mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz. Bereits beim Filmfestival im vorletzten Jahr zeigten die Veranstalter den Streifen. Das Publikum reagierte begeistert. Die Produktion handelt von den Freunden und Geschäftspartnern Paul und Toni, die sich im Rahmen einer Wette darauf einlassen, 100 Tage auf Luxus und Konsum zu verzichten, indem sie all ihre Habseligkeiten abgeben – mit Folgen für ihre Freundschaft.



„100 Dinge“ wird in Hradec Králové gezeigt. Neben den traditionellen Orten Prag und Brünn ist die Stadt in Ostböhmen erstmal Schauplatz des Sommerkinos.


„Die Kooperation ist durch die Eigeninitiative des Kinos entstanden. Wir freuen uns sehr darüber. Ausgangspunkt war, dass ein engagierter Mann uns kontaktiert hat. Er hat dort eine Community um sich, die Deutsch lernen und üben will. Wir hoffen, dass diese Kooperation auch nach dem Sommerkino weitergeht“, erklärt die Programmkoordinatorin des Goethe-Instituts.


Bei der Vorführung am 7. September steht die Atmosphäre des Freiluftkinos besonders im Vordergrund. Der Film wird auf eine Leinwand an der Fassade eines Hauses projiziert. Klára Arpa hofft auf gutes Wetter für diesen Abend:


„Es gibt immer eine Ausweichmöglichkeit, nur in Hradec Králové nicht. Im Falle von Regenwetter müssen die Zuschauer leider nach Hause gehen. Wir drücken aber die Daumen, dass es nicht regnet.“


Insgesamt rechnen die Organisatoren mit 1000 Besuchern von Juni bis September. Während der Veranstaltung gelten die allgemein gültigen Corona-Beschränkungen.


„Ich habe die Rückmeldung bekommen, dass die Leute sich weniger in die normalen Kinos trauen. Wir rechnen damit, dass die Sommerkinos dann eher Zulauf haben“, sagt Klára Arpa.


Alle Filme sind in deutscher Sprache mit tschechischen Untertiteln. Das soll sowohl deutsche als auch tschechische Besucher anlocken…


„Es ist unsere Intention, dass alle tschechischen Besucher die Originalsprache hören. Der Film ‚100 Dinge‘ war sogar in den tschechischen Kinos synchronisiert, und wir haben extra für das Sommerkino eine deutsche Fassung angefragt.“


Nur der „Nachtzug aus Lissabon“ hat englische Untertitel. Die Geschichte basiert auf dem Roman des Schweizer Autors Pascal Mercier aus dem Jahr 2004. Sie erzählt von einem Altphilologen, der sein Leben um dreißig Jahre zurückdrehen will, um einen anderen Weg einzuschlagen. Der Roman wurde in 32 Sprachen übersetzt.



Der „Nachtzug nach Lissabon“ läuft am 1. September im Prager Zentrum für zeitgenössische Kunst „Dox“. Diese Location ist erstmals dabei und präsentiert den Besuchern den Film auf einer Dachterrasse mit Blick auf ein Gulliver-Luftschiff. Premiere feiern auch die Kinos „Camp“ und „Ledárny“ in der tschechischen Hauptstadt. Bei Letztgenanntem handelt es sich um ein Autokino im Süden Prags. Wer nicht mit dem Wagen kommt, kann sich in einem der Liegestühle auf dem Kinogelände niederlassen. Klára Arpa hofft auf begeisterte Zuschauer und inspirierende Begegnungen während der Veranstaltungen:


„Man muss unbedingt zum Sommerkino kommen. Die Kultur braucht das. Wir brauchen das alle, uns einfach mal wieder auszutauschen und gemeinsam etwas zu trinken. Wir wollen einfach mal wieder beisammen sein.“


Nach vielen Monaten ohne Kulturveranstaltungen ist sie überzeugt, dass das diesjährige Sommerkino zum Erfolg wird. Es gilt als Einstimmung auf das traditionelle Festival der deutschsprachigen Filme, das im Oktober in Prag und im November in Brünn stattfindet. Ursprünglich war das Sommerkino zum zehnjährigen Jubiläum des Filmfestes als einmalige Veranstaltung geplant. Die zahlreichen Zuschauer sorgten jedoch dafür, dass es in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal über die Bühne geht

Das Sommerkino läuft noch bis zum 26. August in Prag und Brünn und bis zum 7. September in Hradec Králové. Alle Informationen zu Filmen, Ort und Zeit finden Sie auf der Homepage des Sommerkinos: www.dasfilmfest.cz. Eintrittskarten können direkt vor Ort an der Kinokasse gekauft werden.

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