„Wie auf dem Schlachtfeld“ – der Tornado in Südmähren


Ein Tornado wie in den Tropen hat am Donnerstagabend einige Gemeinden in Südmähren heimgesucht. Er richtete große Schäden an und kostete mindestens fünf Menschenleben.

„Er sei in Lužice, Mensch, wie hoch das sei“, so beschrieb ein Mann mit jugendlicher Stimme in einem Video den Tornado. Solche und weitere Aufnahmen tauchten noch am Donnerstagabend überall in den Social Media auf. Darauf zu sehen war eine enorm große Windhose, die sich dem Entstehungsort des Videos näherte.

Lužice / Luschitz ist eine der Gemeinden in den Bezirken Hodonín / Göding und Břeclav / Lundenburg, in denen der Tornado die größten Schäden angerichtet hat. Am schlimmsten stellt sich die Lage nach dem verheerenden Unwetter in Mikulčice / Mikultschitz, Moravská Nová Ves / Mährisch Neudorf und in Hrušky / Birnbaum dar. In Hrušky sei die Hälfte der Häuser dem Erdboden gleichgemacht worden, sagte der Vizebürgermeister des Ortes, Marek Babisz. Mauern stehen dort ohne Dächer und Fenster, der Kirche fehlen der Turm und das Dach. Die Lage sei schrecklich, sagte der Vizebürgermeister in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Wir bemühen uns in diesem Augenblick, Unterkunft für die Menschen zu finden, die ihr Dach über dem Kopf verloren haben. Mehrere von ihnen werden für längere Zeit eine Ersatzunterkunft beziehen müssen. Wir sind froh um jede Information und jedes Angebot.“

Am Abend noch fuhren mehrere Feuerwehreinheiten in die am schwersten betroffenen Gemeinden. Auch Polizeieinheiten sowie Pioniertruppen der tschechischen Armee wurden entsandt. Zudem waren zahlreiche Krankenwagen mit Notärzten im Einsatz. In der Bezirksstadt Hodonín beschädigte der Sturm etliche Häuser, Autos, ein Seniorenheim und auch den dortigen Zoo. Zugleich wurden viele Patienten ins dortige Krankenhaus eingeliefert. Krankenhausleiter Antonín Tesařík beschrieb die Nacht nach dem Unwetter.

„Es sah hier aus wie auf einem Schlachtfeld. Die Menschen stöhnten, überall war viel Blut. Viele hatten ihre Wunden in der Not nur mit Handtüchern bedeckt.“

Hunderte Polizeibeamte einer Sondereinheit wurden in die betroffene Region entsandt, sie waren mit Drohnen und Wärmebildkameras ausgestattet. Außerdem fuhren sechs Suchteams nach Südmähren, sie sind mit speziellen Kameras ausgestattet, die in Hohlräume eingeführt werden können. Diese fahnden nach verschütteten Menschen. Des Weiteren sind Hunderettungsstaffeln eingesetzt. Aus Ostrava / Ostrau seien in der Nacht 32 Feuerwehrleute und zwei Hundeführer mit Spezialgeräten entsandt worden, sagte der Chef der Feuerwehr im Kreis Mährisch Schlesien, Vladimír Vlček, nach Tagesanbruch:

„In diesem Augenblick werden die beiden Suchteams in Moravská Nová Ves eingesetzt. Dort müssen vor allem zwei Straßen durchsucht werden, denn man weiß nicht, ob sich dort nicht Verschüttete befinden.“

Auch aus dem Ausland kam Hilfe, die Innenminister Jan Hamáček (Sozialdemokraten) gesondert würdigte:

„Es waren auch slowakische und etwa 20 österreichische Krankenwagen und sogar österreichische Notarzthubschrauber im Einsatz. Einige tschechische Patienten wurden in österreichische Kliniken eingeliefert. Zudem kamen österreichische Feuerwehrleute zur Hilfe, sie haben sich sofort den anderen angeschlossen.“

Der tschechische Premier Andrej Babiš (Partei Ano) konnte am Donnerstag aus Brüssel nicht nach Tschechien zurückkehren, weil der Sturm eine Landung in Prag verhinderte.

Die Katastrophe hat den Medien zufolge eine starke Solidaritätswelle losgetreten. In einer von der Stiftung Via durchgeführten Spendensammlung kamen noch in der Nacht rund zehn Millionen Kronen (400.000 Euro) zusammen. Von der Diözesancaritas in Brno / Brünn wird ebenfalls eine Spendensammlung durchgeführt.






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