Wohnungssuche in Prag – Keine leichte Angelegenheit

Eine bezahlbare Unterkunft für drei Monate in Prag zu finden, ist gar nicht mal so einfach. Unsere Landesbloggerin Helene erzählt von ihren Erfahrungen und wie sie letztendlich doch eine Wohnung gefunden hat.

Wer wenig erwartet, bekommt Vieles geschenkt. Wer gar nichts erwartet, bekommt alles geschenkt. Wer jedoch mit der Erwartung nach Prag zieht, für knapp 600 Euro ein halbwegs ordentliches Zimmer zu mieten,  der wird enttäuscht. Seit gut einer Woche wohne ich in Prag. Als ich mich vorab online auf die Suche nach einer passenden Unterkunft gemacht habe, musste ich schnell feststellen: eine ansprechende und finanzierbare Bleibe zu finden, ist gar nicht so einfach. Zuerst schaute ich auf der Plattform WG-Gesucht. Bislang wurde ich hier immer fündig. Diesmal jedoch konnte ich kein passendes Angebot für einen dreimonatigen Aufenthalt finden. Das könnte daran liegen, dass es sich hierbei um eine deutsche Webseite handelt. Diese wird kaum von Tschechen genutzt. Da ich für mein Praktikum hierherkam, fiel eine Unterkunft im Studentenwohnheim als Option auch weg. Im Internet bin ich auf die Website „Erasmus Play“ gestoßen. Die Seite wirbt damit, „die Vergleichsseite für Studentenunterkünfte“ zu sein. Klingt doch vielversprechend, dachte ich und machte mich auf die Suche nach einem geeigneten Quartier.Die Preise der mir angezeigten Zimmer waren jedoch ernüchternd. Ich konnte kein Zimmer unter 700 Euro monatlich finden. Das konnte ich mir einfach nicht leisten.Da ich selbst nicht mehr wusste, wo ich als nächstes schauen sollte, fragte ich eine Freundin. Sie hatte bereits ein Praktikum in Prag gemacht und meinte, sie sei damals über die Seite studentroomflat.com auf eine passende Unterkunft gestoßen.

Gebremste Vorfreude

Das Konzept der Plattform ist simpel: eine Wohnung mit meist fünf Räumen für fünf Studierende, die dort auf Zeit leben. Gemeinsam teilt man sich eine Gemeinschaftsküche und zwei Bäder. Ich stöberte mich durch ein Meer von Angeboten und entschied mich für das günstigste. Jedoch war auch diese Unterkunft alles andere als preiswert.Da mir die Zeit jedoch im Nacken saß und ich wusste, dass es wohl nicht viel billiger werden wird, entschied ich mich, die Unterkunft zu buchen. Online machte die Wohnung einen wohnlichen und sauberen Eindruck. Ein moderner Altbau in Prag 5 (Smíchov), für knapp 500 Euro monatlich. Ich war total erleichtert, endlich eine scheinbar passende Unterkunft gefunden zu haben. Doch diese Freude wurde schnell gebremst, als ich neben der Miete immer weitere Zahlungen tätigen musste. Neben einer Kaution von knapp 700 Euro kam noch eine Buchungsgebühr von rund 200 Euro hinzu. Als ich alles überwiesen hatte, dachte ich, das war´s nun. Aber nein. Zwei Tage vor meiner Ankunft erhielt ich eine E-Mail, in der man mich fragte, wann ich ankommen würde. Als ich daraufhin schrieb, dass ich am Samstag kommen werde, wurde mir mitgeteilt, dass die Schlüsselübergabe im Normalfall nur Montag bis Freitag stattfände. Für 55 Euro jedoch würden sie mir den Schlüssel auch am Samstag überreichen. Da ich zu diesem Zeitpunkt keine andere Wahl mehr hatte, bezahlte ich auch diese Gebühr. So langsam wurde mir bewusst: Die Mietpreise in Prag unterscheiden sich kaum von denen in Berlin.Auf den letzten Metern musste ich noch eine Hausratversicherung für 150 Euro abschließen, dann endlich bekam ich meinen Schlüssel und machte mich voller Neugier auf den Weg in mein neues Zuhause.

Hinter verschlossener Tür wartete ein ernüchterndes Bild

Nachdem ich so tief in die Taschen greifen musste, hoffte ich, die Unterkunft würde mindestens genauso aussehen, wie auf den Fotos im Internet. Als ich die Tür öffnete, war ich jedoch ein wenig enttäuscht. Mein Zimmer entsprach zwar dem, was ich auf den Bildern gesehen hatte, jedoch waren die Möbel sowie die Einrichtungsgegenstände (Bettdecke, Kopfkissen) in keinem guten Zustand.

Die Krönung ereilte sich am Abend. Beim Versuch, zwei Mücken einzufangen, stieg ich auf mein Bett und noch bevor ich richtig realisieren konnte, was passiert war, krachte es und ich sackte mitsamt der Matratze zu Boden. Mehrere Latten des Lattenrostes waren entweder aus der Fassung gerutscht oder gebrochen.

Am darauffolgenden Morgen unterhielt ich mich mit meinem Mitbewohner über die Situation. Er lachte und erzählte mir, der Handwerker wäre wohl des Öfteren da, um Dinge zu reparieren. Allerdings würden kaputte Sachen nicht repariert oder ausgetauscht, sondern lediglich mit Tape fixiert. Und tatsächlich sah ich plötzlich überall getapte Dinge in der Wohnung. Der Griff des Kühlschrankes, die Küchentür und sogar Teile meines Lattenrostes.  Auf einmal musste ich lachen. Und auch wenn ich von der Unterkunft ein wenig enttäuscht war, bin ich froh, hier gelandet zu sein. Zwar gebe ich hier viel Geld für recht wenig Qualität aus, dennoch sind die Menschen, mit denen ich zusammen wohne, toll. Und diese Erfahrung lässt einen über die kleineren Mankos hinwegsehen.

Article byHelene Schaarschmidt

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