Tschechische Wissenschaftler helfen Syrien bei Erhaltung des Kulturerbes



Tschechische Wissenschaftler sind weltweit engagiert und können internationale Erfolge vorweisen. Ihr guter Ruf basiert unter anderem auf wertvollen Entdeckungen aus dem Alten Ägypten, Forschungen am Südpolarkreis oder medizinischen Errungenschaften. Die hiesigen Experten verstehen es aber ebenso, bedeutende Denkmäler und Kunstschätze zu restaurieren. Neuester Beleg dafür ist ein Memorandum, das am Dienstag mit Syrien vereinbart wurde.


In der antiken Oasenstadt Palmyra haben tschechische und syrische Archäologen sowie Spezialisten für die Restaurierung historischer Werke am Dienstag ein Abkommen über ihre weitere Zusammenarbeit unterzeichnet. Inhalt dieser Vereinbarung ist die Rettung archäologischer Denkmäler des arabischen Landes, die durch den schon zehn Jahre währenden Bürgerkrieg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Historiker und stellvertretende Generaldirektor des Nationalmuseums in Prag, Michal Stehlík, macht nähere Angaben zu der Kooperation:


„Wir gehen davon aus, dass wir ungefähr 20 historische Gegenstände von Syrien nach Prag bringen, um sie hier zu restaurieren und auszustellen. Diese Zusammenarbeit hat bereits vor der Corona-Pandemie begonnen und wird beibehalten. Gleichzeitig können wir bestätigen, dass derzeit auf dem Mittelmeer eine Fracht mit Material für Restaurierungen für unsere syrischen Kollegen unterwegs ist. Mit dieser Hilfe können sie ihre Arbeit vor Ort in Damaskus ausführen.“


Stehlík gab diese Informationen am Dienstagmorgen in einer TV-Schalte mit dem Tschechischen Fernsehen (ČT) direkt aus Damaskus, kurz bevor das Abkommen unterzeichnet wurde. Weil die Zusammenarbeit mit den Vertretern der syrischen Denkmalschutzbehörde seit längerem auf allseitigem Entgegenkommen beruht, gab es für ihn nicht den geringsten Zweifel, dass sie vertraglich fortgesetzt wird. Stehlík beschrieb einige der Gegenstände, die in Prag wiederhergerichtet werden, etwas genauer:


„Am wertvollsten sind drei Kalksteinreliefs, die in den vergangenen Jahren schwer beschädigt wurden. Dabei handelt es sich überwiegend um Objekte, die mit einigen Ritualen verknüpft sind. Bei den Reliefs sind es beispielsweise weibliche Figuren. Weitere Gegenstände sind aus Metall, einige von ihnen haben religiöse Motive. Bei anderen handelt es sich wiederum um alte Waffen aus der Bronze- und Eisenzeit oder kleinere Metallspielzeuge, wie man sie damals verwendet hat.“


Gerade bei der Erneuerung kleinerer Metallobjekte wie auch alter Kalksteinsimse aus der Bronze- und Eisenzeit haben die Restaurateure des Nationalmuseums viel Erfahrung. Diese hätten sie unter anderem in Afghanistan bei der Wiedererschaffung der Buddha-Kunst gesammelt, so Stehlík. Auf der anderen Seite stellt die Restaurierung der syrischen Denkmäler eine große Herausforderung dar, handelt es sich dabei doch um Zerstörungen, wie sie nur Kriege hervorrufen. Entsprechend ungewiss sei auch die Zeit, die diese Arbeiten in Anspruch nehmen werden, erklärte Stehlík:


„Wir rechnen damit, dass wir mehrere Monate für die Restaurierung brauchen. Die Gegenstände kommen erst im Herbst mit einem komplizierten Transport nach Prag. Mit etwas gedämpftem Optimismus würde ich sagen: Im Spätherbst nächsten Jahres können sich die Besucher die Ergebnisse unserer Zusammenarbeit zur Rettung des syrischen Kulturerbes im Nationalmuseum ansehen.“


Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Denkmalspflege sei indes nicht das einzige Projekt, dass Tschechen und Syrer gemeinsam verfolgen, sagte Stehlík. Am Dienstag wurde noch ein zweiter Vertrag unterschrieben, in Folge dessen die Experten beider Länder nun auch ihre archäologischen Forschungen an einer alten Zivilisation fortsetzen werden, die auf mehr als 2000 Jahre vor Christus zurückdatiert werden kann. Der tschechische Historiker nannte auch den Ort der Spurensuche:


„Der Ort heißt Tell Al Shameh-Naher-el-arab und liegt unweit der Hafenstadt Latakia. Dort sollten Überreste der alten ugaritischen Zivilisation zu finden sein. Es handelt sich um eine Besiedlung in der Zeit zwischen 2500 v. Chr. und 1100 v. Chr. Unser Archäologen-Team hat bereits die Basisausstattung für seine Arbeit dorthin gebracht. Es handelt sich hierbei um die außergewöhnliche Möglichkeit, eine der ältesten Zivilisationen am Mittelmeer zu erforschen.“


Wie Stehlík abschließend ergänzte, habe man die Lizenz für die archäologischen Ausgrabungen auf dem Territorium des ehemaligen Ugarit-Reiches zu sehr günstigen Konditionen erhalten – als Ausgleich für die Materiallieferungen an die syrischen Denkmalpfleger. Diese Kooperation hat also gerade erst so richtig begonnen.

Source