Tornado in Südmähren: Zahlreiche freiwillige Helfer vor Ort, erste Schadensschätzungen


Der Tornado vom Donnerstagabend hat inzwischen ein sechstes Todesopfer gefordert. Die materiellen Schäden in dem Gebiet rund um das südmährische Hodonín / Göding lassen sich immer noch nicht genau beziffern. Am Wochenende sind zahlreiche ehrenamtliche Helfer in die betroffenen Orte aufgebrochen, um die Anwohner bei den Aufräumarbeiten zu unterstützen.


„Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit zu helfen“, sagt Václav Novák aus Jihlava / Iglau. Auch sein Bruder habe sich ihm gleich angeschlossen. Beide haben dazu beigetragen, dass der Marktplatz von Moravská Nová Ves / Mährisch Neudorf mittlerweile schon von allen Trümmern befreit ist.


Viele weitere Menschen halfen dabei, die Dächer der beschädigten Häuser instand zu setzen. Dank diesem Einsatz sind im Ort inzwischen die meisten der beschädigten Gebäude wieder provisorisch gedeckt. Am Wochenende waren in dem betroffenen Gebiet derart viele Helfer eingetroffen, dass die Krisenstäbe schnell dazu aufriefen, sich nicht auf eigene Faust auf den Weg zu machen. In den einzelnen Gemeinden verteilen seit Freitag Koordinatoren die Arbeit. Matěj Motyčka hat diese Aufgabe in Lužice / Luschitz übernommen und berichtete am Montagmorgen in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:


„In den vergangenen Tagen waren es mehrere Hundert an jedem Tag, die sowohl organisiert als auch unorganisiert zu uns gekommen sind. Am heutigen Morgen sind noch etwa 20 von ihnen hier. Die Ehrenamtlichen müssen gezielt eingesetzt werden, damit ihre Hilfe an den betroffenen Orten wirklich Sinn hat.“


Im Moment würden vor allen Klempner, Dachdecker und Zimmermänner gebraucht, fügt Motyčka hinzu. Demnächst werden es dann eher Maurer sein.


Ein weiteres großes Problem sind die zerstörten Stromleitungen. Unmittelbar nach dem Unwetter waren 70.000 Haushalte von der Versorgung mit Elektrizität abgeschnitten. Am Wochenende wurden zahlreiche provisorische Verbindungen eingerichtet, sodass am Montagmorgen nur noch 2000 Haushalte ohne Strom waren.


Bei den Versicherungen laufen nun die Meldungen zu den Tornado-Schäden ein. Schnelle Hilfe besteht ihrerseits in zügigen Vorauszahlungen, der Gewährung von Übernachtungsmöglichkeiten und Ersatzautos oder dem Verzicht auf die Selbstbeteiligung der Beschädigten. Veronika Nová, die Sprecherin des tschechischen Versicherungsverbandes, sprach am Montagmorgen im Tschechischen Rundfunk von mehreren Tausend Schadensmeldungen:


„Die häufigsten Meldungen beziehen sich auf Schäden, die durch den Wirbelsturm und durch Hagel verursacht wurden. Das betrifft nicht nur Dächer, sondern auch weitere Gebäudekonstruktionen. Die Lage ist ungewöhnlich dramatisch, den Versicherungen werden sogar Totalschäden von Immobilien gemeldet. Andere extreme Schäden betreffen Autos, Busse, zerstörte Hallen oder landwirtschaftliche Geräte, die über die Felder gefegt wurden.“


Die Gesamtsumme aller Schäden stehe noch lange nicht fest, fährt Nová fort, Sehr wahrscheinlich werden sie aber die bisherigen Rekorde nach Naturkatastrophen hierzulande übertreffen. Die Regierung des Kreises Südmähren veröffentlichte am Montagvormittag einen Zwischenstand. Demnach betragen die Verluste insgesamt etwa 15 Milliarden Kronen (590 Millionen Euro). Diese Summe müsse aber noch nicht endgültig sein, hieß es weiter.


Noch am Freitag hatte das Ministerium für Regionalentwicklung Hilfsmittel von 420 Millionen Kronen (16,5 Millionen Euro) zugesagt. Am Montagmittag schloss sich Industrieminister Karel Havlíček (parteilos) an und gab bekannt, allen vom Tornado betroffenen Unternehmern 80 bis 100 Prozent der Wiederaufbaukosten zu ersetzen. Die Obergrenze läge allerdings bei einer Millionen Kronen (39.000 Euro), teilte Havlíček auf Twitter mit. Bei seinem Besuch im Krisengebiet kündigte Premier Andrej Babiš (Partei Ano) am Freitag zudem an, auch bei der Europäischen Union finanzielle Hilfe zu beantragen. Diese könnte nach seinen Schätzungen mehrere Milliarden Kronen betragen.


Finanzministerin Alena Schillerová (parteilos) stellte neben der Beihilfe zum Wiederaufbau beschädigter Gebäude auch Kredite mit niedrigen Zinsen in Aussicht – und zwar für alle betroffenen Personen, egal ob sie entsprechend versichert seien oder nicht:


„Wir werden niemanden bestrafen. Es handelt sich meist um ältere Menschen, die sich die Kosten für ein neues Haus nicht mehr erarbeiten können. Wir werden diese Hilfe also wirklich leisten müssen.“

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