Wimbledon: Plíšková vergibt zweite Chance auf ersten Grand-Slam-Titel



Die Tennisspielerinnen aus Tschechien drücken dem Geschehen bei den Grand-Slam-Turnieren dieses Jahres bisher ihren Stempel auf. Bei den Australian und den French Open holten sie insgesamt drei Titel, und auch beim größten Rasenturnier des Jahres, den Wimbledon Championships in London, lag eine Siegertrophäe in Reichweite. Doch Karolína Plíšková verlor am Samstag das Finale im Damen-Einzel gegen Ashleigh Barty aus Australien in drei Sätzen.


Der letzte siegreiche Schlag des packenden Endspiels gehörte der 25-jährigen Australierin. In knapp zwei Stunden besiegte Ashleigh Barty ihre tschechische Kontrahentin mit 6:3, 6:7 und 6:3. Die Weltranglisten-Erste beendete damit ihr zweites Grand-Slam-Finale mit dem zweiten Pokalgewinn, Karolína Plíšková hingegen ging zum zweiten Male leer aus. Ihre Gefühlslage wollte die 29-Jährige dann auch nicht verbergen:


„Ich will den Ärger über die Niederlage nicht lange mit mir herumschleppen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich sehr enttäuscht bin. Doch ich denke, dass meine Motivation für kommende Aufgaben jetzt überwiegen sollte.“


Karolína Plíšková weiß genau, wovon sie spricht. Denn bisher war gerade das älteste und prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt dasjenige unter den Grand Slams, das ihr gar nicht lag. Vor ihrem Finaleinzug am Samstag war der „heilige Rasen“ für sie eher eine Art Nagelbett, denn nie war sie über das Achtelfinale des Einzelwettbewerbs hinausgekommen. Nun aber hätte sie gleich bei ihrem ersten Finale im südwestlichen Vorort Londons triumphieren können:



„Ich hätte das Duell durchaus gewinnen können, doch Ashleigh hat ausgezeichnet gespielt und mir nicht viele Chancen gegeben. Ich habe mich mit allen Kräften gegen sie gewehrt, doch mein bestes Tennis habe ich leider nicht zeigen können. Denn Ashleighs Spielweise ist sehr unangenehm, sie versteht es gut, ihren Gegnerinnen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.“


Und dies war vor allem zu Beginn des Finales der Fall, als Plíšková im ersten Satz sehr schnell mit 0:4 zurücklag:


„Der Auftakt der Begegnung war schrecklich für mich. Doch ich bin froh, dass ich danach immer besser in die Partie fand und so auch daran geglaubt habe, den Spielverlauf noch drehen zu können. Doch mein Einstieg in das Finale war wirklich katastrophal, und ich befürchtete sogar, nicht einmal eine Stunde lang auf dem Centrecourt zu stehen.“


Aus der einen Stunde wurden fast zwei, das Happyend für Plíšková indes blieb aus. Die Spielerin aus Louny / Laun aber konnte mit ihrem Kampfgeist die Herzen der Zuschauer zwischenzeitlich zurückgewinnen. Und unter den 15.000 Besuchern sahen neben Vertretern der königlichen Familie Großbritanniens auch einige Prominente zu. Zu ihnen gehörte auch ein sehr populärer US-Schauspieler, was Plíšková natürlich nicht entgangen ist:


„Ich weiß, dass auch Tom Cruise auf der Tribüne gesessen hat. Und wie ich gehört habe, hat er mir fest die Daumen gedrückt. Die Stimmung unter den Zuschauern war super. Deswegen möchte ich meine Finalteilnahme trotz der Niederlage auch nicht missen, zumal ich zuvor in Wimbledon nicht einmal das Viertelfinale erreicht habe. Für mich ist das ein Erfolg und eine Motivation für weitere Turniere.“


Und das nächste steht für Karolína Plíšková bereits unmittelbar bevor. Denn in elf Tagen beginnen die Sommerspiele in Tokio, und die tschechische Nummer eins wird dann auch erstmals im Einzel bei einem olympischen Turnier antreten. Allerdings wurde ihr die Vorfreude auf dieses Highlight durch die jüngste Entscheidung der japanischen Gastgeber ein wenig genommen:


„Ich freue mich auf Olympia, doch auch ich habe erfahren müssen, dass wir vor leeren Rängen spielen werden. Das ist ein wenig frustrierend und besonders für mich, die gern vor großer Kulisse spielt, das Schlechteste, was passieren konnte. Auf der anderen Seite gehe ich auch nicht mit den größten Ambitionen in dieses Turnier, denn es besteht kaum Zeit zum Regenerieren und zu einer optimalen Vorbereitung auf einen anderen Belag.“


In Wimbledon hat Karolína Plíšková also noch nicht gewonnen. Das gelang zuvor aber ihren Landsfrauen Jana Novotná (1998) sowie Petra Kvitová, die die Siegerschale sogar schon zweimal (2011, 2014) in die Höhe stemmen konnte. Durch den Finaleinzug verbesserte sich Plíšková jedoch am Montag in der Weltrangliste auf Platz sieben.


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