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Wie die russischen Geheimdienste im Schlepptau der Roten Armee in die Tschechoslowakei kamen


Der 8. Mai 1945 gilt als Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur. Doch für einige Menschen brach danach eine unsichere Zeit an – das waren nicht nur ehemalige Nazis, sondern auch mehrere Hundert frühere russische Emigranten gerieten in der Tschechoslowakei ins Visier der sowjetischen Geheimdienste. Dabei hatten sie häufig schon die Staatsangehörigkeit gewechselt.

Die sowjetischen Agenten kamen im Gefolge der Roten Armee. Das heißt, dass die ersten Verhaftungen auf tschechoslowakischem Boden bereits liefen, als anderswo noch gekämpft wurde.



„Für das sowjetische Regime ging es darum, die Opposition zu liquidieren. Es sollte die Anzahl jener Menschen reduziert werden, die im Ausland lebten, die politischen Verhältnisse in der UdSSR sehr gut kannten und potenziell gegen den Kreml eingestellt waren“, sagt der Historiker Pavel Žáček.

Der frühere Leiter des Instituts zum Studium totalitärer Regime in Prag und heutige Abgeordnete der Bürgerdemokraten hat sich mit dem Thema intensiv beschäftigt. Demnach gingen die sowjetischen Geheimdienste auch gegen ehemalige russische Emigranten vor, die schon längst tschechoslowakische Staatsbürger geworden waren. Das traf zum Beispiel auf den Armeegeneral Sergej Nikolajevič Vojcechovský zu. Während der nationalsozialistischen Besatzung war er eine der führenden Persönlichkeiten des Widerstands gewesen. Dennoch wurde er am 12. Mai 1945 in Prag verhaftet – und zwar von einem Spezial-Kommando des NKWD, also des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten in Russland…


„Vojcechovský hatte sich als russischer Offizier zu Ende des Ersten Weltkriegs den tschechoslowakischen Legionären angeschlossen. Über Sibirien gelangte er 1921 in die Tschechoslowakei. Er gehörte zum sogenannten ‚Weißen Exil‘, also zu den Emigranten aus den Reihen der Gegner der Bolschewiki. 1929 wurde er tschechoslowakischer Armeegeneral. Zudem hatte er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft.“

Vojcechovský wurde in die Sowjetunion verschleppt und dort zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Pavel Žáček:

„Formal sprach ein Militärgericht das Urteil. Die Verhaftung hatte aber das Hauptamt der Spionageabwehr vorgenommen mit der Bezeichnung SMERSch. Diese Behörde bestand aus drei Abteilungen, die eine Reihe wichtiger Aufgaben zum Schutz der Roten Armee erfüllten. Das waren der Kampf gegen deutsche Spione, das Aufspüren von Überläufern, das Eindringen in die deutsche Etappe durch Spezialverbände und Verhaftungen im Hinterland der Roten Armee.“

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