Starke Krone macht tschechischen Unternehmen zu schaffen

Erstmals seit 2008 durchbrach am Donnerstag der Wechselkurs Tschechische Krone/Euro die Marke von 23,70 Kronen pro Euro. Der Import nach Tschechien wird dadurch um einiges günstiger, der Export leidet allerdings darunter. So meldete der tschechische Verband der Exporteure, dass sie bei einem solchen Kurs 131 Milliarden Kronen (ca. 5,5 Mrd. Euro) Wertschöpfungsumsatz verlieren würden, sollte er für dieses Jahr so beibehalten werden. Daher versuchen sie, so viele Zahlungen wie möglich auf Euro umzustellen.

Die Aufwertung der Krone werde zu einem Problem, sagen Vertreter exportierender Unternehmen in Tschechien. „Ich habe beobachtet, dass die Krone im letzten Monat um drei Prozent gestiegen ist, was real bedeutet, dass unser Gewinn auf den westlichen Märkten in der Eurozone um drei Prozent gesunken ist“, erklärte Jiří Buchal, Geschäftsführer der Firma RD Rýmařov gegenüber dem online-Portal Seznam Zprávy. Die starke Krone mindere die Rentabilität und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit.

Um diesen Problemen entgegenzuwirken, setzen tschechische Unternehmen nun auf den Euro. Sie nehmen ihre Kredite in Euro auf und versuchen so viele Zahlungen wie möglich über den Euro abzuwickeln. „Wir fangen jetzt auch an, Energie in Euro einzukaufen, um nicht unnötig durch Wechselkursschwankungen zu verlieren“, so Buchal. So versuchen die Unternehmen nicht nur möglichst viel im Ausland zu kaufen, sie handeln auch innerhalb Tschechiens Preise teilweise in Euro aus.

Eine Zunahme der Kredite in Euro verzeichnete auch der Industrie- und Transportverband der Tschechischen Republik. So lag der Anteil der Kredite in Euro bei Unternehmen, die nicht zum Finanzdienstleistungssektor gehören bei 44 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe lag er sogar bei 59 Prozent. Dies liegt auch daran, dass Kredite in Euro billiger sind. So liegt der Leitzins der tschechischen Zentralbank (CNB) bei sieben Prozent, bei der Europäischen Zentralbank liegt er lediglich bei 2,5 Prozent.

Verbände fordern Debatte zur Wettbewerbsfähigkeit Tschechiens

Der Zustand der tschechischen Exporteure könnte auch die deutsche Wirtschaft beeinflussen. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Tschechiens, 32,8 Prozent der tschechischen Exporte gehen nach Deutschland. Darunter befinden sich auch die Zulieferer der deutschen Automobilindustrie. Die Tendenz innerhalb der deutsch-tschechischen Wirtschaftskooperation ist zudem steigend. Bis Oktober letzten Jahres erreichte der gemeinsame Handelsumsatz einen Wert von 99 Milliarden Euro, das sind 18,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auf Grund der negativen Auswirkungen der starken Krone auf den Außenhandel fordern die Verbände daher eine intensive Diskussion über die aktuelle Wettbewerbsfähigkeit der Tschechischen Republik. Eine Debatte, die auch für den deutsch-tschechischen Handel und die gemeinsame Wirtschaft relevant sein könnte.

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