Wildschweinhatz zum Welthundetag

Heute ist der internationale Welthundetag. Das feiern wird mit diesem Bild, in dem sich ein Hund so richtig voll ausleben kann. An das arme gejagte Wildschwein denken wir jetzt einfach mal nicht. Es ist ja sowieso nur aus Stuck. Denn heute gilt: Hauptsache, der Hund hat Spaß!

Diese Jagdszene in Stuck findet man als polychrom bemalten Fries über dem ersten Stock des dreistöckigen Wohn- und Mietshauses in der Urxova 483/5 im Stadtteil Karlín (Prag 8). Es ist Jugendstil vom Allerfeinsten, was hier der Bauunternehmer Alois Stárek im Jahre 1906 da errrichtet hat. Das liegt natürlich am Architekten. Das war kein Geringerer als Osvald Polívka (frühere Beiträge u.a. hierhierhier und hier), der im Prag der Jahrhundertwende der Großmeister des Jugendstils schlechthin war. Ein Gebäude von Polívka, das bedeutete immer ornamentalen Überschwang und Phantasie. Und Polívka hatte auch immer eine Vorliebe für putzige Tiermotive, wie man es auch beim Dům U Nováků in der Neustadt bewundern kann (wir berichteten hier).

Das traf sich in diesem Fall ja auch gut, denn die Prager sind Hundenarren und lieben Darstellungen von Hunden auf ihren Häuserfassaden. Beispiele dafür präsentierten wir in diesem Blog u.a. schon hier und hier. Der oben im großen Bild abgebildete Hund ist auch nicht der einzige auf dem Fries. Leider stehen hohe Bäume vor dem Haus, die eine Gesamtabbildung verunmöglichten. Aber das jagende Hundedoppel im Bild rechts soll als Beispiel niemandem an diesem Welthundetag vorenthalten werden. Aber, wie bei Polívka üblich, hat das Haus noch mehr zu bieten.

Auf Höhe des ersten Stock befindet sich in der Mitte der strikt symmetrischen Fasade eine etwas rätselhafte große Relief-Darstellung. Sie zeigt eine von Hinten dargestellte Frau in einer böhmischen Bäurinnentracht, die das Jesuskind (samt Heiligenschein) hoch auf den Armen trägt. Auf was das anspielt und ob es dazu eine Bibelstelle oder eine fromme Heiligenlegende gibt, habe ich (noch?) nicht eruieren können. Theologen, die diesen Blog lesen, wäre ich dankbar für Hinweise… Auch was einen möglichen Zusammenhang mit den hündischen Wildschweinjägern angehen könnte.

Natürlich ist das noch nicht alles. Denn es lohnt sich den Blick über die Fassade schweifen zu lassen. Da sind immer noch viele liebevolle Dekorationsdetails zu erkennen. So zum Beispiel die zierlich ziselierten Schmuckgitter aus grün bemalterm Eisen, die man oben am Dach findet. Sie bestehen hauptsächlich aus Blumenmotiven. Nicht umsionst nennt man die spezielle Form des Jugendstil, den man mit Polívka verbindet, floralen Jugendstil.

Und: Wir wünschen allen canidischen Vierbeinern einen schönen Welthundetag. Man muss dabei aber keine Wildschweine hetzen.

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